Bounty und Dr.G haben ihr Können bereits vor einem Jahr in unserem Outdoor-Growreport der Superlative unter Beweis gestellt (thcene 02/2011: Hanf-Anbau im Großstadtdschungel). Auch 2011 war es wieder soweit. Die beiden ambitionierten Heim(lich)-Gärtner haben noch ein wenig zugelegt: Mehr Sorten, mehr Pflanzen, mehr Stellplätze, und das alles mitten in einer deutschen Großstadt. Doch das war auch mit mehr Stress und Ärger verbunden – dazu aber später.

Ich treffe mich mit den beiden, um die Outdoorernte 2011 zu verkosten und mir nebenbei Notizen für diesen Bericht zu machen. Der Ort unseres Treffens ist gleichzeitig der Arbeitsraum und so kommt es, dass beide während des gesamtem Gesprächs damit beschäftigt sind, die Nachlese ihrer diesjährigen Ernte zu maniküren und danach zum Trocknen aufzuhängen. Eigentlich hatte ich geplant, ein Interview zu führen, doch die Antworten der beiden waren so umfassend, dass neben der eigentlichen Frage eine Menge mehr zur Sprache kam. Und das war so lehrreich und interessant, dass ich es unseren Lesern nicht vorenthalten wollte, auch wenn die eigentliche Frage dabei manchmal in den Hintergrund rückt.

Als ich vor der Wohnung stehe, schnuppere ich ganz genau, ob Bounty und Dr.G. nicht doch ein wenig nachlässig sind, aber ich rieche trotz intensiven Schnüffelns lediglich den muffigen Geruch eines in die Jahre gekommenen, feuchten Bastteppichs, der das Treppenhaus verziert. Auch im Vorraum, in den mich Dr. G. zur Begrüßung führt, riecht es absolut neutral. Das ändert sich abrupt, als wir den Raum betreten, in dem uns sein Partner bereits erwartet. Das ganze Zimmer riecht stark nach Gras und nach Grün, an der Decke hängen bereits beschnittene Pflanzen, während in einer Blumenvase vor Bounty ein riesiger Strauß frischer Hanfpflanzen darauf wartet, das überflüssige Grün los zu werden. Nachdem er eine fette Tüte mit Grandflora gerollt, angezündet und weitergegeben hat, erzählt mir Bounty von den Problemen bei der diesjährigen Outdoorernte.

„Wenn Dein Feld weit von dem Ort der Weiterverarbeitung weg ist, kann man immer nur eine kleine Menge zum Beschneiden mitnehmen. Andernfalls hängen die Blätter nach ein paar Stunden schlaff herab und das in Growerkreisen genannte „Knippen“ wird noch zeitaufwendiger als ohnehin schon. Wenn ich die Pflanzen in eine einfache Vase stelle, so kann ich sie fast einen Tag stehen lassen, bis das mit der Maniküre stressig wird. Eine Erntemaschine, die ich für Indoor-Pflanzen auf und an benutze, würde das Zeitproblem zwar lösen, zerschreddert mir bei den Outdoor-Ladies aber die ganzen Trichome auf den Ernteresten, so dass es unmöglich wird, daraus Haschisch zu gewinnen. Ich habe es immer mal wieder mit den unterschiedlichsten Maschinen aus dem Growshop versucht, aber leider erfolglos. Denn in nördlichen Gefilden werden die Buds zwar schön harzig, aber eben nicht so fest und so kompakt wie Indoor. Außerdem ist der Übergang vom Blatt zur Blüte nicht so klar abgegrenzt wie bei Pflanzen, die unter Kunstlicht wachsen. Da ist Handarbeit besser. Ein weiterer Unterschied, über den ich noch nirgendwo gelesen habe, der mir aber seit Jahren auffällt, ist die unterschiedliche Färbung der Trichomköpfe. Ich schau‘ ja immer ganz genau mit der Lupe nach. Drinnen sind die bis ein, zwei Wochen vor der Reife klar und fangen dann an, milchig zu werden. Draußen beobachte ich seit Jahren, dass die Trichome von Anfang an milchig sind. Deshalb kann man den Erntezeitpunkt meines Erachtens nach bei Outdoorgrows nicht an der Färbung der Trichome erkennen.“

Wow, das war mir als Indoor-Freak bisher auch so nicht bewusst, cool. Aber erzählt doch mal von Anfang an., wie es Euch beiden dieses Jahr ergangen ist.

Mr.G.: Bei unseren Outdooraktivitäten handelt es sich um ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Vorweg möchte ich sagen, dass es uns eigentlich primär darum geht, unseren Freundeskreis und uns mit guten Bio-Weed zu versorgen und der Prohibition ein Schnippchen zu schlagen. Ohne Unterstützung von Strom- oder anderen Konzernen, einfach nur mit der Kraft der Sonne sowie ein wenig Glück und Verstand. Wir fangen schon im November des Vorjahres mit den Vorbereitungen an. Die Plätze, an denen vergangenes Jahr keine Diebe zu Gange waren, nutzen wir ein zweites Mal, für enttarnte Stellen suchen wir uns neue. Wir graben die ersten zehn Zentimeter unserer potentiellen Pflanzstelle für kommendes Jahr um und entfernen Wurzelreste, Steine und die Grasnarbe. Dann legen wir Laub und Äste drüber, so dass man im Frühjahr nur noch schnell die Pflanze einbuddeln muss. Das verringert später die Aufenthaltszeit mit den Graspflanzen vor Ort immens, ein sehr wichtiger Faktor, die Entdeckungs-Wahrscheinlichkeit zu senken. Wobei einer arbeitet und einer nach dem Erdmännchen-Prinzip Wache schiebt. Das halten wir immer so, egal ob beim Einpflanzen, der Pflege oder bei der Ernte. Natürlich lassen wir uns unsere Arbeit vergüten, aber wenn man es auf einen Stundenlohn umrechnet, dann verdienen wir nicht mal den gesetzlichen Mindestlohn. Das liegt daran, dass wir über 50 Prozent der Energie und des Geldes, die wir in das Projekt stecken, für Tarnen und Täuschen investieren müssen. Zudem geht noch sehr viel Zeit durch das Herumfahren drauf. Könnten wir legal alles an einem Ort anbauen so wäre der Aufwand allerhöchsten 30 Prozent dessen, war wir momentan investieren. Das Gras verkaufen wir dann aber zum Freundschaftspreis und eine Menge rauchen wir selbst. Reich wird keiner von uns vom Weedanbau. Unserer innerer Antrieb ist eher „ Grow down Babylon“.

Bounty:„ Zur selben Zeit setze ich die Mutterpflanzen für die Stecklinge an, die wir im Frühjahr raus stellen wollen. Mit regulären Samen ginge wenig, weil wir nur gut vorgewachsene, weibliche Pflanzen raus stellen. Einfach im März oder April einen Samen in die Erde zu setzten, würde hier nicht funktionieren, denn die kleinen Sämlinge hätten kaum eine Chance, sich gegen die anderen Pflanzen drumherum durchzusetzen. Und feminisiertes Saatgut ist bei uns weniger angesagt als Stecklinge, obwohl wir in diesem Jahr zum ersten Mal auch das ausprobiert haben. Bereits vor drei Jahren haben wir die Grundlage für unsere diesjährige Zucht gelegt, indem wir in der Schweiz drei Sorten Samen gekauft haben. Granflora, Double Gum und Skyflight von Swiss Seeds. Es ging uns darum, früh blühende Sorten zu haben, die auf jeden Fall bis Oktober fertig werden. Da waren die Schweizer Sorten für nördliche Breitengrade naheliegend.

Aus den Samen habe ich dann vorletztes Jahr zuerst die besten Pflanzen heraus selektiert, und zwar erst einmal indoor, um daraus neun Mutterpflanzen zu ziehen: Drei Granflora, drei Skyflight und drei Double Gum. Vor zwei Jahren haben wir dann diese besten Phänotypen der Schweizer Sorten meiner Indoorkammer, draußen ausgetestet. Denn nicht immer ist das, was indoor gut ist, auch für draußen geeignet, egal was auf dem Label steht. Von den neun Phänotypen, die wir selektiert hatten, und 2008 Outdoor ausprobiert haben, hatten wir für 2009 nur vier übrig behalten: Je zwei Granflora und zwei Skyflight, die Double Gum haben wir komplett ausgemustert, weil sie draußen oft zwittrige Blüten gebildet hat und die Erträge wirklich nicht besonders waren. Die anderen Phänotypen hatten auch alle irgendetwas, was uns nicht ganz optimal gepasst hat. Entweder eine zu lange Blüte, zu große Internodien oder einen zu kleinen Ertrag. Also haben wir sie als Outdoorpflanze ausgemustert und ganz nach drinnen verfrachtet oder ganz aus dem Sortiment geworfen. Dieses Jahr haben wir dann von unserer ursprünglichen Genetik nur Granflora gepflanzt. Außerdem hatte ich vergangenes Jahr fünff feminisierte Samen White Domina Automatic von Kannabia Seeds ergattert und ein paar Jack Flash-Steckis sowie ein paar Probeexemplare einer Eigenkreation, die ich Grise nenne. Bei der Grise habe ich eine Grandflora in meiner Indoor-Kammer mit einem unbekannten Outdoor-Männchen aus meinen gesammelten Samen gekreuzt und mir aus dem schicksten Phänotypen eine Mutterpflanze gezogen. Unter Licht ist die lecker und vor allen Dingen schnell fertig, deshalb wollte ich sie 2011 auch mal draußen ausprobieren. Also habe ich dieses Jahr ungefähr im Februar 250 Grandflora und ein paar Probe-Stecklinge der erwähnten Sorten vorbereitet, damit ich sie nach der Bewurzelungsphase im Gewächshaus noch fast zwei Monate unter 36 Watt-Leuchtstoffröhren vorwachsen lassen kann. Dazu habe ich Anfang April die selbstblühende und feminisierte White Domina ausgesät. Der Plan mit den White Dominas war, sie in der Mutterkammer bei 18 Stunden Licht „anblühen“ zu lassen, um sie dann die letzten vier bis fünf Wochen draußen ausreifen zu lassen. Allerdings haben sich während den vier Wochen in der Mutterkammer keinerlei Blütenbildung angedeutet, was mich ein wenig stutzig gemacht hat. Denn die Automatic-Strains blühen ja angeblich unabhängig von der Tageslänge.

Was ist bei der Platzwahl wichtig?

Dr.G.: Dazu muss ich vorab unser Prinzip vom „Integrierten Anbau“ erklären. Wir nutzen gerne so genannte „Zeigerpflanzen“. Brennnesseln z.B. zeigen, dass ausreichend Phosphor und Stickstoff vorhanden sind. Allerdings brauchen die nur wenig Licht. Holunder braucht viel Licht, also ist eine Stelle, wo Brennnesseln und Holunder wachsen, optimal geeignet. Denn wir düngen nur beim Einpflanzen ein wenig an, den Rest überlassen wir Mutter Natur. Kein Dünger, keine Zusätze. Am besten ist, wenn der Growplatz zudem von Brenneseln oder dornigen Gestrüpp geschützt ist. Da geht kaum jemand freiwillig durch. Wir achten schon beim Vorbereiten darauf, dass sich die Pflanzen nächstes Jahr optisch an die Umgebung anpassen können, also integrieren. Deshalb legen wir die Plätze auch nie symmetrisch als Kreis oder Quadrat an, sondern passen sie den Gegebenheiten an. So, dass wir im Frühjahr ungefähr pro Pflanzplatz 20 Pflanzen in Form einer Banane oder einer Elipse in die Landschaft mit den sowieso vorhandenen Pflanzen einpassen. Gut ist, wenn möglichst viele verschiedene Arten vorkommen, denn jede lenkt mit ihrer bunten Blüte wiederum von unsern Damen ab.

Wichtig ist auch, bei der Wahl des Platzes darauf zu achten, dass er auch zu Trockenzeiten über ausreichend Feuchtigkeit im Boden verfügt. Auch hierzu nutzen wir bei der Platzwahl die umstehenden Pflanzen wie den Ehrenpreis, der es nicht trocken mag, als „Zeigerpflanzen“. Zudem ist eine „ Grabenlage“, zum Beispiel hinter einem Damm oder in einer natürlichen Grube, in zweierlei Hinsicht von Nutzen: Sie verhindert neugierige Blicke und das abfließende Regenwasser sammelt sich dort. Wir mussten im gesamtem Sommer 2011 nicht ein einziges Mal Notwässern, was nicht nur am schlechten Wetter gelegen hat, sondern auch unseren „tiefstehenden“ Pflanzen zu verdanken war. Wenn wir vorher sehen, dass eine Pflanze zu hoch und somit von außen einsehbar werden könnte, graben wir eine 30-50 Zentimeter tiefe Kuhle und pflanzen sie dort hinein, damit sie tiefer steht.

Wir versuchen außerdem, Tierpfade zu nutzen, selbst hier in der Stadt gibt es unzählige wilde Tiere, die des Nachts durchs Gehölz schleichen. Gibt es keine Tierpfade, achten wir penibel darauf, keine Trampelspuren zu hinterlassen. So sehen wir auch schon bei unseren Kontrollgängen, ob sich zwischenzeitlich jemand an unserem Platz zu schaffen gemacht hat. Ist das der Fall, gehen die Alarmglocken an und wir treffen Vorsichtsmaßnahmen, bevor wir die Stelle checken.

Die Pflanzen dürfen außerdem auf keinen Fall von einem Weg, einer Straße oder einer Bahnlinie her einsehbar sein, brauchen aber ausreichend Licht. Sonne sollte vor allen Dingen nachmittags und abends vorhanden sein und auch im Herbst muss der Platz trotz tiefstehender Sonne noch ausreichend beleuchtet werden. Deshalb ziehen wir Süd-oder Südwestlagen definitiv vor. Wie man sieht, ist es gar nicht so einfach, geeignete Growplätze im Großstadtdschungel zu finden.

Dr.G.: Zwischen Ende April und Anfang Mai geht es dann richtig los. Das Einpflanzen erledigen wir natürlich zusammen. Unsere Ausrüstung besteht dabei aus einem Campingsack mit Angießwasser, einer kleine Schaufel sowie absolut transport- und geruchssicher verpackten Stecklingen. Wir nehmen pro Tour immer 20-25 Pflanzen mit. Sollten wir doch einmal beobachtet werden, so ist der Verlust auf diese Weise überschaubar. Draußen angekommen schnappt sich einer das Equipment, der andere steht Schmiere. Wichtig ist, die Babies, mit ruhiger Hand und ohne Lärm flott zu machen und an den im Herbst vorbereiteten Plätzen einzupflanzen: Laub beiseite schieben, 20 kleine Löcher ausheben, Steckis rein, Gießrand formen, angießen und ein wenig Schneckenkorn drumherum. Okay, nicht gerade tierfreundlich, aber wir haben schon genug Probleme mit zweibeinigen Dieben, die Schnecken haben uns 2008 den letzten Nerv geraubt, seitdem nutzen wir Schneckenkorn. Aber das kommt ja nicht mit den Hanfpflanzen in Berührung. Wir setzten ungefähr zwei bis drei Stecklinge pro Quadratmeter, je nach Sonneneinstrahlung und Sorte. Dann gibt es eine kurze Rückfrage an das Wachmännchen, ob die Luft rein ist, fertig und ab nach Hause. Das machen wir zehn Tage lang und haben anschliessend alle 220 Pflanzen dort, wo wir vergangenes Jahr den Boden vorbereitet hatten.

Ihr versorgt die Pflanzen gar nicht während der ganzen Zeit?

Bounty: Fast nicht, die ersten Wochen aber schon. Wir machen nach fünf Tagen unseren ersten Kontrollgang. Nicht gut angewachsene oder kränkelnde Pflanzen werden durch neue ersetzt, Pflanzen, die mit unseren Ladies konkurrieren, werden entfernt. Unkraut im eigentlichen Sinne gibt es ja bei unserer Methode nicht, wir achten nur darauf, dass andere Pflanzen unsere Hanfdamen nicht verdrängen, wenn diese noch jung und zart sind. So kümmern wir uns drei Wochen lang ausgiebigst drum, den Rest überlassen wir Mutter Natur. Nur wenn es im Sommer richtig heiß und trocken wird, fahren wir „Notgießen“, was in diesem Jahr zum Glück nicht notwendig war. Denn das Schleppen von großen Rucksäcken voller Wasser ist anstrengend und im Wald nicht immer unauffällig. Dieses Jahr sind die Pflanzen prima angewachsen und anfangs haben sich alle prima entwickelt. Vor allen Dingen die White Domina haben sofort angefangen, in die Höhe und Breite zu wuchern. Schon fast beängstigend, allerdings haben die Selbstblüher weder im Mai noch im Juni oder Juli auch nur geringste Ambitionen gezeigt, Blüten zu bilden. Im August waren sie fast drei Meter hoch und haben endlich angefangen zu blühen, allerdings zeitgleich mit den Granfloras, kurz vor den Jack Flash und meinen „Grise“.

Leicht irritiert, haben wir uns dann an der Größe des in Spanien gezüchteten Strains erfreut. Der Reifeprozess verlief dann auch wesentlich schneller als bei den übrigen Damen. Wir fahren zu Zeiten der Haupt- und Endblüte, also im August und September, so selten wie möglich zu den Mädels. Deshalb ist uns der White-Domina Super-Gau erst aufgefallen, als es schon fast zu spät war: Der riesige Knüppel- ein Zwitter. Die (oder der?) White Domina hat sich selbst und alle umstehenden Pflanzen mit männlichen Pollen bestäubt. Deshalb sieht das Neutrum auch nicht „White“, sonder eher „Green“ aus.

Dr.G: Also sofort ab damit, Notschlachtung. Zwar haben wir die restliche Grandflora und Grise noch fast einen Monat stehen lassen, aber für diese Stelle kam jede Hilfe zu spät. Nach dem Trocknen haben wir gesehen, dass alle Blüten total versamt waren und haben uns entschieden, daraus Haschisch nach marokkanischer Art zu machen. Nach dem Trocknen haben wir dann gesehen, dass allein eine Pflanze der Weißen Domina über zwei Kilogramm zwittrige, nicht besonders potente Blüten abgeworfen hat. Im Nachhinein freuen wir uns, dass diese Notschlachtung ob der reinen Menge immerhin mehr als ein paar Gramm leckeres Haschisch ergeben hat.

Doch das war nicht alles. An einer anderen Stelle, die wir schon seit Jahren nutzen, haben wir ein Männchen, das sich im Jahr zuvor wohl selbst ausgesät hat, erst Mitte August entdeckt. Auch hier haben wir kein Sinsemillia mehr, auch wenn es nicht ganz so schlimm aussieht wie an der Stelle mit der verzwitterten Selbstblühern, die weder früher blüht noch ordentlich feminisiert war.

Drei andere Stellen sind richtig schön geworden, keine Samen, keine Schnecken, keine Wildschweine und vor allen Dingen: Keine Diebe. Denn anders als in der vergangenen Saison hat das Gesindel 2011 so richtig zugeschlagen: Waren Ende August noch neun unserer zehn Plätze unversehrt, wurde uns im Laufe des Septembers und während der ersten Oktoberwoche die Hälfte aller unserer Anpflanzungen geplündert. Wir sehen ja auch, wie geklaut wird. Wenn einer drüber stolpert und sich ein paar Äste abbricht oder eine Pflanze klaut, so ist das für mich fast wie Mundraub, wenn auch ein wenig verwerflicher. Aber die Gierschlunde müssen ein Auto oder zumindest einen riesigen Fahrradanhänger gehabt haben. Ein Feld, für dessen Ernte wir zu zweit zweimal mit dem Rad rausfahren müssen, war von heute auf morgen komplett leer gefegt. Im Prinzip haben wir dieses Jahr genauso viel geerntet wie das Jahr davor, obwohl wir doppelten Aufwand betrieben haben. Aber wir sind dankbar für das, was wir haben, anstatt uns über das, was wir nicht haben, zu ärgern.

Hmm, schade. Ich kann mich erinnern, dass ihr mir vor einem Jahr erzählt habt, dass 2010 nichts geklaut wurde und ein unbekannter Baumpfleger sogar darauf hatte, die Pflanzen nicht zu zertreten. Ging denn bei der Ernte wenigstens alles glatt vonstatten?

Bounty: Draußen erledigen wir nur das Gröbste: Unsere Equipment besteht aus einer Rosenschere für die Stängel, einer Bonsai-Schere zum Beschneiden der Blüten, Lederhandschuhen, einer großen Plastikfolie, zwei kroatischen Preload-Handys und einem Rucksack. Die Handschuhe sind für den Heimweg immens wichtig, weil man draußen die nach Gras stinkenden und klebenden Hände schlecht sauber bekommt. Die große Folie dient zum Einwickeln der frischen Blütenstände, damit man keine Grasfahne hinter sich herzieht. Bevor die Ernte in einen Rucksack oder eine Tasche wandert, muss sie bereits in drei oder vier Lagen Folie eingewickelt sein. Ist das Wetter angenehm, erledigen wir den groben Vorschnitt gleich in freier Natur. Nicht direkt am Pflanzort, sondern in irgendeiner ruhigen Ecke ein paar hundert Meter entfernt. So ist es einfacher, sie zu transportieren und die groben, nicht potenten Schnittreste sind gleich umweltgerecht entsorgt. Bei schlechten Wetter schneiden wir die Buds nur vom Stängel und machen Grob- sowie Feinschnitt zu Hause.

Dr.G.: Ganz egal, wie viel Mühe man sich macht, um ein gleichmäßiges Wuchsbild zu erzeugen: Selbst bei einem Feld der gleichen Sorte gibt es sogar an der gleichen Pflanze immer wieder unterschiedlich reife Buds . Deshalb fahren wir zu jeder Stelle zweimal im Abstand von zwei Wochen, weil wir ansonsten zu viele unreife Blüten miternten würden. Das ist wie bei einem Kirsch-oder Apfelbaum. Zur Ernte fahren wir immer mit dem Fahrrad, die Bahn wäre hierfür zu gefährlich. Mit vollen Rucksäcken fahren wir dann im Expresstempo zur Trockenkammer, denn frisches Gras mag ja eigentlich keine Plastikverpackung. Die Trockenkammer ist die gleiche, die ich für meine Indoor-Grows benutze, eine Art große Abstellkammer, die ich mit einem Aktivkohlefilter und einem kleinem Lüfter bestückt habe. Da werden sie dann kopfüber aufgehangen und trocknen zwischen 10 und 20 Tagen. Wenn die Stiele „knackig“ sind, schneiden wir die Blüten herunter, packen sie in eine Plastiktonne mit halb geöffnetem Deckel und wenden das Weed darin einmal am Tag. Nach knapp vier Wochen hat es ein richtig nettes, intensives Aroma und ist bereit, geraucht zu werden. Aber dann ist es auch schon wieder Zeit, die Stellen für das kommende Jahr vorzubereiten.

Darf ich fragen, wie groß denn Euer Ertrag insgesamt war?

Bounty: Hmm, Zahlen will ich keine nennen. Aber der feucht-warme Sommer und der sonnige Herbst haben dafür gesorgt, dass die Pflanzen so groß wie nie zuvor geworden sind. Wir waren ja im Juli und im August ziemlich skeptisch und hatten ob des Dauerregens tierisch Angst vor Schimmel. Aber im Nachhinein war das Wetter mit dem dann trockenen, sonnigen September, das Beste, was den Hanfdamen widerfahren konnte. Eine Rekordernte wurde dann leider kurz vor Zieleinlauf durch die bereits erwähnten Tunichtgute verhindert, so dass wir ein wenig über dem Durchschnitt der letzten Outdoor-Ernten lagen. Wenn ich Dir jetzt sage, dass wir beide sowie 15 unserer Freunde und ihre Familien für ein Jahr genug zu quarzen haben und ich jetzt noch drei Wochen nach Spanien fahren kann, bevor ich anfange, die Mutterpflanzen für die kommende Saison groß zuziehen, sollte das reichen. Denn ich kann gerade kein Gras mehr sehen oder riechen, zumindest nicht mein eigenes.

Also habt ihr gerade mal drei Wochen Urlaub sozusagen?

Dr.G.: Naja, Urlaub ist übertrieben, denn unsere Hanfzucht betrachte ich eher als zeitintensives Hobby denn als Fulltime-Job. Ich hoffe, dass Bounty für das kommende Jahr mal neue Sorten selektiert, indem er den Spanien Urlaub dazu nutzt, gute, neue Outdoor-Strains zu suchen. Seit dem Samenverbot in der Schweiz wollen wir uns nicht mehr ausschließlich auf deren Genpool verlassen. Schade, dass in Österreich so wenig Outdoor geht, Sorten von da wären auch optimal für unsere Breitengrade.

Na dann wünsche ich einen schönen Urlaub und dem Bounty eine erfolgreiche Strainsuche in Spanien. Zeigt Ihr mir 2012 dann, was aus Euren Plänen geworden ist?

Bounty: Klar; Mann. Komm rum, wir machen die Saison über wieder schicke Fotos, hoffentlich dann auch von neuen Sorten. Bis nächstes Jahr, und Gruß an alle thcene-Leser.

Dr.G: Ja, tschö, ich freue mich schon auf das nächste Heft. Auch von mir Grüße an alle Grower, Breeder und Hanffreunde da draußen.

Danke für den tollen Bericht, passt auf Euch auf und bis bald Jungs. Tschüüs.

Auf dem Weg zurück in meine eigene Großstadt ertappe ich mich bei dem Gedanken, wo man denn dort so viel Weed anbauen könnte, ohne dass es auffiele. Und siehe da, vor meinem inneren Auge tut sich ein Ort auf, der, obwohl mitten im urbanen Trubel gelegen, optimal für ein paar Pflänzchen wäre.