„Whats my muthaF#ck!nʼ name?“ fragte Snoop Dogg, damals noch mit einem „Doggy“ in der Mitte des Namens, 1993 auf der Debüt-Single seines wegweisenden und bahnbrechenden Albums Doggystyle. Seitdem ist er dank mehrerer Platin-Alben einer der erfolgreichsten Rapper der HipHop-Kultur geworden – und durch seinen typisch nasalen Reim-Flow auch einer der originellsten. Nach bisher elf Alben, Abstechern in die Filmindustrie, einer eigenen Actionfigur und einem Videospiel, besinnt sich der mittlerweile 41-Jährige nun auf Liebe, Frieden und Harmonie. Unter seinem neuen Pseudonym Snoop Lion steigt der Kalifornier nun mit seinem neuen Album und einer dazugehörigen Filmdokumentation vom Gangsta-Rapper zum Reggaekünstler und Rastafari auf.

„Mein Leben findet auf der Bühne statt – egal, ob es sich dabei um die Bühne, auf der ich als Musiker auftrete, oder die Bühne des Lebens handelt…“. Mit diesen Worten eröffnet Snoop Dogg den Dok-Film „Reincarnated“, der seine Wandlung vom gewaltverherrlichenden Gangsta-Rapper mit frauenfeindlichem Weltbild zum von Liebe und Gewaltlosigkeit singenden Reggaekünstler dokumentieren soll. Damit ist eigentlich auch schon klar, worum es bei dieser Wiedergeburt geht: um einen weiteren Abschnitt in der Karriere des cleveren Selbstdarstellers, dem es immer wieder gelingt, sich in einer neuen Verpackung zu präsentieren und die Grenzen der Selbstvermarktung noch ein bisschen weiter auszuschöpfen.

Als Calvin Cordozar Broadus Jr. in Kalifornien geboren, wuchs der zukünftige Rap-Star und Multimillionär mitten im von Banden umkämpften Ghetto von Los Angeles auf. Zeitweilig aktiv am Rand einer Szene, in der sich blaue „Crips“ mit roten „Bloods“ territoriale Kämpfe um den Verkauf von Drogen lieferten, machte der (wegen seines langen Zinken „Snoopy“ genannte) Calvin schon während seiner High-School Zeit mit seinen Kumpels Nate Dogg und Warren G. unter dem Namen 213 Crew lieber Musik, als an „Drive-by-Shootings“ teilzunehmen.

Anfang der 90er Jahre wurde das ehemalige N.W.A (Niggaz Wit Attitudes)-Mitglied, Mitbegründer des Gangsta-Raps und späterer Starproduzent Dr. Dre auf Snoop aufmerksam und nahm mit ihm erst das mittlerweile legendäre und als zeitlos geltende Dr.-Dre-Soloalbum The Chronic auf und produzierte anschließend auch Snoops Soloalbum Doggystyle. Beide Alben erreichten mehrfachen Platin-Status und wurden zu einem festen Bestandteil der HipHop Hall of Fame.

Snoop Doggs nasaler, entspannter Style zu reimen war etwas Neues, er hörte sich (trotz der das brutale Leben im Ghetto schildernden Texte) nach der warmen Sonne Kaliforniens und guter Laune an. Zusammen mit den von Funk und Soul inspirierten Beats des Doktors schufen sie ein neues Genre innerhalb der HipHop-Kultur: den G-Funk. Damit wurden die Zwei zu Ikonen und zum Inbegriff des Gangsta-Raps der amerikanischen Westküste.

Es folgten zahlreiche Alben und Kollaborationen – so gut wie mit Dr. Dre als Produzent war Snoop jedoch nur selten wieder. Trotzdem kann er auf eine über 20 Jahre währende erfolgreiche Karriere im Rap Business zurückblicken. Ausflüge in die Filmindustrie mit Auftritten u. a. in Training Day, Starsky & Hutch und zuletzt in Scary Movies 5, ein Modelabel und der Pornofilm Doggystyle (der zwar ohne Teilnahme von Snoop gefilmt, aber mit dessen Tracks untermalt worden ist) gehören ebenfalls zu den vielseitigen und erfolgreichen Aktivitäten des cleveren Geschäftsmanns.

Nun, im reifen Alter von 41 Jahren, hat Snoop die lange und für ihn charakteristische Nase voll von Rap, sinnloser Gewalt und bedeutungslosem Sex und reist mit frisch gedrehter Löwenmähne (inspiriert von seinem neuen Idol Bob Marley und auf der Suche nach Spiritualität und Inspiration) nach Jamaika, dem Heimatland der Reggae- und Rastafarikultur. Begleitet wird er dabei von den Machern des alternativen Szene-Magazins VICE, die schon mit dem Basketballer Dennis Rodman nach Nordkorea gereist sind und von Kindersoldaten im Kongo, liberianischen Kannibalen und Eselschändern in Kolumbien berichtet haben und so das nötige Know-how besitzen, um die Wandlung von Snoop Dogg zu Snoop Lion visuell gekonnt in Szene setzen zu können.