Flugroboter voller Sensoren, Navigationssysteme und Waffen retten schon heute Menschenleben. Sie erhalten das Leben von Soldaten oder Polizisten, die sich nun nicht mehr selbst in Gefahr bringen müssen – mutmaßliche Feinde können mittlerweile sogar ganz bequem aus der Ferne überwacht und getötet werden. Ganz, wie in einem Videospiel…

Wer sich mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von modernen Drohnen beschäftigt, wird an der immer hitziger geführten Kontroverse über Pro und Kontra der ferngesteuerten Fluggeräte (die auch schon mal versehentlich unschuldige Zivilisten töten) nicht vorbeikommen. Die von Analysten-Teams gelenkten Spionage- und Killer-Roboter gelten meist als humane Alternative zu einer militärischen Intervention – im Gegensatz zu Soldaten würden Drohnen die im Kampf oft unvermeidlichen Kollateralschäden deutlich reduzieren. Schwierig wird es nur, wenn man den Maschinen die Entscheidung überlässt – denn mittlerweile werden auch immer mehr autonome Systeme entwickelt, die gar keiner menschlichen Führung mehr bedürfen und völlig autark agieren können.

Doch noch werden die meisten Drohnen von Menschen ferngesteuert – dabei ergab sich überraschend eine Allianz zwischen dem Militär und der Computerspielindustrie. Schließlich wurden von den Spieleherstellern bereits seit vielen Jahren Millionenbeträge in eine stetig verbesserte Benutzeroberfläche für die Steuerung von (rein virtuellen) Fluggeräten investiert – diese lassen sich natürlich auch nutzen, um echte Flugmaschinen zu steuern. Außerdem weiß so bereits eine ganze Generation von Jugendlichen ganz intuitiv, wie man mit einem Controller (der auch eine Fernbedienung sein könnte) umgeht – im neuesten „Call of Duty“ Videospiel verfügt der Spieler über einen bewaffneten taktischen Quadcopter, den es in ähnlicher Form auch schon in der Realität gibt.

Überhaupt gibt es in der Realität schon eine ganze Reihe erschreckend ausgefeilter Drohnen für alle möglichen Einsätze – das hat einen New Yorker Modeschöpfer inspiriert, eine neue Art funktioneller Kleidung zu entwickeln: „Stealth Wear“. Zuvor war Adam Harvey vor allem im Bereich Fotografie tätig gewesen, mit seinem neuesten Projekt beschreitet er nun völlig neue Wege. Seiner Ansicht nach verlören Kameras in der Zeit nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und der Verabschiedung des Patriot-Act zunehmend ihren Wert als „Mittel der künstlerischen Gestaltung“ und verkämen immer mehr zu „willfährigen Werkzeugen der Überwachungsgesellschaften“. So begründete Harvey bereits im vergangenen Jahr auf der Internetseite „Rhizome“ sein Vorhaben. Schon damals experimentierte Harvey mit verschiedenen Möglichkeiten, Computern die automatische Gesichtserkennung (mit deren Hilfe bestimmte Personen auch aus Menschenmengen heraus identifiziert werden können) zu erschweren – zum Beispiel über ein selbst gemachtes, spezielles Make-Up. Da die Erkennung individueller Gesichtsmerkmale unter Einbeziehung biometrischer Daten und ausgeklügelter Überwachungskameras immer weiter entwickelt wird, wandte sich Harvey danach einem viel „angesagteren“ Überwachungsgerät zu, dem noch viel schwerer zu entkommen ist: der Drohne.