Heft Aktuell
Hanf-Fachverkäufer oder Dealer?
„Die Prohibition macht paranoid, nicht das Gras“
Ich habe seit 10 Jahren irgendwo in Deutschland einen alten Freund, der Gras verkauft. Er sagt immer, das Wort Dealer klinge so übel, prinzipiell stehe er ja zu seinem Job, aber Hanf-Fachverkäufer klinge besser. Ich finde aber, das klingt echt toll: Mein Dealer-Kumpel Fred. Nur wenige Wörter der deutschen Sprache sind so negativ behaftet wie dieser eingedeutschte Anglizismus, und solch negative Assoziationen hat Fred wirklich nicht verdient: Er hat eine 60-Stunden-Woche, ohne dabei wirklich reich zu werden. Dazu kommt die Verantwortung, die er als Hanfverkäufer gegenüber seinen Kunden empfindet, und last but not least: Das sehr hohe Risiko.
Text: Kimo Fotos: David Strange
Advanced Growing Techniques
„Was heißt hier gut? - Es geht immer besser!“
Hinter einer Growshoptheke wird man zwangsläufig Zeuge netter Dialoge der Kunden, die sich sehr oft um das Thema Ertrag drehen. „Wie war Deine Ernte?“ „Ganz okay, Strawberry Cough auf Hydro, gab 0,8 Gramm pro Watt dieses Mal. Das nächste Mal versuche ich mal den XY-Dünger, dann komme ich vielleicht endlich auf mein Gramm pro Watt“. In Growerkreisen hat sich, diese ungeschriebene „ein Gramm pro Watt“-Regel als Maßstab für effiziente Indoor-Technik in den Köpfen vieler Heim(lich)-Gärtner festgesetzt. Hierbei handelt es sich allerdings um einen groben Richtwert, der bei guten und erfolgreichen Ernten sowohl über- als auch unterschritten werden kann, weil die Ertragsmenge neben der Zeit und der verbrauchten Energiemenge nur einer von mehreren Faktoren ist, der über die Effizienz der eingesetzten Mittel und die Qualität des Endprodukts entscheidet. Ich habe mich in Prag mit Can Tau* getroffen, um das Thema „maximaler Ertrag“ mal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, denn Can hat in der Prager Growerszene ob seines Wissens und seiner extrem guten Ernten einen legendären Ruf. Er arbeitet seit über zehn Jahren in einem sehr ambitionierten Prager Growshop und kann, dank der liberalen Gesetzeslage dort und trotz seiner exponierten Stellung im Growshop, ziemlich unverkrampft sowie erfolgreich einen kleinen Growschrank in seiner kleinen Wohnung in der Innenstadt betreiben.
Text & Fotos: Kimo
Autoflowering-Sorten
Züchtungswunder oder aufgeblasener Hype?
Die Cannabis-Sortenwelt wird seit einiger Zeit von „AutoS“ förmlich überrollt. Gemeint sind Autoflowering-Sorten, also solche, die unabhängig von der Lichtperiode nach einer gewissen Zeit automatisch in Blüte gehen, dank der Cannabis Ruderalis-Genetik, die sie enthalten. Fast jede Seed Bank hat sie, fast jede Seed Bank bringt derzeit kontinuierlich neue Autoflowering-Sortenvarianten auf den Markt, es ist der ganz große Hype, alle Saatgut-Produzenten wollen sich vom Kuchen ein möglichst großes Stück abschneiden. Die Zahl der momentan auf dem Samenmarkt verfügbaren AutoS liegt geschätzt bei mehreren hundert, schon bald wird sie eine vierstellige Höhe erreicht haben. Sind AutoS in ihren diversen Ausprägungen also tatsächlich segenbringende Züchtungswunder, oder nur ein künstlicher Hype?
Text & Fotos: Green Born Identity - G.B.I.
Pandora / Paradise Seeds
Exzellente Autoflowering-Lady: Grün ist die Hoffnung!
Einer der jüngeren Autoflowering-Releases von Paradise Seeds heißt Pandora, inspiriert von der bekannten griechischen Sage. Luc, der Inhaber und Breeder von Paradise Seeds, wählte diesen Namen aus einem guten Grund: Pandora bedeutet „Allesgeberin“ oder „Jene, die alles gibt“ ...
Text & Photos: Green Born Identity - G.B.I.
Kali Mist feminisiert
Schwergewichtige Sativa-Queen im perfekt weiblichen Gewand
Die Sorte Kali Mist von Serious Seeds ist eine Legende, eine zeitlose Königin unter den Sativa-Sorten dieser Welt, ein wahrer Evergreen. Ihre Züchtung geht auf das Jahr 1993 zurück. Seitdem ist Kali Mist mehrfach genetisch leicht verändert worden, teilweise weil ein Teil der Elterngenetik verloren gegangen war, teilweise aber auch aus dem Bestreben heraus, sie noch weiter zu optimieren. Simon, Inhaber und Breeder von Serious Seeds, trat sogar einmal extra eine Reise nach Kambodscha an, in der Hoffnung, dort auf alte, genetisch hochwertige Landrassen zu stoßen und sie nach Holland zu importieren. Leider aber fand Simon „nichts, was mit der Klasse der Kali Mist-Eltern zu vergleichen war“. Die verschiedenen genetischen Linien, die Simon in Kali Mist züchterisch vereinte, stammten ursprünglich aus Kambodscha, Kolumbien und Thailand (Sativa-Seite) und Afghanistan (Indica-Seite, geringer Anteil). Die exotische Kali Mist offenbart die klassischen Sativa-Effekte in kristallklarer Qualität, sie liefert einen energetisierenden und inspirierenden High-Energy-Flash von körperlich wie geistig lang anhaltender, intensiver Wirkung. Mehrfache Auszeichnungen bei verschiedenen Cannabis Cups unterstreichen die große Beliebtheit dieses Sorten-Klassikers.
Text & Fotos: Green Born Identity - G.B.I.
Sortenportrait
TH Seeds S.A.G.E.: Die Rückkehr der Königin
“Wenn Du es liebst, Gras zu rauchen, baue S.A.G.E. an!“ – sagte der berühmte Cannabis-Wissenschaftler Robert Connell Clarke über S.A.G.E. vor zwölf Jahren, als diese Sorte auf den Markt kam. Nun, nicht viele, um nicht zu sagen, keine andere Sorte erhält von dem führenden Cannabis-Experten dieser Welt eine solche Empfehlung, und Robert Connell Clarke hätte seinen guten Namen sicherlich nicht für eine mittelmäßige Sorte hergegeben. Kein Wunder also, dass S.A.G.E. bereits beim High Times Cannabis Cup 1999 ausgezeichnet wurde, als sie beim Hasch-Contest den ersten Platz belegte, und dann beim Blind Test des Cup 2001 auf Platz zwei landete. T.H. Seeds berichtet, dass seinerzeit neben Robert Connell Clarke auch Cypress Hill, The Fun Lovin Criminals und Pharcyde auf S.A.G.E. schwörten – viel prominentes Lob also für diese klassische Sativa/Indica-Hybride, deren THC-Gehalt bei über extrem starken 20 Prozent gemessen wurde.
Text und Fotos: Green Born Identity
Sortenportrait
Cinnamon- so gut wie eh und je?
Jeder Grower und Hanfliebhaber kennt den Namen „Jack Herer“. Allerdings geht es in diesen Report nicht um den verstorbenen Schriftsteller und Hanfaktivisten, sondern um einen Sprössling der bekannten und gleichnamigen Cannabis Sorte. Jack Herer ist ein drei Wege Hybrid aus Skunk x NL5 x Haze, ein sehr potenter Strain der Aufgrund seiner Genetik durch viele Variationen auffällt. Sehr viele gute und erfolgreiche Strains haben eine Jack Herer Verwandtschaft. Zu den bekanntesten zählen Jack Flash, Red Horse oder die Cinderella 99, auch C99 genannt. Ich will Euch heute einen weiteren selektierten Phäno vorstellen, der wegen seines zitronigen Aromas und der sehr potenten Wirkung nicht nur in Europa beliebt ist. Gemeint ist die „Cinnamon“ von „Female Seeds“.
Text & Fotos: Mr. CalyX
(M) ein Alltag mit Cannabis
Inzwischen kiffe ich auch mit meiner Mutter
Babette ist neunundzwanzig Jahre alt und arbeitet als Sonderpädagogin mit Kindern und Jugendlichen, die eine Lernbehinderung aufweisen. An einer Schule in Berlin-Wedding vermittelt sie Tag für Tag zwischen Lehrern und sogenannten „Problemschülern“, die sie stets ganz individuell unterstützt. Da könnte man sich ja auch mal fragen: Muss eine studierte Pädagogin nicht ein Vorbild für Jugendliche sein? Und kann sie überhaupt ein Vorbild sein, wenn sie tagtäglich Cannabis konsumiert? Wir glauben schon und auch Babette sieht das so. Schließlich ist Cannabis mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Interview: Martin Müncheberg
Kultur
Wie LSD die Welt veränderte
Mitte bis Ende der 60er Jahre war LSD in der westlichen Gesellschaft neu und weitgehend toleriert. Es half dabei, aus dem Alltag auszubrechen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und oft auch weitreichende Visionen zu entwickeln, die das menschliche Leben - kulturell wie kommerziell - bis in die Gegenwart hinein beeinflussen. Als Väter der sogenannten „psychedelischen Revolution“ gelten vor allem zwei Herren: der Erfinder und der Prediger. Der Erfinder von LSD war Albert Hoffmann, der bekannteste Fürsprecher dieser therapeutischen Droge hieß Timothy Leary und war Harvard-Professor. Doch auch wenn diese Namen für immer mit LSD verknüpft sein mögen, hatten sie doch kaum Einfluss auf das, was dann durch den massenhaften Gebrauch dieser Droge geschah. Albert Hoffmann erklärte 1993: „Ich werde oft als Vater des LSD bezeichnet. Da stellt sich doch die Frage: Wer ist die Mutter? Nun, die Mutter ist ein Pilz, der Ergot genannt wird und im deutschsprachigen Raum als Mutterkorn bekannt ist. Sie gebar einige meiner pharmazeutischen Kinder. Das erste war das Metagin mit seiner geburtsunterstützenden Wirkung, das zweite Kind war das LSD. Während nun das Metagin dabei hilft, leibliche Kinder zu gebären, erweist sich das LSD als sehr hilfreich bei der Geburt des spirituellen Kindes, das in jedem Menschen schlummert. Während also Metagin auf die materielle Welt einwirkt, wirkt LSD auf die geistige Welt und diese Konstellation ist sicherlich nicht zufällig, sondern von einer höheren Autorität so gewollt.“
Text: Martin Müncheberg
Interview
Mallorca – a good place to grow
Eigentlich wollte ich nie nach Mallorca reisen – zu tief saßen meine Vorurteile gegenüber der Ballermann-Insel und ihren alkoholisierten Pauschaltouristen aus der deutschen Heimat. Doch nachdem Familienmitglieder und Freunde die Insel bereist hatten und mit dem Eindruck heimkehrten, dass es da auch noch ein ganz anderes Mallorca zu entdecken gibt, flogen schließlich auch wir auf die angeblich „schönste Urlaubsinsel der Welt“. Hier sahen wir Cannabis-Samen in Hotel-Supermärkten und trafen sogar einen Auswanderer, der sich auf Mallorca eine durchaus hanfrelevante Existenz aufgebaut hat. Seit mehr als fünf Jahren betreibt ein Deutscher den mittlerweile größten Grow-Shop Mallorcas: Die „Grow-Zone“ in der Nähe des Flughafens von Palma de Mallorca. Hier trafen wir uns kurz vor der Abreise mit Rudolf, der mit „Mallorca Seeds“ auch seine eigene Samenbank betreibt und der uns eine ganze Menge zum Thema Cannabis in Spanien zu berichten wusste.
Text & Fotos: Martin Müncheberg
Kein Thema für Deutsche Medien
Der War on Drugs
Der weltweite „War on Drugs“ hat mittlerweile so skurrile Auswüchse angenommen, dass einem fast die Worte fehlen, wenn man sich mit den Details beschäftigt. Den meisten Deutschen Medien fehlen sie wirklich, denn sie berichten kaum über den blutigsten Konflikt unserer Zeit. Auch Deutschland rüstet auf, Heckler & Koch wurde nachgewiesen, dass auch deutsche Waffen in Mexiko töten. Unser Betäubungsmittelgesetz ist Teil des Drogenkriegs, sozusagen seine kleine Schwester: Die europäischen und nordamerikanischen Konsumenten und Sponsoren der Kriegsware werden durch das uneffektive und schädliche Gesetz in den Abnehmerländern kriminalisiert und kontrolliert. Deshalb hier noch einmal die wichtigsten Updates und Fakten zu einem Konflikt, in dem alleine in Mexiko über 40.000 Opfer zu beklagen sind. Das dortige Staatswesen funktioniert nicht mehr, weil auch der Polizeiapparat von den Drogenkartellen unterwandert ist. Selbst beim Anschlag auf ein Casino in Monterrey mit 52 Toten im August waren Polizisten beteiligt, nicht selten werden ganze Einheiten bei der Zusammenarbeit mit den Gangstern erwischt. Die USA haben mittlerweile eine Rolle eingenommen, die eine direkte Einmischung vermuten lässt.
Text: Kimo Fotos: Jorge Cervantes
Musik
KOOL SAVAS
Er bezeichnet sich selber als „King of Rap“ und hat dennoch das „King“ aus seinem Künstlernamen entfernt. Am Anfang seiner Musikerlaufbahn nannte er sich noch „King Kool Savas“, doch nachdem Ende November 2011 sein Album „Aura“ auf Anhieb die Spitzenposition der deutschen Verkaufscharts erreichte, dürfte nun jedem klar sein, dass er auch ohne „King“ ein echter King ist.
Interview: Martin Müncheberg
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