Humboldt County im Sonnenstaat Kalifornien ist ein Zentrum der modernen Cannabiskultur. Hier im „Emerald Triangle“ wird schon seit den 60-er Jahren tonnenweise Gras angepflanzt, und viele der klassischen Strains haben hier ihren Ursprung. Die Humboldt Seed Organisation, ein Züchterkollektiv – dem auch einige deutsche Grower angehören – macht nun auch viele Sorten in Europa zugänglich, die es bisher nur exklusiv in den USA gegeben hat.

Hallo E. Du wohnst in Nordkalifornien im Humboldt County, das wegen seiner großen Cannabisszene auch als „das grüne Dreieck“ der USA bekannt ist, und lebst ganz legal von der Hanfzucht. Was hat dich hierher verschlagen?

Das stimmt. Ich bin ursprünglich deutscher Abstammung, allerdings hier in den USA geboren und aufgewachsen. Ich rauche und pflanze Cannabis schon seit meiner Jugend an und lebe mit meiner Familie tatsächlich im Hanfmekka, dem „grünen Dreieck“; wir bauen Cannabis zur medizinischen Verwendung und nur für den eigenen Bedarf an. Als Kollektiv von Hanfzüchtern blicken wir gemeinsam auf über 30 Jahre Erfahrung beim Anbau von Cannabis zurück. Das Kollektiv hat Mitglieder hier in den USA, aber auch in Europa.

Kannst du uns mehr zu eurem Breeder-Kollektiv der Humboldt Seed Organisation verraten?

Vor ungefähr fünf Jahren ist eines unserer Mitglieder von den USA nach Europa gezogen und hat unsere besten Strains mitgenommen. Als ich ihn dann nach ein paar Jahren besucht habe, stellte ich zu meiner Freude fest, dass sich alle Strains bester Gesundheit erfreuten und sich den klimatischen Umständen angepasst hatten. Daraufhin schmiedeten wir den Plan, unsere Sorten auch in Europa anzubieten, und suchten uns einen Vertriebspartner für unsere neue Seedbank HSO – Humboldt Seed Organisation. Anschließend fingen wir auch gleich mit der Produktion an.

Auf eurer Website heißt es, dass ihr Cannabis für die medizinische Anwendung anpflanzt und eure Zuchtprojekte vor allem auf die medizinische Wirksamkeit von Cannabis ausgerichtet sind. Arbeitet ihr auch mit Abgabestellen für Medizinalhanf in Kalifornien zusammen?

Wegen der ungewissen Rechtslage in den USA haben wir 2010 beschlossen, Cannabis nur für unser Kollektiv anzubauen. Sollte Cannabis in Kalifornien eines Tages völlig legal sein, wie es in Washington und Colorado bereits der Fall ist, werden wir auch gerne wieder für Dritte anbauen. Z. Zt. pflanzen wir nur so viel an, wie wir für den eigenen, medizinischen Bedarf benötigen. Wir leben im Allgemeinen einen sehr autonomen und zurückgezogenen Lebensstil und halten nicht viel Kontakt zur Shop-Szene in Kalifornien.

Stimmt es, dass deine familiäre Situation dazu geführt hat, mit dem Anbau von Cannabis anzufangen und dich intensiv mit der Zucht von neuen Strains zu beschäftigen?

Das ist richtig. Ein Angehöriger meiner Familie ist sehr krank und verwendet Cannabis, um die Nebenerscheinungen der Krankheit zu mildern. Er verwendet Cannabis-Öl wie Rick Simpson es herstellt, um seine starken Schmerzen wegen eines Nierenleidens zu lindern. Das Cannabis-Öl wirkt sehr gut gegen die Schmerzen und hat dabei keine negativen Nebenwirkungen. Dabei braucht er gar nicht so viel – ein Tropfen auf einem Zahnstocher vor dem Schlafengehen reicht schon aus.

Ein anderes Mitglied des Kollektivs verwendet Cannabis-Öl gegen die Beschwerden ihrer Krebserkrankung. Letztes Jahr musste sie sich einer doppelten Brustamputation unterziehen, und nachdem sie gleich nach der Operation damit angefangen hat, das Öl auf die Wunden aufzutragen, konnte sie nach drei Wochen schon wieder Tischtennis spielen und gewann auf Anhieb eine Silbermedaille. Sie hat vorher weder geraucht noch Alkohol getrunken und auch kein Cannabis konsumiert. Als Öl aber hat ihr Cannabis ganz ohne Nebenwirkungen geholfen und ihr Leiden gelindert.