Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein tabakfreies Leben. Die therapeutischen Praxen in Berlin verzeichnen einen Zuwachs an Klienten, die dem Tabakkonsum abschwören wollen. Die Gründe dafür sind verschieden: Rauchverbot in Gaststätten und an öffentlichen Plätzen, der ungeheuer hohe Preis von Zigaretten und Tabak und zum Glück auch das Bewusstsein dafür, dass es sich rauchfrei gesünder lebt.

Lange Zeit hielt sich der Glaube, dass eine Zigarette in der Hand Minderwertigkeitskomplexe (wie: sich wertlos, falsch oder unzulänglich  fühlen) verdecken kann. Da gab es im letzten Jahrhundert das Image der modernen, selbstbewussten Frau, die natürlich elegant rauchte, oder das des lässigen Mannes mit qualmender Zigarette in der Hand. Bilder, die gesellschaftlich anerkannt waren und den Schein von Souveränität, Schönheit und sogar Reichtum vermitteln sollten. Dieses Bild scheint sich nun gewandelt zu haben. Viele haben erkannt, dass eine anfangs schmerzhafte Wahrheit lebenswerter ist als eine gut funktionierende Maske, und so werden immer mehr Menschen bereit sein, ihr bisheriges verzerrtes Selbstbild zu ändern, ihre spezifischen Rollen und Spielchen abzulegen, um ihre eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren und durchzusetzen, um dann selbstbestimmter zu leben.

Manche Menschen, die mit dem Tabakrauchen aufhören wollen, können sich nicht vorstellen, wie so eine Entwöhnung aussehen könnte. Ich habe mich in Berlin umgehört und einer gestandenen Heilpraktikerin für Integrative Psychotherapie ein paar neugierige Fragen gestellt, sodass ihre Antworten zukünftigen Frischluftatmern als Wegweiser dienen können.

Susanne, wenn ich mir zum neuen Jahr das Tabakrauchen abgewöhnen möchte und in deine Praxis komme, was genau läuft dann da ab?

Zuerst findet bei mir ein Vorgespräch statt, bei dem wir uns kennenlernen und du umfassend aufgeklärt wirst, mit welchen Methoden ich arbeite. Ich will natürlich all deine Gründe zum Aufhören wissen. Wir erstellen die Analyse rückfallgefährlicher Situationen (um bei starkem Verlangen einen Rückfallkrisenplan auszuarbeiten). Du bekommst auch eine Infoaufklärung über Tabaksucht überhaupt. In meiner Praxis mache ich individuelle Einzelsitzungen, damit ich besser auf die Bedürfnisse meiner Klienten eingehen kann. Statistisch gesehen schneiden Selbsthilfeprogramme am schlechtesten ab, dann kommen Gruppentherapien, die den Vorteil der Gruppenkontrolle untereinander haben. Am wirksamsten sind aber momentan verhaltenstherapeutisch orientierte Einzelsitzungen, wie ich sie anbiete.

Müssen wir uns irgendwie mögen, damit die Behandlung zum Ziel kommt?

Es ist sehr wichtig für deinen Erfolg, dass die Chemie, die therapeutische Beziehung zwischen uns stimmt. Denn da geht es auch um regelmäßige Rückfragen, Verhaltenstipps mit Hausaufgaben und das Auffangen von evtl. depressiven Entzugserscheinungen. Da muss definitiv Vertrauen zwischen uns sein. Außerdem checken wir dein soziales Umfeld, macht z. B. jemand beim Entzug mit aus deiner Familie, deinem Freundeskreis? Wir ermitteln auch deinen besten Zeitpunkt zum Aufhören. Das kann in stressfreien Situationen oder im Urlaub sein. Falls es Rückfälle gibt, die ich lieber Vorfälle nenne, machen wir einen erneuten Zeitpunkt für das Aufhören aus. Unsere Sympathie füreinander erhöht ganz sicher die Sicherstellung deiner Abstinenz.

Woher weißt du, wie viele Sitzungen ich benötigen werde?

Im Normalfall wäre es so, dass du vier Sitzungen bei mir buchst, die du vorher bezahlst, weil ich festgestellt habe, dass vier Sitzungen oft schon ausreichen, und die Vorabbezahlung nochmal deine Motivation erhöht, dabei zu bleiben. Erste Hinweise, ob es dir schwer oder leicht fallen wird, mit Abstinenzen umzugehen, sind eventuell geschilderte Momente wie Transatlantikflüge, oder wenn ich dich bitte, schon mal zwei bis drei Tage vor der ersten Sitzung nicht zu rauchen. Da gibt es wenige, die sagen: „Kein Problem!“ Die meisten gucken mich mit großen Augen an, so als ob ihnen nicht klar wäre, dass sie deswegen bei mir in der Praxis sind. Es gibt sogar einige Therapeuten, die Leute gar nicht behandeln, wenn sie nicht schon mal ein paar Tage vorher das Rauchen aufgehört haben. Damit kriegen sie zwar schön ihre Quote, aber schicken dadurch auch Leute weg, die das so nicht schaffen. Ich habe aber durchaus die Erfahrungen gemacht, dass es auch die anderen Leute schaffen, jeder hat da so seine eigene Geschwindigkeit. Und sie kommen ja deswegen in meine Praxis, weil es ihnen vorher nicht gelungen ist, einfach mal eben so abstinent zu sein. Wir ermitteln also gemeinsam, wie lange du brauchen wirst.