Im Hafenviertel von Oakland – direkt östlich von San Francisco gelegen – befindet sich das Harborside Health Center, ein von außen unscheinbarer Betongebäudeblock, in dem früher einmal ein Architektenbüro residierte. Das hier aber mittlerweile irgendetwas ganz anderes vorgeht, konnten wir gleich nach unserer Ankunft an einem Sonnabend kurz vor zehn Uhr vormittags erkennen. Denn hier standen vor dem Laden etwa zehn Menschen Schlange und wurden – einer nach dem anderen – von ein paar Security-Leuten kontrolliert und durch ein Metalldetektor-Tor (wie man es von Flughäfen kennt) in das Gebäude gelassen, welches sich nach dem Betreten als ein großräumiger, sehr modern und sauber eingerichteter Umschlagplatz für medizinisches Cannabis präsentiert.

Ohne Voranmeldung hätten wir die gut gesicherten und mit Videokameras überwachten Räumlichkeiten gar nicht betreten dürfen – die Sicherheitsauflagen sind auch im kalifornischen Oakland sehr streng und werden entsprechend penibel befolgt. Doch als vorangekündigte Pressevertreter wurden wir von Center-Manager Rick Pfrommer herzlich willkommen geheißen, der uns sogleich mit auf eine Tour durch die vielen Räumlichkeiten des erstaunlich weitläufigen Gebäudes nahm und sich offen allen unseren Fragen stellte.

Warum habt ihr hier so viele Sicherheitsleute? Man kommt sich ja vor, als würde man einen Hochsicherheitstrakt betreten…

Das ist nun mal Teil unserer Geschäftspolitik. Den ersten Kontakt hat man bei uns immer mit unseren Sicherheitsleuten, die nicht nur prüfen, ob man autorisiert ist, bei uns einzukaufen, sondern auch entscheiden, ob man eine Gefahr für uns oder unsere Kundschaft darstellt. Wir wollen schließlich, dass sich alle unsere Patienten bei uns hundertprozentig sicher fühlen und bisher klappt das auch ganz gut. In den mittlerweile sechs Jahren unseres Bestehens hatten wir hier noch nie einen Vorfall oder ein Problem, welches sich nicht gewaltlos lösen ließ. Nicht zuletzt auch dank unserer ebenso freundlichen wie engagierten Sicherheitstruppe.

Wie geht es für eure Besucher weiter, wenn sie am Sicherheitspersonal vorbei sind?

Das hängt davon ab, ob man schon Mitglied oder zum ersten Mal da ist. Neulinge werden dann erst mal in unseren Empfangsraum geleitet, wo ihnen kurz erklärt wird, was wir hier eigentlich machen und was sie von uns ganz konkret erwarten dürfen. Währenddessen werden die Angaben des neuen Besuchers überprüft und wenn alles korrekt ist, zeigen wir ihm die Räumlichkeiten und erklären auch, wo er hier was erwerben kann. Bereits registrierte Patienten können bei uns auch eine spezielle Mitglieder-ID-Card erhalten, mit der sie dann auch ohne die Originalpapiere ihrer Ärzte bei uns einkaufen können – obwohl wir immer empfehlen, die ärztliche Empfehlung stets bei sich zu tragen, wenn man mit Cannabis unterwegs ist.

Sind diese ärztlichen Empfehlungen wie selbst zu zahlende Rezepte zu betrachten und damit auf eine bestimmte Menge beschränkt?

003_HHC-2_smallNein, hier in Kalifornien werden keine Rezepte für medizinisches Cannabis ausgestellt, sondern die Ärzte stellen ihren Patienten eine ganz grundsätzliche Empfehlung aus, in der sie ausführen, dass sie glauben, dass Cannabis gut für ihren Patienten sei. Das war und ist natürlich auch immer ein Streitpunkt, vor allem die Gegner von medizinischem Cannabis wollen nicht akzeptieren, dass hier der Patient selbst entscheiden kann, wie viel von welchem Cannabis ihm in welcher Applikationsform gut tut. Das wäre für einen Arzt allerdings auch schwer zu ermitteln – und so trauen viele kalifornische Ärzte ihren Patienten durchaus zu, selbst herauszufinden, was ihnen am besten hilft.

Wenn man in den Verkaufsbereich des Harborside Health Centers kommt, wird man von dem Angebot ja fast erschlagen – ihr scheint hier wirklich alles zu haben…

Wir haben tatsächlich so ziemlich alles, auch wenn die fünf großen Verkaufsvitrinen neben den Verkaufsschaltern alle identisch ausgestattet sind. Also ganz egal, an welchem Schalter man nach kurzem Anstehen landet – man kann immer aus dem gleichen großen Angebot wählen und hat den Preis und den THC-Anteil direkt daneben. Tagtäglich haben wir hier zwischen dreißig und fünfunddreißig verschiedene Sorten Gras im Angebot und noch mal so um die zehn verschiedenen Haschisch-Sorten. Außerdem ganz verschiedene Tinkturen, Getränke, Cookies, Brownies und andere THC-haltige Esswaren für all jene, die Cannabis zwar nicht rauchen, aber dennoch konsumieren wollen. Selbst für Patienten, die überhaupt keine psychoaktive Wirkung verspüren wollen, haben wir hier eine ganze Reihe von Produkten wie Cremes oder Lotionen, die zwar wirksam Schmerzen lindern, aber keinerlei „High“ auslösen, was ja insbesondere von Senioren häufig verlangt wird. Denn noch immer ist selbst medizinisches Cannabis mit dem Stigma behaftet, dass es sich bei dieser hochwirksamen Medizin ja gleichzeitig auch um das berühmt-berüchtigte „Rauschgift der Hippies“ handelt. Da muss noch eine ganze Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden. Meine Mutter hat in ihrem ganzen Leben nie einen Joint geraucht, doch auf unsere Creme schwört sie, seit sie gemerkt hat, wie gut sie ihr hilft. Wie dem auch sei – zusätzlich zu unseren cannabishaltigen Produkten haben wir seit ein paar Monaten auch noch einen Stand mit allen möglichen Zusatzartikeln von themenrelevanter Literatur über lange Blättchen bis hin zum Vaporizer für unterwegs. Und das alles an sieben Tagen pro Woche – tatsächlich haben wir nur an vier Feiertagen im Jahr geschlossen.

Ein paar Meter weiter habt ihr dann ja auch noch einen großen Stand, an dem ihr haufenweise Stecklinge verkauft. Kommen die einen Kunden nur wegen der Stecklinge und andere nur wegen der konsumfertigen Blüten?

Nein, unseren Erfahrungen nach kauft auch der ambitionierte Grower immer etwas Medizin dazu – denn so wie mancher Weintrinker gerne ganz verschiedene Sorten genießt, ist es auch mit Cannabis. Da wird dann meist die Lieblingssorte selbst angebaut und die zweit- und drittliebste Sorte kauft man sich halt bei uns dazu. Einfach der Abwechslung wegen.

Wie umfangreich ist euer Angebot an Stecklingen im Harborside Health Center?

Wir haben hier eigentlich immer so zwischen zwanzig und fünfundzwanzig verschiedene Sorten im Angebot – auch wenn die Zahlen natürlich mit der Zeit auch mal variieren. Da zur Zeit Frühling ist, wird dieser Stand hier von früh bis spät sehr beschäftigt sein – täglich kaufen hier Hunderte Patienten ihre Stecklinge für die kommende Saison. Wir kommen derzeit kaum noch mit dem Nachziehen der Stecklinge hinterher, aber von Anfang März bis Anfang Juni ist das eigentlich immer so.

Werden eigentlich mehr Indoor- oder mehr Outdoor-Sorten gekauft?

Leider werden immer noch deutlich mehr Indoor-Sorten gekauft.

Wieso leider?

Weil die Cannabiskultivierung unter einer Lampe eine unnötige Verschwendung von Energie und Ressourcen darstellt. Daher haben wir vor kurzem auch eine groß angelegte „Sun Grown“-Kampagne für den Outdoor-Anbau gestartet – schließlich werden rund zehn Prozent der gesamten in Kalifornien verbrauchten elektrischen Energie für den Anbau von Cannabis aufgewandt. Das ist eine wahnsinnige Verschwendung von Elektrizität, die hierzulande ja zumeist aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Wir haben errechnet, dass für die Produktion von einem Pfund Indoor-Cannabis etwa fünf Barrel Öl oder einhundert Kilogramm Kohle verbrannt werden. Wenn man dann mal kurz hochrechnet, wie viele Kilo Cannabis jedes Jahr in Kalifornien unter Hochleistungslampen gezogen werden, dann kommen da einige Zigtausend Tonnen Kohle zusammen. Und das in einem Bundesstaat, in dem die klimatischen Vorraussetzungen für gute Outdoor-Ernten nahezu ideal sind. Früher lag es ja in Hinblick auf die strenge Gesetzgebung nahe, Cannabis so versteckt wie möglich – und damit drinnen – anzubauen, doch inzwischen haben sich die äußeren Umstände weitgehend verändert und da sollte eigentlich kein nachhaltig denkender, ökologisch bewusster Mensch mehr drinnen anbauen, wenn er das auch genauso gut draußen machen kann. Schließlich spart auch er dabei – genau das wollen wir hier unseren Kunden durch diese Kampagne vermitteln.

Die müssen dann aber ganz schön weit draußen wohnen, oder?

Natürlich wäre es hier in Oakland nahezu unmöglich, irgendwo im Freien Cannabis anzubauen. Jemand würde das früher oder später entdecken und abernten, wenn es nicht eh schon von irgendwelchen herumstreunenden Kids geplündert wurde. In städtischen Großräumen ist Outdoor-Growing tatsächlich noch keine echte Alternative, aber sobald man sich von hier aus nur eine Stunde in Richtung Norden, Osten oder Süden aufmacht, sieht das alles schon ganz anders aus – da gibt es dann genug große Flächen, auf denen sich so etwas erfolgreich realisieren ließe. Und viele unserer Tausenden Patienten, die ja auch selber anbauen, kommen gar nicht direkt aus Oakland, sondern aus eben diesem Umfeld. Vor allem an diese Menschen richtet sich unsere „Sun Grown“-Kampagne.

Ist denn in Kalifornien der Hanfanbau zum Eigenbedarf völlig legal, wenn man so eine ärztliche Empfehlung vorweisen kann?

004_HHC-3_smallJa, aber die erlaubte Menge variiert von Bezirk zu Bezirk doch ganz erheblich – bei uns in Oakland könnte man beispielsweise bis zu neunundneunzig Pflanzen legal anbauen, ganz egal ob drinnen oder draußen. Aber schon zwanzig Autominuten weiter, sind es dann plötzlich nur noch sechs Pflanzen, die man nur drinnen anbauen darf. Das ist von den Regelungen der einzelnen regionalen Bezirke abhängig und die richten sich nun mal danach, welche politischen Kräfte in den jeweiligen Gegenden das Sagen haben. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass in Richtung Osten und Süden die erlaubten Pflanzenzahlen eher niedriger und in Richtung Norden eher höher ausfallen.

Da wo sie höher ausfallen, fällt die Ernte ja auch üppiger aus – wie läuft das eigentlich ab, wenn ihr selbst Cannabis kauft?

Wenn uns die Leute Medizin verkaufen wollen, dann setzen sie sich zunächst in unser Ankauf-Wartezimmer. Registrierte Patienten, die selbst legal anbauen, dürfen überschüssige Ware an uns verkaufen, nachdem sie eine entsprechende rechtsgültige Vereinbarung mit uns unterzeichnet haben. Wenn also einer ein Kilo geerntet hat, selbst aber nur ein halbes Kilo benötigt, kann er uns das überschüssige Pfund ganz legal anbieten. Das heißt aber nicht, dass wir es auch nehmen, denn hier ist eine Menge Konkurrenz im Spiel und da wir nur das Allerbeste kaufen, lehnen wir etwa neunzig Prozent der Angebote ab. Allerdings erfolgt nicht jede Ablehnung aus Qualitätsgründen – manchmal müssen wir auch Spitzenware ablehnen, da wir so große Mengen praktisch gar nicht verkaufen können.

Aber man kann hier als registrierter Patient jederzeit mit ein paar Kilo in der Tasche hereinspazieren und sie euch zumindest anbieten…

Nicht jederzeit, erst ab 13 Uhr ist unser Ankauf-Warteraum offen – und danach ist er auch meistens voller Leute, die uns ihre überschüssige Medizin verkaufen wollen. Wenn man dran ist, geht man in das Ankaufszimmer, in dem zwei unserer Mitarbeiter an fünf Wochentagen mit der Prüfung und dem Ankauf von Cannabis beschäftigt sind – das war übrigens jahrelang auch meine Aufgabe, bevor ich beim Management eingestiegen bin. Jedenfalls kommt man hier rein und hat meistens ein Pfund oder Kilo dabei – das wird dann natürlich erst einmal eingehend geprüft. Mit einer starken Lupe und unter gutem Licht werden die Blüten zunächst einmal betrachtet und auf Fäulnis oder Schädlinge hin untersucht. Wenn wir dann etwas kaufen wollen, verhandeln wir mit dem Anbieter den Preis, der natürlich von ganz verschiedenen Faktoren wie Qualität, Beschnitt, Größe der Blüten, Sorte und so weiter abhängt. Unsere Preisangebote sind auch im Internet einsehbar und damit sehr transparent. Wir wiegen dann die uns angebotene Medizin und bescheinigen dem Patienten den Erhalt. Dieser erhält jedoch nicht sofort das Geld dafür, da wir eine Probe der anzukaufenden Menge zunächst an unser Labor schicken, wo es noch einmal eingehend untersucht und analysiert wird. Es dauert dann drei oder vier Tage, bis wir das Testergebnis erhalten – erst danach wird der Patient informiert, dass er sich bei uns das Geld abholen kann. Im Falle einer negativ ausgefallenen Laboruntersuchung erhält der Patient natürlich seine Medizin zurück.

Wie geht es dann für die angekauften Blüten weiter?

Zunächst einmal wird alles ganz genau in unser System eingegeben, wodurch die angekaufte Menge stets – also bis zum Verkauf hin – nachverfolgbar und belegbar bleibt. Dann wollen wir natürlich auch wissen, wie viel Prozent THC die angekaufte Sorte aufweist – dafür haben wir eine Maschine angeschafft und weiterentwickelt, die das nun innerhalb von Sekunden herausfindet. Vor ein paar Jahren war so etwas noch ganz undenkbar – da konnte man nicht mal eben schnell feststellen, wie viel THC bei welchem Feuchtigkeitsgehalt da nun tatsächlich in dieser oder jenen Blüte enthalten ist. Heute geht das ohne weiteres und die Leute kaufen daher meistens gar nicht mehr nach Aussehen und Geruch, sondern nur noch nach THC-Werten.

Und wie viel THC hat nun das von euch angebotene Cannabis in der Regel?

005_HHC-4_smallDer Durchschnittswert liegt so um die 16 Prozent – die uns angebotenen Werte schwanken eigentlich immer irgendwo zwischen 12 und 20 Prozent. Nach der Computeranalyse wird die angekaufte Medizin zunächst in den großen Tresorraum gebracht, wo sie so lange lagert, bis sie in den Verkauf gelangt. Zuvor wird die angekaufte Menge natürlich noch aus der großen Tüte genommen und in viele kleine Tütchen gepackt, wobei dann auch die letzte und gründlichste Qualitätskontrolle stattfindet. Beim Ankauf einer größeren Menge kann man sich natürlich nicht den ganzen Tüteninhalt komplett und genau anschauen – da werden zwar Proben getestet, aber erst bei der kompletten Umverpackung stellt sich heraus, ob alle Blüten tatsächlich von einer gleichbleibenden Qualität sind. Die für gut befundene Verkaufsware landet schließlich in kleinen Tütchen, die dann noch mit dem Sortennamen und den jeweiligen THC-Werten versehen werden. Erst danach ist die Medizin fertig für den Verkaufsraum.

Was bietet das Harborside Health Center neben medizinischem Cannabis noch?

Wir bieten hier auch eine Menge Kurse und Zusatzleistungen an, die für unsere registrierten Patienten völlig kostenlos sind – beispielsweise Schmerztherapien, Selbsthilfegruppen für Schwerstabhängige, Familientherapien, Seniorengruppen, Growing-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Kurse in Kräuter- und Naturheilkunde, Yoga-, Thai Chi- und Meditationskurse und sogar Akupunktur. Das alles unter einem gemeinsamen Dach und bei täglich wechselnden Angeboten. Interessierte Patienten machen dann einfach Termine aus, auf die sie – je nach Verfügbarkeit – mehr oder weniger lange warten müssen. Bei so populären Angeboten wie Akupunktur muss man beispielsweise auch schon mal einen Monat warten – auf dem freien Markt kosten derartige Sitzungen aber auch circa hundert Dollar pro Stunde. Und bei uns gibt’s die gratis – wenn auch nur nach Voranmeldung. Das einzige, wofür man bei uns bezahlen muss, ist das medizinische Cannabis.

Und der Profit aus diesen Verkäufen bezahlt den ganzen Rest?

Genau. Wir haben ja auch insgesamt fünfundachtzig Angestellte hier, die alle komplett krankenversichert sind und gewisse Grund- und Gebäudekosten. Das alles zahlen wir aus dem Verkaufserlös. Genau wie die Kosten für unser sehr beliebtes Aktivisten-Center, welches wir hier eingerichtet haben und welches den weniger betuchten Patienten gestattet, sich ein paar Gramm Medizin zu verdienen. Eine Stunde Lobbyarbeit für medizinisches Cannabis wird von uns mit einem Gramm Medizin belohnt – eine Stunde, in der der Patient beispielsweise Briefe an Kongressabgeordnete oder Senatoren schreibt, und sie darin bittet, ihre Positionen hinsichtlich medizinischem Cannabis zu überdenken. Schließlich hilft es ihnen tagtäglich bei der Behandlung ihrer Leiden. Darüber hinaus veranstalten wir auch einmal im Jahr eine große Lebensmittelspendenaktion, bei der wir vor zwei Jahren um die zweitausendfünfhundert Kilo und im letzten Jahr über fünftausend Kilo Lebensmittel für Bedürftige gespendet haben.

 

Wieviele Menschen müssen eigentlich noch leiden?“

 

Steve deAngelo, Gründer und Geschäftsführer des Harborside Health Center

005_HHC-4_smallKnapp zwei Wochen nachdem wir die wohl beeindruckendste kalifornische Hanf-Apotheke besucht und das vorangegangene Interview geführt hatten, baten wir den Chef und Gründer Steve deAngelo um ein schriftliches Statement, wie er die Zukunft des so munter agierenden Harborside Health Centers sieht. Nach unserem Gespräch mit Rick Pfrommer gingen wir davon aus, ein durchaus optimistisches Statement zu erhalten, doch Steve schrieb uns leider folgendes:

 

Aufgrund der aktuellen Angriffe der US-amerikanischen Bundesregierung auf staatliche Gesetze zur Regulierung von medizinischem Cannabis ist das Schicksal des Harborside Health Centers derzeit ebenso ungewiss, wie das Schicksal aller anderen lizenzierten medizinischen Cannabis-Apotheken in Kalifornien. Es bleibt abzuwarten, ob unsere Organisation am Ende dieser Bundes-Kampagne gegen eine medizinische Verwendung von Cannabis noch intakt sein wird. Sicher ist zur Zeit nur eins: dass die Cannabis-Gesetze verschärft werden sollen. Dabei weisen alle langfristigen Trends in eine ganz andere Richtung, denn:

– 80% der Amerikaner unterstützen das Recht der Patienten, Cannabis zu verwenden, wenn sie eine dahingehende ärztlichen Empfehlung besitzen (laut CBS News).

– 51% der Amerikaner sprechen sich für eine grundsätzliche Legalisierung von Cannabis für Erwachsene aus – ganz egal, ob dies auch von einem Arzt empfohlen wurde.

– beide Umfragen haben eine erhöhte Unterstützung für eine Lockerung der Medical-Marihuana-Gesetze aufgezeigt, und man kann davon ausgehen, dass sich diese Unterstützung jährlich um mindestens zwei bis drei weitere Prozent erhöht – vor allem aufgrund des demografischen Wandels.

– führende Ärzteverbände wie die „California Medical Association“, das „American College of Physicians“ oder die „California Nurses Association“ haben weitgehende Reformen der Cannabis-Gesetze gebilligt und befürwortet.

– viele regierungsunabhängige Organisationen vom konservativen (rechts-liberalen) „Cato Institute“ bis zur NAACP (liberale Bürgerrechtsorganisation) unterstützen eine Lockerung der Cannabis-Gesetze.

– Konservative und „Tea Party“-Politiker wie Ron Paul, Senator Rand Paul und Pat Robertson unterstützen die Reform der Cannabis-Gesetze.

– siebzehn US-Bundesstaaten haben Cannabis bereits für medizinische Zwecke legalisiert, einige andere haben eine medizinische Verwendung von Cannabis bereits beschlossen, aber noch nicht in ihrer Gesetzgebung verankert.

– obwohl die Obama-Administration nun die lizenzierten Institutionen angreift, welche medizinisches Cannabis anbieten, unterstützt sie offiziell das Recht eines jeden einzelnen Patienten, Cannabis als Medizin zu verwenden.

Zweifellos wird eines gar nicht allzu fernen Tages Cannabis für Erwachsene legal sein – auch als Genussmittel. Die Frage ist nur, wie viel mehr Menschen noch leiden müssen, bevor die Gesetze endlich geändert werden. Die Bundeskampagne hat bereits Hunderttausende von Patienten von sicheren und lizenzierten Apotheken zurück in die Hände krimineller Anbieter geschickt, deren Aktivitäten erneut Gewalt in unsere Wohnviertel bringen. Tausende gut bezahlte Arbeitsplätze und mehrere Millionen Dollar Steuern wurden zerstört – all diese Vermögenswerte wurden an die mexikanischen Kartelle zurückgegeben. Die Belastung der Strafverfolgungsbehörden hat sich dadurch wieder erhöht, während gleichzeitig die Steuereinnahmen zurückgingen. Es ist eine Politik, die alle Amerikaner schmerzt – nicht nur diejenigen, die auf Cannabis als Medizin angewiesen sind.

Wir wissen derzeit noch nicht, ob das Harborside Health Center den aktuellen Angriff überleben wird. Alles, was wir tun können, ist, unser Versprechen zu halten, welches wir bei unserer Eröffnung vor sechs Jahren gaben: Cannabis an rechtskundige Patienten in einer Weise zu verteilen, die unsere Gemeinden Vorteile bringt anstatt zu schaden. Wir werden auch weiterhin versuchen dieses Versprechen zu halten, solange die Bundesregierung keine Vorhängeschlösser an unseren Türen anbringt.

Falls wir dann das Glück haben, nicht im Gefängnis zu sitzen, werden wir zurückkommen, um diese Schlösser zu knacken!

Wir wünschen Steve und allen seinen Mitarbeitern, dass es nicht soweit kommt. Mehr zum Harborside Health Center und dessen Mitarbeitern gibt es in der Serie „Weed Wars“ zu sehen.