Tim ist Mitte vierzig und baut seit fast einer Dekade Gras an, das er später auf dem Schwarzmarkt verkauft. Den Gewinn investiert der gelernte Koch dann in sein ganz persönliches Entwicklungshilfeprojekt im östlichen Afrika, um dort nachhaltige Projekte, wie er selber meint „nicht ganz ohne Eigennutz“ , zu realisieren.

Vor fast zehn Jahren war Tim – eigentlich nur zum Urlaub – für ein paar Wochen in Afrika. Damals hatte er sich in die einheimische Bevölkerung sowie in einen kleinen Flecken Land verliebt, auf dem eine heruntergewirtschaftete Papaya-Farm darauf wartete, neues Leben eingehaucht zu bekommen. Tims Plan, das Stückchen Land zu pachten und die Farm wieder zu nutzen, stieß in der Umgebung auf große Resonanz, und die Erwartungen der Dorfbewohner an Tim waren auf einmal viel größer als seine finanziellen Ressourcen, die gerade einmal den Pachtpreis für das kleine Stück Land hergaben. So reifte der Beschluss heran, die notwendigen finanziellen Mittel auf die gleiche Art und Weise aufzutreiben, die auch für diesen ersten Afrika-Trip verantwortlich zeichnete: Illegalisierte Hanfpflanzen unter 600-Watt-Brennern, die pro Quadratmeter schon mal für eine Handvoll Euro sorgen können.

Das Projekt sollte je sechs Monate in Deutschland und Afrika stattfinden. Zwei Grow-Durchgängen und dem Verkauf der heimlich ergärtnerten Blüten sollte jeweils ein halbes Jahr Projektarbeit in Afrika folgen, um die verlotterte Farm peu á peu und mithilfe der einheimischen Bevölkerung wieder aufzubauen. Der Kontrast und die Entfernung zwischen illegalisiertem Indooranbau in Deutschland und legalem Farmaufbau in Afrika hätten größer kaum sein können, und so existieren diese beiden wunderschönen Gärten in einer Art Symbiose fast 8.000 Kilometer voneinander entfernt. Leider hatte ich bislang nie die Möglichkeit, den mittlerweile wieder erblühten Papayagarten zu besuchen; dem näher gelegenen Hanfgarten konnte ich aber glücklicherweise einen Besuch abstatten.

Tim arbeitet zur Zeit mit vier 600-Watt-Lampen, unter denen insgesamt 150 Pflanzen stehen. Als Medium nutzt er Canna-CoGr-Matten, die mit einer automatisch gesteuerten Tröpfchenbewässerung feuchtgehalten werden. Der Raum ist gute 20 Quadratmeter groß und bietet so genug Platz für einen kleinen Schrank mit dem notwendigen Handwerkszeug für die tägliche Kontrolle der Nährstofflösung und der Pflanzen. Natürlich arbeitet Tim als guter deutscher Grower, so wie fast alle Hanfbauern nach dem Samenverbot 1998, mit Stecklingen, die er einen Raum weiter unter einer 400-Watt-Metall-Halogenlampe produziert. Diesen Raum will er mir allerdings um’s Verplatzen nicht zeigen, da dort „seine eigene Ordnung“ herrsche. Angesichts der schon leicht schmuddeligen Blütekammer verzichte ich auf die Anwendung meiner sprichwörtlichen Überredungskünste beim Zeig-mir-deinen-Raum-Spiel Spiel, denn ich schaue mir ungern ungepflegte und somit hässliche Pflanzen an. Immerhin schafft es Tim aber, seinen Raum mit vier Lampen komplett mit eigenen Stecklingen zu bestücken, also auch mit seiner eigenen Ordnung das zu erreichen, wofür er das Set-Up eingerichtet hat. Wäre ja auch langweilig, immer nur aus perfekt ausgestatteten und funktionierenden Grow-Räumen zu berichten, schließlich wollen wir unserer Leserschaft auch mal zeigen, was man besser machen könnte als unsere Vorzeige-Gärtner. Tims Daumen ist einer der grünsten, denen ich persönlich je begegnet bin, anders wäre es wohl unmöglich, in diesem leicht geordneten Chaos gute Ernten einzubringen. Doch in der stetigen Unordnung sorgen eine 1.500 m³/h Abluftanlage sowie zahlreiche Ventilatoren für ein optimales Klima von 25 Grad Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 55 Prozent. Natürlich bedient sich Tim bei einem solchen „Kommerz-Grow“ auch einer schnell blühenden, zuverlässigen und ertragreichen Sorte, einer altbewährten Northern Lights.