Ich habe mich immer schon gefragt, weshalb es unter der Growern noch weniger Frauen gibt, als in den ohnehin Männer lastigen Kifferkreisen. Zwar gibt es hierüber keinerlei Statistiken, aber ich habe das Gefühl, dass höchstens 10 Prozent aller illegalisierten Hanfbauern eigentlich Hanfbäuerinnen sind, beim gepflegten Feierabendjoint liegt der statistisch nachgewiesene Frauenanteil immerhin bei ungefähr 40 Prozent. Deshalb ist es umso schöner, auch mal über eine Dame berichten zu können, die der verbotenen Pflanze seit vielen Jahren Asyl gewährt.


Wer nach 1995 einmal mit mir zusammen gewohnt hat, ist zwangsläufig mit dem damals noch relativ unbekannten Hobby „Indoor-Growing“ in Kontakt gekommen. Ich habe mit Monika* Mitte und Ende der 1990er Jahre zusammen in einem alternativen Projekt gewohnt, in dem sehr heftig gekifft wurde. Damals, als nach 16 Jahren CDU endlich rot/grün an die Macht kam, haben wir echt geglaubt, Gras sei bald legal. Wir haben uns zum Kiffen kaum noch versteckt, ein paar Pflanzen auf dem Balkon gehabt und bald schon hing auch die erste 400 Watt Lampe in unserer Küche. Ohne Filter, einfach hinter einem Vorhang, nicht etwa, um uns vor den Nachbarn zu verstecken, sondern damit das Licht beim Kochen und Essen nicht blendete. Aber mit dem Samenverbot unter rot/grün haben wir dann schnell gemerkt, wo der Hase lang lief und sind vorsichtig geworden. Den WG-Grow haben wir in einen Schrank umquartiert, die Joints wurden kleiner und privater. Die Pflanzen, die die Jahre zuvor unseren Balkon geschmückt hatten, wurden im Frühjahr nach dem Samenverbot nicht mehr ausgesät. Angebaut haben wir dann nur noch Indoor für den WG-Bedarf, bis sich die verkiffte Wohngemeinschaft irgendwann Anfang des neuen Jahrtausends aufgelöst hat, danach ist jede/r seine eigenen Wege gegangen. Zu einigen habe ich nach wie vor regen oder gelegentlichen Kontakt, andere habe ich ganz aus den Augen verloren. So wie Monika, die ich seit der Auflösung unserer Chaos-WG nie wieder gesehen hatte und die, trotz ihres Hangs zur gepflegten Sportzigarette, damals auch nicht allzu begeistert von den gärtnerischen Eskapaden ihrer Mitbewohner war. Umso überraschter und erfreuter war ich, vor ein paar Monaten auf Facebook eine Nachricht von ihr zu lesen:„ Na Digga, immer noch mit den Ladys zu Gange? Bin nächste Woche mal zu Besuch in Berlin, lass mal treffen, habe eine kleine Überraschung für Dich. Moni“

Drei Tage später sitze ich einer schicken Frau Mitte Vierzig in einem Café in Berlin-Mitte gegenüber, die mich äußerlich so gar nicht mehr an die verkiffte Punk-Braut erinnert, als die ich sie auf meiner Festplatte gespeichert hatte. Konfrontiert mit maßgeschneidertem Edel-Zwirn aus Dubai komme ich mir mit meinem Kapuzenpulli, Hanf-Jeans und Turnschuhen fast schon schäbig vor. Egal, wie damals schon kommt Monika schnell zur Sache, nach der kurzen Wiedersehensfreude holt sie sofort ihr Handy aus der Tasche und zeigt mir grinsend den Inhalt eines Foto-Ordners.

Ich erkenne eine Box mit saftig grünem Inhalt, der von einer Lampe angestrahlt wird, mehr ist aufgrund der Größe des Telefonbildschirms kaum zu erkennen. Während ich sofort darum bitte, mir die Fotos mal schnell auf das Netbook laden zu dürfen, erzählt mir meine ehemalige Mitbewohnerin, woher die netten Fotos stammen.

„Nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, habe ich erst einmal mein Studium beendet und ein wenig Karriere in einer Telekommunikationsfirma gemacht. Ich habe meinen alten Klamotten gegen ein schickes Outfit getauscht, oft über 12 Stunden am Tag gearbeitet und mich einfach darauf konzentriert, ein berufliches Netzwerk aufzubauen und Kohle zu verdienen. Das letzte Überbleibsel meines „Lotterlebens“ war der Feierabend-Joint, den ich nach einem langen Arbeitstag um so mehr genießen konnte und den ich,so viel vorab, auch bis heute nicht missen will. Allerdings wurde es immer schwieriger für mich, was zu rauchen zu bekomme, in unserer WG war ja immer irgendwie was da.

Nachdem ich in Sachen Weed auf mich selbst gestellt war, fingen die Probleme auch schon an. Anfangs habe ich immer Kai* von nebenan besucht, aber der ist dann nach zwei Jahren weggezogen. Seitdem war ich auf der Suche nach einer ordentlichen Connection und habe mein Gras meist in einer Kneipe, manchmal gar auf der Straße kaufen müssen. Als ich dann so 2006 wieder einen halbwegs zuverlässigen Hanf-Fachhändler gefunden hatte, der ordentliche Holland-Importware im Angebot hatte, dachte ich anfangs, es sei endlich wieder alles in Butter mit der Verfügbarkeit meines Entspannungs-Elexiers. Aber denkste, schon nach ein paar Monaten hatte ich komisch knisterndes Gras. Auf der Suche nach der Ursache bin ich dann im World Wide Web auf die ganze Streckmittel-Sauerei gestoßen und konnte es anfangs kaum glauben.

Nachdem ich mein Gras zum wiederholten Mal zurückgebracht hatte, ist mir der alte Küchenschrank wieder eingefallen, der mich damals eigentlich nur genervt hatte. Der ganze Hype, den Du, Horst*,Kai* und Bong-Eddie* (*Namen von der Redaktion geändert) um den Schrank gemacht haben, war mir suspekt, dazu noch das Gebrumme und die hohe Stromrechnung. Mir war damals gar nicht klar, dass wohl das meiste von dem leckeren Gras, was in der Küche verbrannt wurde, aus dem Schrank kam. Ich dachte, ihr spinnt da homegrowing-mäßig ein bisschen herum, verschwendet Strom und ergärtnert kaum rauchbares Kraut. Gutes Gras war ja auch schon immer da, bevor der Schrank da stand. Ehrlich gesagt habe ich mir nie Gedanken drüber gemacht, wo unser Weed herkam, die Dose war ja meistens voll.
Aber als 2007 meine Versorgungslage aufgrund der ganzen Streckmittel mehr als mies war und ich auch niemanden mehr kannte, kam mir der brummende Würfel von damals wieder in den Sinn. Ich habe sofort angefangen, mich zu informieren, wie ich es anstellen könnte, meine 25-30 Gramm, die ich im Monat so verputze, in den eigenen vier Wänden selbst zu produzieren. Das schien nach den ersten Besuchen von Foren und dem Kauf eines Buchs über Anbaugrundlagen gar nicht so schwer, aber ich habe mich am Anfang trotzdem ganz schön angestellt.“

Das geht am Anfang allen so, was glaubst Du, weshalb wir damals so mega-beschäftigt waren. Bei uns ging da auch so einiges daneben. Aber erzähl mal, wie und womit hast Du angefangen und was genau lief so alles schief?

Zuerst war alles ganz einfach. Ich habe mir 2007 im nächsten Growshop das notwendige Equipment besorgt, das ich mir mit Hilfe des Buchs und einiger Fragen in Hanf-Foren zusammengestellt hatte: Eine Homebox (80×80 cm Grundfläche), ein 250 Watt Vorschaltgerät mit Cooltube, Adjust-a-Wings Reflektor und einem Blüteleuchtmittel, einen 240m³/h Rohrventilator, einen kleinen Schalldämpfer, einen 240m³/h „Profi-Line“ Filter, eine Zeitschaltuhr, 16 Töpfe à 6 Liter, einen Schwenkventilator, leicht vorgedüngte Erde sowie ein wenig Dünger, Blüh- und Wurzelstimulator, alles zusammen für ungefähr 600 Euro. Beim Aufbauen hat mir mein Freund geholfen, das ging auch relativ problemlos. Ich hatte mir vorher schon aus Holland Samen besorgt, Spontanica von KC Brains, wie ich später erfahren habe, ist die Spontanica zwar eher für draußen gedacht, aber ich liebe diesen herben Geschmack und bin der „Sponti“, wie wir sie nennen, bis heute treu geblieben. Nachdem die Box aufgebaut war, habe ich 20 Spontanica-Samen eingesetzt und die Zeitschaltuhr auf 18 Stunden Beleuchtung gestellt. Die Keimungsphase hat prima funktioniert und auch die Bewurzelung sowie die ersten beiden Wachstumswochen verliefen problemlos. Dreieinhalb Wochen nach der Aussaat habe ich dann, wie im Buch empfohlen, die Zeitschaltuhr auf 12 Stunden umgestellt und die Dosierung der Düngers ein wenig erhöht, gemessen habe die Werte damals noch nicht. Nachdem sie in den ersten zehn Tagen der Blüte immens an Größe zugelegt hatten, haben sich die ersten Geschlechtsmerkmale gezeigt, womit das Dilemma anfing. Ich war einfach zu unerfahren und kannte niemanden aus meinem derzeitigen Freundes-und Bekanntenkreis, die/der mir helfen konnte, das Geschlecht der Pflanzen zu bestimmen.“

Ich weiß glaube ich, was jetzt kommt…

Grins bitte nicht so! Ich war mir nach den 10 Blütetagen total unsicher, was ein Männchen und was ein Weibchen war. Die 20 Töpfe hatte ich mit Ach und Krach in die Box bekommen und darauf spekuliert, dass nach dem Auftreten der ersten Geschlechtsmerkmale nur noch 10-15 Ladies übrig blieben und der Rest so genug Platz gehabt hätte, fette Buds zu bilden. So weit die Theorie. Ich habe mich erst nach 20 Blühtagen getraut, die eindeutig männlichen Pflanzen zu entfernen, aber das waren nur drei. Also standen noch 17 herum, denen es allmählich ein wenig eng wurde. Nach ungefähr 25 Tagen habe ich noch zwei Männchen identifiziert und die übrigen 15, die ich für Ladies hielt, sahen eigentlich sehr viel versprechend aus, auch wenn sie in Wuchsbild und Erscheinungsform ein wenig unterschiedlich waren.“

Das lag wohl daran, dass Du mit Samen gegrowt hast…

Das weiß ich heute auch, aber damals war mir das noch nicht ganz klar, aber dafür auch ziemlich egal, Hauptsache alle sahen gesund und munter aus. Aber leider hatte ich aufgrund der mangelnden Erfahrung noch nicht so ein geschultes Auge und nach guten 40 Tagen habe ich Samen an einer wie ich dachte frühreifen Lady bemerkt, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Wie ich heute weiß, habe ich einfach einen Zwitter übersehen. Der, die oder das zweigeschlechtliche Hanfpflänzchen hat mir trotz sofortiger Entfernung die halbe Ernte versamt. Aber ich hatte trotzdem zum ersten Mal Im Leben richtig leckeres, selbst angebautes, wenn auch leicht samiges Gras und musste erst mal nicht mehr auf die Suche gehen. Ein neues, geiles Gefühl, das ich ehrlich gesagt seit den wilden WG-Tagen vermisst hatte.

Allerdings hatte ich auch keine Samen mehr, um weiter zu growen. Ich hatte mich ja während meinem ersten Durchgang brav und fleißig weitergebildet und mir war klar, dass ich relativ schnell wieder loslegen musste: Wenn mir die 120 Gramm, die ich geerntet hatte, bis zur nächsten Ernte reichen sollten, hatte ich ungefähr vier bis fünf Monate Zeit. Ich rauche ja lange nicht mehr so viel wie früher: Nur noch pur und nicht mehr jeden Tag. Dafür gebe ich auf Partys oder bei einem gemütlichen Filmabend auch mal gerne einen aus, da gehen dann auch schon mal drei Gramm in die Tüte oder den Vaporizer, den ich mir vor zwei Jahren zugelegt habe.

Also habe ich nach dem ersten Durchgang beschlossen, mir eine Mini-Box für eine Mutterpflanze und ein paar Stecklinge zuzulegen. Mein Freund musste wieder die handwerklichen Arbeiten erledigen und ich habe mir noch einmal Samen besorgt, obwohl ich erst überlegt hatte, die günstige Variante zu wählen und die Samen, die ich wegen des übersehenen Zwitters der ersten Ernte noch hatte, zu verwenden. Aber da diese Samen Zwittergene hatten, wollte ich daraus keine Mutter selektieren. Ich wollte unbedingt frisches, reguläres Saatgut. Und zwar genau die selbe Sorte, Spontanica, denn bis auf meine Unzulänglichkeit bei der Geschlechtsbestimung war ich mit allen Aspekten top-zufrieden. Auch wenn mir einige meiner Foren-Freunde gesagt haben, dass sei doch eher was für Outdoor. Ich dachte: Wartet nur ab. Da ich spätestens in vier Monaten wieder Ernten wollte, hatte ich vier Wochen Zeit, die Samen anzusetzen und sobald es möglich war, Stecklinge zu schneiden. Wie das mit der Probeblüte und so geht hatte ich damals in einem schönen Artikel von Dir gelesen, aber mir war zu der Zeit nicht klar, dass es sich beim Autor um meinen ehemaligen Mitbewohner handelte.

Apropos, das wollte ich sowieso wissen. Wie hast Du mich eigentlich gefunden?

Ich habe Bong-Eddie zufällig beruflich getroffen und bin fast umgefallen. Mit Anzug, Krawatte, ohne Bart aber mit… Bong. Immer noch heftigst, und jetzt sogar mit Rezept. Nicht schlecht. Der wusste, was Du zur Zeit machst und wie ich Dich erreiche.

Ja, beim Rezept von Eddie hab‘ ich mitgeholfen, der hätte sich ja sonst selbst ein Bein gestellt, wie immer bei Ämtern. Erzähl ich Dir später. Aber wie gings‘s denn jetzt weiter mit Deiner Box?

Ich habe es tatsächlich geschafft,mir eine schöne Spontanica-Mutterpflanze zu selektieren: Ein kleiner, dafür sehr potenter und ertragreicher Phänotyp. Ein spezieller Spontanica-Indoor-Strain sozusagen. Als Mutterpflanze habe ich den kleinsten Phänotypen mit gutem Ertrag gewählt, denn ansonsten hätte ich bei den Spontanicas das Problem, da einige Phänos zu hoch für meine Box werden. Der zweite Durchgang, bei dem ich gleichzeitig auch die Mutterpflanze selektiert habe, war schon ertragreicher als der Erste . Ich mache ungern die gleichen Fehler zweimal und habe sowohl Männchen als auch Zwitter rechtzeitig erkannt.
Bei dem zweiten Durchgang hatte ich ein wenig mehr Glück und so zum Ende aus 20 Samen noch 12 reife Spontanicas, die mir doppelt so viel Ertrag gebracht haben, wie die aller erste Ernte, dazu noch die Mutterpflanze. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her und seitdem hege und pflege ich meine „Sponti.“

Wenn sie zu groß für ihren Topf wird, lasse ich sie ausblühen und mache mir einfach eine neue Mutti. Peu á peu habe ich mir auch eine bessere Ausrüstung wie eine Zeit- und Lüftersteuerung zugelegt, ich messe den pH- und den Ec-Wert, achte auf die Luftfeuchtigkeit und die Nachttemperatur und versuche, dass es meinen Kleinen so gut geht, wie das Indoor möglich ist. Ich stelle jetzt auch nur noch zehn Töpfe mit gut vorgewachsenen Stecklingen in die Blühkammer. Die kann ich schon nach zwei bis drei Tagen Eingewöhnungszeit in die Blüte schicken und nach insgesamt 65 Tagen in der Box ernten. Der Nachwuchs ist dann schon vorbereitet, so dass ich eigentlich fünf Mal im Jahr ernten könnte. Aber ich mache im Sommer immer zwei bis drei Monate Blüh-Pause, den meine Wohung ist relativ warm. Meine Mutterpflanze lasse ich derweil auf Sparflamme unter 35 Watt stehen. So schaffe ich vier Ernten pro Jahr. Mittlerweile würde ich mich als sehr ambitionierte Hobbygärtnerin bezeichnen.“

Sehr schön, Respekt. Ich hätte nie erwartet, dass wir uns unter solch angenehmen Umständen wiedersehen. Aber ist das nicht ein 400 Watt Leuchtmittel auf den Fotos?

Ha, gut erkannt. Die Fotos von den „Spontis“ kurz vor der Ernte sind die von meinem allerersten Durchgang mit den Samen unter meiner ersten 250 Watt Leuchte. Da sieht man auch, dass die aufgrund des Platzmangels ein wenig hoch geschossen sind und die Internodien deshalb sehr groß waren. Der Rest sind die Fotos vom aktuellen Durchgang, aber nur die ersten drei Wochen. Die habe ich gemacht, nachdem wir uns verabredet hatten. Die Jahre vorher hatte ich nur ein paar Bilder von dem allerersten Durchgang gemacht, wusste ja nicht, für wen oder was. Ich habe letztes Jahr dann beim Leuchtmittel und Vorschaltgerät ein wenig aufgerüstet. Mein Sohn, den Du noch als Dreikäsehoch kennst, ist ja mittlerweile auch schon 20 und raucht auch gerne mal ein Tütchen. Und mein Freund dampft mittlerweile auch gerne mal einen mit, seit ich den eingeschworenen Nichtraucher von der Unbedenklichkeit eines Vaporizers überzeugt habe.“

Du hast es ja echt drauf. Alles aus Büchern und Foren?

Vieles ja, ich habe mich dann auch mit anderen Growern an so einer Art „Gärtner-Stammtisch“ getroffen und habe sogar vor zwei Jahren einen sehr jungen Kollegen aus der Firma kennengelernt, der auch sein eigenes Weed anbaut. Ich führe in Sachen Beruf zwar immer noch ein Doppelleben, kann es mir aber viel besser leisten, weil ich heutzutage „nur“ noch 30-40 Stunden arbeiten muss und so einfach mehr Zeit für Privates habe. Ich hatte wohl ein paar Jahre lang vergessen, dass es neben der Arbeit auch noch andere schöne und erstrebenswerte Dinge gibt. Das Growen hat mir sicherlich dabei geholfen, meinen zeitweise bedenklichen Arbeitswahn ein wenig in den Griff zu bekommen. Ich arbeite jetzt abends viel lieber an meinen Pflänzchen anstatt wie früher an einem Projekt, das ich nach Feierabend noch am Laptop fertig stellen wollte. Ich gewinne vielmehr als die 150-200 Euro im Monat, die ich früher für das Gras ausgegeben habe: Ich habe mehr Zeit das zu tun, was mir Spaß macht, denn Gärtnern hat mir immer schon Spaß gemacht. Ich bin ausgeglichener und freue mich fast jeden Abend auf mein Zelt anstatt auf das Fernsehprogramm oder den PC.

Ich kann mich erinnern, dass Du Dich damals immer über die 50 Mark, die wir mehr für Strom bezahlen mussten, ein wenig geärgert hast. Wieviel zahlst Du heute selber?

Ja, dafür ein spätes „Sorry“, ich hatte ja eben schon erwähnt, dass ich damals nicht ganz klar war, was ihr 1995 für eine „Pinonierarbeit“ geleistet habt. Seit ich das vegetative Kämmerlein mit einer 70 Watt Leuchtstoffröhre und die 400 Watt Lampe in der Blühklammer habe, kostet mich der Strom nicht ganz 60 Euro im Monat.
Also weniger Kohle, als ich alleine verkifft habe, nur dass mein Sohn und mein Freund heute auch noch „stille Teilhaber“ sind. Für Dünger und andere „Hardware“ wie Erde, neue Leuchtmittel oder mal einen Ersatz-Ventilator, berappe ich nochmal so um die 200 Euro im Jahr, also komme ich auf unter 80 Euro Kiff-Kosten für unseren drei Personen Haushalt. Absolut autark und unkommerziell.

Aber trotzdem so verboten wie Verkaufen…

Hm, das ist mir inzwischen leider auch klar. Als ich angefangen hatte, dachte ich noch, wenn man mit so ein paar Pflänzchen für den eigenen Verbrauch erwischt wird, passiert dasselbe wie beim Auffinden eines kleines Pieces. Als ich dann mit der Zeit mitgeschnitten habe, dass Eigenanbau eigentlich nie eingestellt werden kann, weil selbst an einer Pflanze mehr als 6-10 Gramm Weed hängen, hat es mich kurz geschüttelt, dann habe ich meinem Anwalt für den Worst Case eine Vollmacht ausgestellt und mir gesagt: Jetzt erst recht, mit über 40 lasse ich mir doch mein neues Hobby nicht versauen. Außerdem habe ich einen absolut unauffälligen Lebenswandel und sehe fast immer aus, als käme ich gerade von einem Geschäftsessen, was man dir ja nicht unbedingt sagen kann.

Stimmt, deshalb growe ich ja auch seit Jahren nicht mehr, ich schreib nur noch drüber. Ich musste mein Hobby aufgeben, als ich es zum Beruf gemacht habe: Erst Growshopper, dann Hanfreporter, in der Öffentlichkeit baut es sich halt schlecht an.

Dafür hast Du mich indirekt sogar zweimal angestiftet: Ohne den alten Schrank in der Küche hätte ich nie die Idee gehabt anzufangen und ohne den Artikel über Selektion von Mutterpflanzen hätte ich wohl noch eine Weile mit Samen rumprobiert. Danke dafür!

Auch wenn‘s nicht ganz in meinem Sinne war, denke ich im Stillen. Da hat die Monika wohl etwas missverstanden. Ich stifte nicht an, sondern informiere lediglich über die direkten Folgen der Cannabisprohibition, genauer gesagt den illegalen Anbau in den eigenen vier Wänden mit seinen zahlreichen Facetten, die auch 2012 durch das Verbot nicht weniger, sondern immer zahlreicher, dafür nicht legaler werden. Wir zahlen Kaffee und Kuchen und begeben uns in die nächste öffentliche Grünanlage. So klingt der Nachmittag dann im nahe gelegenen Park, wo wir endlich Zeit und einen gemütlichen Platz finden, ein paar Köpfchen von Monikas Spontanica zu verdampfen, gemütlich aus. Mit Geschichten über Bong-Eddie, Assel, Harzan und Marie-Jane, die nicht unbedingt hierher gehören. Nach zahlreichen, vaporisierten Köpfchen und noch mehr alten Geschichten bringe ich Monika zum Bahnhof und lasse mir beim Abschied fest versprechen, dass sie mir beim nächsten Besuch neue Fotos von der kommenden Ernte mitbringt.