Viele Eltern reagieren immer noch absolut irrational, wenn sie mitbekommen, dass Töchterchen oder Sohnemann zur abendlichen Entspannung auch gerne mal einen durchziehen. Anders jedoch als noch vor 20 Jahren gibt es heutzutage auch eine Menge Mütter oder Väter, die die Aufklärung in Sachen Cannabis aufgrund eigener, positiver Erfahrungen selbst in die Hand nehmen oder ihrem Nachwuchs einfach mal zuhören, wenn es um die Gefahren von Hanf, die Vorzüge gegenüber dem Alkoholrausch und die Geschichte des Hanfverbots geht.

In der vergangenen Ausgabe hatte ich von meinem Besuch bei Cannabispatientin Elke berichtet, die von ihrer Tochter in die Kunst des Homegrowings eingeführt wurde. Doch es geht auch anders herum, denn das nun schon über zwei Generationen bestehende Hanfanbau-Verbot hat auch dazu geführt, dass so manch Vater oder Mutter dem Sohne respektive der Tochter zeigen, wie man die illegalisierten Blüten ergärtnert – natürlich erst, sobald diese/r über das entsprechende Alter und die für solch ein Hobby notwendige Reife verfügt. Ich hatte das Vergnügen, mich für diesen Bericht mit Karoline und ihrem Sohn Mark verabreden zu können, die zusammen growen, um den familiären Bedarf an sauberen Cannabisblüten zu decken. Karoline ist Mitte Vierzig, zweifache, alleinerziehende Mutter. Sie hat jetzt einen normalen Job, dazu aber eine bewegte Vergangenheit, von der wir noch hören werden. Mark ist fast 20, hat gerade Abitur gemacht, wohnt noch bei Karoline, und jobbt, bis er sein Studium im Herbst beginnen kann. Mutter und Sohn empfangen mich im zweiten Geschoss einer schicken Altbauwohnung und begrüßen mich – wie fast alle meine ProtagonistInnen eines Growberichts – mit einer Tasse Kaffee und einer dicken Tüte. Das lockert die Stimmung und ich kann mich auch sofort orientieren, was die beiden denn in ihrem Kämmerlein so stehen haben, denn selbstredend wurde der Dübel aus den Restbeständen der vergangenen Ernte gedreht. Eine sehr leckere, leider unbekannte Indica-Sorte, von der wir noch ein wenig mehr hören werden…