Ding Dong! Es klingelt an der Tür, draußen stehen zwei adrette Damen und lächeln optimistisch. Fast jeder von uns hatte schon einmal Besuch von den Zeugen Jehovas – willkommen ist dieser Besuch eigentlich nie. Zeugt dieses eifrige Klingelputzen nun von Naivität, von Dogmatismus oder doch von einem tiefen und unerschütterlichen Glauben? Wie gehen wir mit dem Glauben anderer um, wenn wir ihn nicht teilen können? Und was haben Nudeln damit zu tun?

Da stehen sie nun vor meiner Tür und meinen allen Ernstes, sie könnten mit mir hier und jetzt über Jesus Christus und die Bibel reden. Es gibt keine andere Religionsgemeinschaft, die ihre Missionsarbeit so direkt und unmittelbar betreibt. Andere Religionen versuchen unter anderem über soziale Einrichtungen, Medien und Politik Einfluss auf unser Leben zu nehmen. Die Zeugen Jehovas aber kommen noch zu unserer Haustür, offenbar fest davon überzeugt, uns unmittelbar aus unserem sündigen Dasein retten zu können. Dass sie für viele Menschen dabei nur eine lästige Werbebotschaft unter vielen darstellen, dass ihre Mission in den meisten Fällen nicht ankommt, davon lassen sie sich nicht beirren. Ihr Glaube scheint stärker zu sein als jeder Zweifel. Es scheint ein aus der Zeit gefallener Verein zu sein, eine Gruppe gestriger Jesus-Freaks, die mit unserem modernen Leben nichts zu tun hat (dabei sind die Zeugen Jehovas als Vereinigung tatsächlich nicht einmal hundert Jahre alt). Sie sind somit natürlich auch ein leichtes Ziel für Spott und Hohn, stehen sie doch für alles, was man an Religionen als rückschrittlich und naiv kritisieren kann. Als aufgeklärter Mensch meint man, rationale Argumente gegen diese Ansichten zu haben. Aberwie sinnvoll ist es, den Glauben anderer Menschen mit Argumenten entkräften zu wollen? Kann ich gegen Glauben überhaupt andiskutieren?