Die Leser dieses Magazins dürfen sich glücklich schätzen, sie haben den Weltuntergang überlebt. Und was nun? Was hat uns das Jahr 2012 gelehrt? Nicht viel. Wir sind offenbar noch immer sehr schlecht darin, das Ende unserer Welt vorherzusagen, was uns aber nicht davon abhält, es weiterhin zu versuchen.

Die Propheten des Untergangs, die nimmermüden Boten der Apokalypse, sie waren bisher nicht wirklich verlässlich, oder? Ob nun der alte Nostradamus, die Zeugen Jehovas, Erich von Däniken oder zuletzt die Interpreten des ominösen Maya-Kalenders: Für viel mehr als bunte Science Fiction haben sie bisher alle nicht getaugt. Verlässlicher erscheint da vielen die Wissenschaft. Im vergangenen Jahr kursierte eine Liste in den Medien, auf der eine Gruppe von Zukunftsforschern die zehn wahrscheinlichsten Weltuntergangs-Szenarien zusammengestellt hatte. Das Bemerkenswerte an dieser Liste ist, dass die vorderen fünf Plätze ausschließlich menschengemacht sind. Demnach sind es künstliche Viren aus dem Labor, außer Kontrolle geratene physikalische Experimente und atomare Katastrophen, welche die größten Bedrohungen für die Menschheit darstellen. Naturgewalten wie Vulkanausbrüche oder Asteroiden-Einschläge landen dagegen erst auf den hinteren Plätzen. Was am Ende wieder einmal nichts anderes bedeutet, als dass der Mensch selbst des Menschen größter Feind ist und die Wissenschaft sich offenbar selbst nicht über den Weg traut.

Der Philosoph Nick Bostrom vom Future of Humanity Institute in Oxford, einer der Co-Autoren der genannten Liste, begründet das folgendermaßen: Die Menschheit hat die letzten 100.000 Jahre überlebt, ohne von Naturkatastrophen ausgerottet worden zu sein – die Wahrscheinlichkeit, dass uns dies in nächster Zeit bevorsteht, ist also eher gering. Andererseits arbeitet die Menschheit erst seit relativ kurzer Zeit an technischen Innovationen und Erfindungen, für deren Risiken und Auswirkungen es noch keine Langzeit-Tests gibt, sprich: Ob und wie wir unsere eigenen Experimente überleben werden, kann noch niemand abschätzen. Am wahrscheinlichsten ist es also, dass wir uns selbst ausrotten. Misanthropen aller Länder dürfen nun applaudieren.