Torsten F. (45) arbeitet als leitender Angestellter in einer kleinen Fachbuchhandlung in Berlin-Schöneberg und hat schon viele Bücher zum Thema Hanf gelesen. Doch neben der Theorie ist er auch ein Freund der Praxis und so raucht er nun schon seit fast zwanzig Jahren regelmäßig Cannabis – nur seine Freundinnen hatten und haben manchmal ein Problem mit ihm. Denn Torsten erklärt ganz freimütig Cannabis zu seiner Geliebten.

Kannst du dich noch an deine erste Cannabiskonsumerfahrung erinnern?

Klar, das war auf einer Party meines großen Bruders – ich war gerade mal fünfzehn und hatte zwei Freunde zu Gast, die auch über Nacht bei uns blieben. Mein Bruder wollte uns Jungspunde auf seiner Party nicht wirklich dabei haben, aber natürlich ließen wir uns nicht davon abhalten, auch mal diesen oder jenen Raum zu betreten. Dabei stibitzte einer meiner Freunde einen fertig gedrehten Joint, mit dem wir uns dann rasch auf mein Zimmer zurückzogen. Dort zündeten wir drei kleinen Bengel die Tüte voller Vorfreude an – es war für uns alle der erste Hanfrausch. Eigentlich wusste keiner von uns, was wir da eigentlich rauchten – ich weiß gar nicht, ob damals überhaupt schon einer von uns irgendetwas von Haschisch oder Marihuana gehört hatte. Rückblickend gehe ich davon aus, dass wir damals ganz einfaches Haschisch geraucht haben, Gras war ja praktisch nicht zu haben. Wie dem auch sei – wir inhalierten das Gerät und schon bald wurde uns allen mächtig schwummerig und einer musste auch mal kurz brechen gehen. Da waren wir uns dann natürlich auch nicht mehr so sicher, ob es uns überhaupt gut geht. Aber mit der Zeit wurde das Körpergefühl viel angenehmer und wir saßen in meinem Kinderzimmer, während von draußen Partygeräusche und laute Musik trotz geschlossener Tür hereindrangen.

Wir waren völlig zufrieden damit, einfach nur rumzusitzen, uns anzuglotzen und zu kichern – irgendwie schien die Zeit zu verfliegen und gleichzeitig stehenzubleiben. Jeder fühlte zwar für sich alleine – aber wir wussten, dass die anderen ebenso fühlten. Es war in gewisser Weise ein sehr individuelles Erlebnis, welches uns aber als ein gemeinsames erschien, da wir ja alle das Gleiche fühlten. Ich glaube, am meisten haben wir uns über dieses noch völlig unbekannte Rauschgefühl gewundert, das uns da für ein paar Stunden erfasst hatte. Zuvor hatten wir Kleinstadtkinder zwar auch schon Erfahrungen mit dem allgegenwärtigen Alkohol gemacht – doch irgendwie war es doch etwas anderes, ein paar Gläser O-Saft mit Sekt zu trinken. Jedenfalls haben wir noch lange danach über diesen Abend gesprochen, der uns irgendwie zusammengeschweißt hat – nicht zuletzt, da wir ja keinem erzählen konnten, dass wir erst einen Joint geklaut und dann geraucht hatten.

Wie ging es dann weiter?

Nach unserer Einstandserfahrung blieb es eine ganze Weile dabei – wir hatten auch gar kein Bedürfnis, danach gleich wieder zu kiffen. Zudem fehlte auch die Gelegenheit an Rauchware zu gelangen und so dauerte es knapp drei Jahre, bis ich das nächste Mal Cannabis konsumierte – aber auch nur, weil ein Freund etwas aufgetrieben hatte und ich mal wieder teilhaben durfte. So kam es, dass wir hin und wieder mal eine gemeinsame „Hasch-Session“ machten – wir waren fast 18 und beschränkten damals unseren Konsum auch noch auf ausgewählte Wochenenden. Und irgendwie gefiel uns die Wirkung des Haschischs mittlerweile auch viel besser – vielleicht, weil wir uns zu fast schon meditativen Sitzung trafen, bei denen wir nach dem Rauchen meist mit geschlossenen Augen guter Musik lauschten und dabei manchmal den Eindruck hatten, jedes Instrument – wenn man sich nur genug darauf konzentrierte – deutlich heraushören und sogar irgendwie visualisieren zu können. Das war schon etwas ganz besonderes und blieb es auch für eine ganze Weile.

Ihr habt also auch später nur hinter verschlossenen Türen gekifft und euch damit gar nicht raus getraut?

Nein, aber Cannabis war ja für uns auch keine Alltagsdroge – die war und ist in Kleinstädten nun mal der Alkohol. Haschisch galt dagegen als fürchterlich böse und fremd – das waren nun mal die frühen Achtziger in einer deutschen Kleinstadt. Rückblickend war das natürlich eine hirnlose Drogenhysterie, die nichts mit Rationalität oder Jugendschutz zu tun hatte. Schließlich sammelte man bereits ab 14 seine ersten Trinkerfahrungen und so war das auch bei mir. Denn irgendwie trank ja jeder am Wochenende in der Kneipe oder Disco ein paar Gläser – in der Schulzeit vielleicht noch nicht so extrem, aber spätestens mit Beginn der Lehre gehörte das dann einfach zum „Partymachen“ dazu. Für manche war „Partymachen“ auch nur ein Synonym für „etwas trinken gehen“ – auch in meinem damaligen Freundeskreis und unter der Landjugend überhaupt war das feucht-fröhliche Gelage am Wochenende ein willkommener Ritus. Dabei gab man sich zwar nicht immer die volle Kante, aber alle paar Wochen übertrieben wir es auch ganz gerne mal. Dann lachten wir auch schon mal über die weniger „Trinkfesten“, die sich dann regelmäßig vollkotzten – heute wird da ja häufig gleich der Krankenwagen geholt, aber damals gehörte es einfach dazu, sich am nächsten Tag hundsübel zu fühlen. Das war nun mal der Tribut an den Alkoholvollrausch und wurde weithin als ganz normal angesehen.

Trotzdem hast du ja deinen Alkoholkonsum deutlich reduziert und mit der Zeit immer öfter gekifft – wie kam es dazu?

Das hatte natürlich viel mit meinem Umzug nach Berlin zu tun – hier in der Großstadt war die Verfügbarkeit von Cannabis eine ganz andere und auch die Qualität war deutlich besser. Eigentlich war ich ja Anfang der 90er Jahre in die Hauptstadt gekommen, um hier zu studieren, doch schon nach zwei Jahren brach ich mein Germanistik-Studium ab und begann in der Fachbuchhandlung zu arbeiten, in der ich ja auch heute noch tätig bin. Sicherlich lag es auch an meinem neuen Umfeld, dass ich immer seltener in die Kneipe ging und immer öfter mal mit Freunden einen rauchte – ich habe mich damals auch gar nicht bewusst für Cannabis entschieden. Es ergab sich ganz einfach so.

Welche anderen Cannabiskonsumformen hast du im Laufe der Zeit ausprobiert?

Nach den ersten Joints, in denen ja noch einfaches Hasch mit Tabak vermischt war, entwickelt ich mich in Berlin mit der Zeit zu einem durchaus aktiven Bong-Raucher. Anfangs rauchten wir noch sogenannte „Flutsch’s“ – die bauten wir aus Flaschen, in die ein dünnes Röhrchen rein kam und in das Röhrchen kam ein kleines Kügelchen Tabak als Boden hinein und darauf packten wir einen Krümel Haschisch. Der wurde entzündet und inhaliert und wenn er aufgeraucht war, entzündete sich der Tabakboden und flutschte in das in der Flasche befindliche Wasser. Diese Konstruktion war natürlich nur so etwas wie eine Bong für Arme, aber sie funktionierte prima. Deshalb haben wir damals auch viele solche Geräte gebaut und etwa ein-zwei Jahre lang eine Menge Spaß damit gehabt. Anfang der 90er Jahre gab es in Berlin ja auch noch nicht so viele Headshops, wo man sich aus einer riesigen Bong-Auswahl die passende Wasserpfeife aussuchen kann – ich glaube, viel mehr als den Laden von BamBamBhole in der Eisenacher Straße gab es damals noch gar nicht. Aber natürlich kamen wir dann auch irgendwann auf den Bong-Geschmack, schließlich wurden Mitte der 90er Jahre immer bessere und preisgünstigere Wasserpfeifen vielerorts angeboten – es war die Zeit, als Head- & Growshops vielerorts wie Pilze aus dem Boden schossen und man plötzlich auch gutes Gras und nicht nur Stanni-Hasch zu kaufen kriegte. So merkte man dann auch, dass das ja wirklich nur eine Pflanze ist.

Apropos – hast du dich dann auch mal mit weiteren Informationen zur Pflanze versorgt? Als Mitarbeiter in einem Buchladen arbeitest du ja praktisch an der Quelle…

Klar, ich hatte mir auch schon so meine Gedanken gemacht: Wie wächst so was? Und wo kommt es eigentlich her? Das fand’ ich plötzlich ganz spannend und fand schließlich auch einige gute Bücher dazu – der Fachbuchklassiker „Von Hanf ist die Rede“ von Hans-Georg Behr wurde ja schon in den 80er Jahren veröffentlicht, auch wenn er damals nicht so eine mediale Beachtung erfuhr, wie dann später das Hanf-Buch von Matthias Bröckers, welches Hanf ja als das Superkraut schlechthin darstellte und damit auch eine gewisse Begeisterung vieler Menschen für die Hanfpflanze mit anschob. Ich weiß noch, dass wir damals richtig viele von diesen gelben Büchern verkauft haben – und natürlich habe ich es auch gelesen. Aber da ich zuvor schon „Von Hanf ist die Rede“ gelesen hatte, war mir der Großteil der Informationen schon bekannt. Das war dann auch bei weitem nicht das letzte Fachbuch zum Thema Cannabis, das ich in den letzten 15 Jahren gelesen habe – doch viel neues war da auch nicht zu finden. Insofern greife ich mittlerweile höchsten noch mal zu Hans-Georg Behr’s „Von Hanf ist die Rede“, wenn ich mal wieder mein Wissen über Cannabis auffrischen und dabei öfter mal schmunzeln will. Meiner Meinung nach ist dies das am besten geschriebene Fachbuch zu Cannabis überhaupt – voll bissigem Humor und gründlich recherchiert.

Okay, zurück zu deinen persönlichen Erfahrungen – wir sprachen ja schon über deine Entwicklung hin zum Bong-Raucher. Wie ging es da weiter? Schließlich rauchst du ja inzwischen keine Bongs mehr…

Ich habe ja auch damals nicht ausschließlich Bongs geraucht – wenn ich unterwegs oder bei Freunden war, habe ich auch schon mal eine Zigarette oder einen Joint geraucht. Aber irgendwie habe ich mich dann doch den ganzen Tag auf den Bong-Kick am Abend gefreut – ich freute mich auf meinen bequemen Sessel und diesen herrlichen Knüppel vor dem Kopf, wenn die Mische zündete. Danach wurde zur Fernbedienung gegriffen und durch eigentlich langweilige Kanäle gezappt – irgendwie war dann selbst die billigste TV-Show noch lustig genug, um sie anzuschauen. Irgendwann wurde mir das mit dem ganzen Nikotin aber doch zu viel – nicht nur, weil der Tabak in der Mische auch das Bong-Wasser immer so eklig gelb und stinkig werden ließ. Ich merkte mit der Zeit, wie ich immer nikotingieriger wurde und daher auch schon tagsüber Zigaretten zu rauchen begann, da ich mich ohne Tabak kaum noch richtig konzentrieren konnte. Ich versuchte dann eine zeitlang, die Zigaretten ganz sein zu lassen und Tabak nur noch als Cannabisbeimischung zu verwenden – doch ich musste mir schließlich eingestehen, dass ich nun viel zu viel kiffte – und zwar nur, um meine Tabaksucht zu befriedigen. Da wusste ich, ich musste einen radikalen Schnitt machen und tat es einfach. Danach habe ich eine zeitlang Pur-Bongs geraucht – und manchmal auch deutlich mehr, als ich für eine maximale Dröhnung gebraucht hätte. Aber mit der Zeit ging es mir dann gar nicht mehr so um den maximalen Kick und ich merkte, dass mich auch eine kleine Purpfeife zu befriedigen vermag.

Hast du auch mal auf der Arbeit gekifft oder immer nur nach Feierabend?

Im Geschäft selber hatten wir ja immer Kundenverkehr und da wurde natürlich grundsätzlich nicht geraucht. Aber die Raucher durften ab und zu mal eine Raucherpause machen und da unser damaliger Chef auch selbst ein Kiffer war, interessierte es ihn dann auch nicht weiter, was da in den Raucherpausen geraucht wurde. Ihm war es nur wichtig, dass danach ordentlich weitergearbeitet wurde – und das konnte ich auch, wenn ich bekifft war.

Hast du jemals mit deinen Eltern über Cannabis gesprochen?

Mein alter Herr – Gott hab‘ ihn selig – ist leider sehr früh verstorben und natürlich ist der Rest meiner Familie nicht mit mir nach Berlin gezogen. Insofern war ich eh immer nur mal kurz zu Besuch daheim und habe bei diesen Gelegenheiten das Thema selbst nie direkt angesprochen. Ich war ja eh schon der verruchte Sohn, der in die sündige Großstadt zog, wo er eigentlich studieren wollte und dann – wie könnte es auch anders sein – das Studium abgebrochen hat. Selbst für meinen großen Bruder war ich in gewisser Weise ein Loser – obwohl er es doch war, der nach einer wirklich wilden Jugend plötzlich bieder, familiär und bürgerlich wurde. Irgendwie bürgerlich bin ich zwar auch – aber ich widme mich nun mal lieber dem Studium guter Bücher als der Kindererziehung. So erfuhr ich mit der Zeit auch immer mehr über die unglaubliche vielfältige Nutzpflanze Hanf und merkte auch, dass meinem Schädel ebenso wie meinem Erscheinungsbild eine durchgekiffte Nacht deutlich besser bekam, als eine durchgesoffene.

Deine Mutter weiß also bis heute nicht, dass ihr Sohn ein mittlerweile langjähriger Kiffer ist?

Doch, und das kam so: Als meine Mutter schon eine ältere Dame war, habe ich sie natürlich immer mal wieder besucht und irgendwann habe ich dann gedacht: „Eigentlich war es ja immer ganz normal und gar kein Problem, wenn ich hier nach dem Essen eine Zigarette geraucht habe – warum soll ich mir da jetzt nicht einfach eine Tüte drehen?“ Während sich meine Mutter ihrem Kreuzworträtsel widmete und dabei mit mir plauderte, machte ich mich daran, eine Tüte zu drehen. Ich griff mir Tabak und lange Blättchen und natürlich guckte sie dann ab und zu mal rüber und auch ein bisschen schräg, aber wir plauderten weiter, ohne dass sie zu meinem Bauvorhaben irgendeinen Kommentar abgab. Erst, als ich begann, etwas Haschisch in den Tabak zu krümeln, fragte sie mich: „Was machst du dir denn da in die Zigarette rein?“ Ich antwortete: „Nur etwas Haschisch.“ Da überlegte sie einen Moment und erwiderte: „Na, dann bist du ja gleich ganz beduselt.“ Darauf ich: „Klar, deshalb mache ich das ja da rein.“ Daraufhin guckte sie zwar ganz skeptisch, aber wir kamen dann wieder auf unser ursprüngliches Thema zurück und plauderten weiter. Kurz darauf hatte ich die Tüte fertig und begann, sie zum Kaffee zu rauchen. Währenddessen unterhielten wir uns ganz normal weiter und irgendwann war die Tüte nur noch Asche und ich bester Laune. Ich glaube, dass meine Mutter erst da so richtig verstanden hat, dass Droge nicht gleich Droge ist und Cannabiskonsum nicht dazu führt, dass man danach sabbernd auf dem Boden liegt und irgendwann auf dem Bahnhofsklo endet. Danach war das Thema auch gegessen und ich konnte mir bei ihr immer und zu jeder Gelegenheit einen drehen bzw. später dann eine Purpfeife rauchen. Sie hatte mich akzeptiert, wie ich bin.

Hast du in deinem Leben auch noch andere illegalisierte Drogen ausprobiert?

Ja, ich habe vielleicht sechs oder sieben Mal Zauberpilze genommen, ähnlich oft LSD und zwei-drei Mal habe ich auch MDMA konsumiert. Koks und Speed habe ich auch ein paar Mal gezogen – aber irgendwie hat sich mir nie der Sinn ergeben, warum man schon besoffen Koks oder Speed zieht, um danach wieder nüchtern genug zu sein, um noch mal fünf Bier trinken zu können. Das ging nicht nur ins Geld, sondern auch in den Schädel und der rächte sich am Morgen danach.

Hattest du durch Cannabis schon mal Ärger mit der Polizei?

Bisher zum Glück noch nicht.

Hast du Angst davor?

Ein bisschen schon.

Warum? Du bist doch nur ein einfacher Konsument…

Aber mir würde es gar nicht gefallen, von irgendwelchen Händen befingert zu werden, die dann auch noch meine Taschen durchwühlen, mich vielleicht sogar beklauen, mit Sicherheit meine persönlichen Daten notieren und mich womöglich noch zur MPU schicken oder mir gleich meinen Führerschein abnehmen. Nee, da habe ich keinen Bock drauf. Aber zum Glück bin ich ja als mittlerweile über 40jähriger nicht mehr ganz so im Fokus der Beamten – und rein äußerlich passe ich auch nicht in irgendeine Kiffer-Schublade, weshalb sich meine Angst auch in Grenzen hält. Aber ganz weg ist sie immer noch nicht.

Wie hast du Cannabis derzeit in deinen Alltag integriert?

Die Purpfeife hat sich mittlerweile zu meinem Feierabendvergnügen entwickelt – vielleicht macht sie mich manchmal auch ein bisschen schrullig, da ich bekifft nichts lieber tue, als mit einem guten Buch auf dem Sofa zu sitzen. Am besten allein, da ich stoned gar nicht so viel reden will. Ich mag es irgendwie, alleine und in mich gekehrt zu sein – denn wenn ich meditiere, ist das Leben schön und ich kann es genießen.

Und das reicht dir? Dir fehlt also nichts?

Natürlich wäre manchmal eine Lebenspartnerin von Vorteil, aber ich habe nun schon mehrfach erlebt, dass eine Frau dann irgendwann auch Kinder haben will – und ich bin nun mal kein familiärer Typ. Manche Frauen reagierten auch erstaunlich eifersüchtig auf das Kraut und konnten mit mir gar nichts anfangen, wenn ich bekifft rumsaß und mich stundenlang hinter irgendwelchen Büchern verbarg. Manche meiner Partnerinnen haben zwar eine zeitlang mitgeraucht, aber irgendwann damit aufgehört. Überhaupt haben über 90 Prozent der Leute, die ich mal als Kiffer kennengelernt habe, früher oder später mit dem Kiffen wieder aufgehört. Manche von denen sind Cannabis gegenüber inzwischen sogar negativ eingestellt.

Vielleicht haben sie ja irgendwann schlechte Erfahrungen mit Cannabis gemacht – ist dir das nie passiert?

Nein, mir persönlich wurde höchstens mal von Alkohol oder anderen Drogen schlecht – aber nie von Cannabis. Ich habe das Gefühl, dass ich mich damit gar nicht überdosieren kann. Irgendwann kann man einfach nicht noch breiter werden. Aber dann geht man halt ins Bett und nicht aufs Klo zum Kotzen.

Glaubst du, dass der langjährige, tägliche Cannabiskonsum deine Persönlichkeit verändert hat?

Natürlich verändern alle Erfahrungen die eigene Persönlichkeit – wie ich geworden wäre, wenn ich nicht mit Cannabis in Berührung gekommen wäre, ist rein spekulativ. Mir ist jedenfalls keine Veränderung aufgefallen, die sich auf meinen Cannabiskonsum zurückführen lässt. Aber mir ist auch klar, dass sich meine Persönlichkeit ganz anders entwickelt hätte, wenn ich auch nach meinem Umzug nach Berlin in den gewohnten Trinkerkreisen verblieben wäre. Ob diese Entwicklung allerdings zu meinem Vorteil verlaufen wäre, wage ich einfach mal zu bezweifeln.

Was würdest du in drogenpolitischer Hinsicht ändern, wenn du die Macht dazu hättest?

Wenn ich walten könnte wie ich wollte, würde ich zunächst erst mal festlegen, dass Persönlichkeitsrechte von der Obrigkeit nicht mehr angegriffen werden dürfen. Und zu diesen Persönlichkeitsrechten zähle ich auch die Frage, wie und womit ich mich nach Feierabend erfreue. Solange ich damit keinem anderen einen Schaden zufüge, geht das nur mich was an – und da wären wir dann auch schon beim derzeitigen Betäubungsmittelgesetz, welches ich komplett in die Tonne treten würde, da es meiner Meinung nach im krassen Widerspruch zu dem elementaren Menschenrecht der persönlichen Freiheit steht. Denn das BtMG verstößt ganz massiv gegen die Persönlichkeitsrechte aller Bürger, da es diesen vorschreibt, was sie mit ihrem Körper machen dürfen und was nicht. Das haben übrigens auch schon die Nazis gemacht, die in dem Zusammenhang auch noch heute verwendete Begriffe wie „Volkskörper“ und „Volksgesundheit“ geprägt haben.

Lass uns abschließend noch einen kurzen Blick in die Zukunft werfen: Könntest du dir eigentlich vorstellen, in absehbarer Zeit ganz mit dem Kiffen aufzuhören?

Ich glaube, ein völlig rauschfreies Leben würde mich nicht reizen. Einmal wurde ich auch schon von einer Lebensabschnittspartnerin vor die Wahl gestellt: Ich solle mich zwischen ihr und dem Rauchkraut entscheiden. Ich konnte sie auch irgendwie verstehen, da ich bekifft viel seltener in Ausgehlaune war als sie und ihr offensichtlich auch nicht genug Zeit widmete. Trotzdem wollte ich den Cannabisgenuss nicht aufgeben – und so ging die Freundin dann. Vielleicht habe ich damals auch nicht ganz richtig reagiert, aber nichtsdestotrotz lebe ich mit meiner Geliebten Marihuana seither glücklich und zufrieden. Ich gehöre wohl zu den etwa fünf Prozent, die nach aktuellen Polizeischätzungen nicht nach ein paar Jahren wieder mit dem Kiffen aufhören.

Hast du noch Hoffnung, dass sich drogenpolitisch etwas ändern wird, und wenn – woraus schöpfst du diese Hoffnung?

Ich habe schon noch ein kleines bisschen Hoffnung, schließlich gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Ländern auf der Welt, die eine deutlich souveränere Drogenpolitik als Deutschland betreiben – allen voran Holland und Portugal. Aber selbst Spanien und Italien sind in Hinblick auf Cannabis deutlich toleranter als manche deutsche Bundesländer. Daher habe ich noch einen kleinen Rest an Hoffnung, dass sich auch bei uns bald etwas ändern wird.

Hältst du das für eine realistische Hoffnung?

Ehrlich gesagt: Nein. Es gibt mittlerweile einfach zu viele Leute, die ganz legal ihr Geld mit dem unglaublich gewachsenen Kriminalisierungsapparat verdienen – von Drogenverfolgungsbehörden bis hin zu Gefängnisbetreibern. Meistens ist dieses Geld dann auch noch Steuergeld, was wir alle zahlen. Leider hat sich inzwischen eine regelrechte Prohibitionsindustrie entwickelt, an der auch haufenweise Jobs hängen. Daher kann es gar nicht im Interesse der Herrschenden sein, die Rechtfertigung für diesen Verfolgungs- und Bestrafungsapparat freiwillig aufzugeben, indem man offen zugibt, dass man sich all die Jahre bei der Bewertung der Risiken von Drogenkonsum so grundsätzlich geirrt hat.