Cannabis-Liebhaber, die nach dem Konsum nicht nur bräsig auf der Couch kleben, sondern aktiv etwas unternehmen wollen – beispielsweise feiern, tanzen, kommunizieren, flirten oder künstlerisch arbeiten – schwören darauf: Sativa-Sorten, die eine kristallklare, stark prickelnde, anregende Wirkung liefern, die wie ein Blitz einfährt und gleichermaßen energisch Geist und Körper kicken und schweben lassen – High-Sein im allerbesten Wortsinn.

In der heutigen kunterbunten weltweiten Sortenwelt gibt es Tausende kommerziell erhältliche Sativa-Sorten, und viele von ihnen genügen hohen Ansprüchen. Zwar hat kein Mensch je alle diese Sorten getestet, doch im Rahmen der jahrzehntelangen Sortenportrait-Reihe des Autors wurden bei verschiedenen Growern sehr viele Sativa-Strains einem Test-Grow unterzogen, und dabei kristallisierten sich fünf herausragende Sorten heraus – Zeit für eine Hommage an die persönliche Sativa-Top 5, die Crème de la Crème!

Fangen wir an mit einer Sorte, deren Geschichte am weitesten zurückreicht, bis in eine Zeit, als – man kann es sich heutzutage schon fast nicht mehr vorstellen – es nur einige wenige Seed Banks auf dieser Welt gab. Ein kleiner geschichtlicher Exkurs ist an dieser Stelle unverzichtbar: Es geht um einen Mann, der im Jahre 1984 mit „The Seed Bank” die erste kommerzielle Hanfsamenbank moderner Prägung gründete und seine  Samen in alle Welt, vor allem aber an Tausende US-Amerikaner, verschickte: Nevil (oder Neville) Schoenmakers – der Pionier, ja der Vater aller modernen Seed Banks. Er ließ sich in der Nähe von Nijmegen (NL) auf einem hübschen historischen Landsitz nieder und nannte ihn fortan „Cannabis Castle”, wo er sich der Vermehrung klassischer Sorten wie Skunk #1, Early Girl, Early Pearl oder California Orange (die er von Sacred Seeds übernommen hatte) widmete und darüber hinaus Klassiker wie NL #5 x Skunk #1, NL #5 x Haze, Super Skunk oder G-13 x Hash Plant züchtete. Nevil gelang es auch, Northern Lights #5 in Samenform verfügbar zu machen, nachdem die Sorte zunächst nur als Klon NL #5 F1 in seinem Katalog geführt worden war. Er arbeitete auch sehr intensiv an verschiedenen Haze-Linien, wobei es über den Ursprung seines Haze-Materials einen nicht zu klärenden Streit gibt: Nevil beteuert, seine Haze-Ausgangssamen von den legendären Haze Brothers erhalten zu haben, die von 1970 bis 1975 in Kalifornien den genetischen Grundstein für die Original Haze legten, nachdem sie mit dem dieser Sorte zugrunde liegenden Genpool Colombian/Mexican/South Indian/Thai-Sativas experimentiert hatten. Sie waren aber keine Breeder, sondern Grower/Dealer, die die Ergebnisse ihrer diversen nicht-selektiven Kreuzungen unter Bezeichnungen wie Purple Haze, Silver Blue Haze oder Lime Green Haze als hochpreisiges Gras auf dem Markt vertickten. Sie hatten überhaupt nicht im Sinn und auch nicht die Fähigkeit, ihre Hybriden zu stabilen Samensorten zu machen. Diese Arbeit übernahmen in der zweiten Hälfte der 70er Jahre die Züchtungsprofis von Cultivators Choice, zu denen Sam The Skunkman gehörte, ein Nachbar der Haze Brothers in Santa Cruz. Er und sein Kollektiv waren es, die deren Genpool bewahrten, daraus Original Haze selektierten, sie zu einer leidlich stabilen Samensorte machten („10% sind spektakulär, 75% gut, 10% schlecht“ hieß es 1985 im Katalog von Cultivators Choice) und diese auf den Markt brachten. Sam The Skunkman reiste 1984 nach Holland, und hier beginnt der Haze-Streit, denn Sam sagt, dass er es war und nicht die Haze Brothers, von dem Neville seine Haze-Genetik sowie etliche andere Sorten seinerzeit bezog. Wie dem auch sei, Neville arbeitete mit drei Haze-Varianten, Typ A, B und C. Typ C war Thai-dominant und hatte einen erdigen Chocolate Thai-Geruch und -Geschmack. 1990 wurde Nevil bei einem Australien-Aufenthalt verhaftet, konnte aber fliehen, und heuerte, zurück in den Niederlanden, in den frühen 90er Jahren bei Sensi Seeds an, jener Seed Bank, die sein genetisches Erbe sowie das Cannabis Castle gekauft hatte. Doch er blieb nur einige Jahre beim Dronkers-Clan und trat anschließend in den Dienst der damals noch jungen Seed Bank Greenhouse Seeds, wo er zusammen mit Shantibaba 1997 die Neville’s Haze kreierte. Dazu kreuzten sie ein Männchen von Nevils Haze-Typ C mit einem NL #5 x Haze-Weibchen (das Nevils Haze-Typ A enthielt). Das Ergebnis war eine Haze-Sorte mit einem sehr hohen Haze-Gehalt und lediglich Spuren von Northern Lights #5 – nahezu Haze in Reinkultur, die sowohl die Colombian– als auch die Thai-Aspekte der Haze-Genetik zum Ausdruck brachte. Neville’s Haze hat eine Blütezeit von 12 bis 14 Wochen, manchmal auch noch deutlich darüber hinaus. Sie liefert ein sensationelles, sehr lang anhaltendes Haze-Up High, das wie Champagner wirkt, stark aktivierend, mit extremem Kribbel-Feeling und erlesenem herb-süßem Haze-Taste.