Neben der alljährlich stattfindenden Cultiva bietet Wien jedes Jahr im Mai noch ein zweites Hanf-Event der Extraklasse. Der im Rahmen des Global Marijuana Marches (GMM) abgehaltene Hanfwandertag hat sich im Laufe der Jahre zur größten Hanfdemo im deutschsprachigen Raum entwickelt und konnte seine Erfolgsgeschichte 2014 fortsetzen. Wir nutzten die Gelegenheit die Wiener Hanfszene aus nächster Nähe kennenzulernen.

Anders als die Berliner Hanfparade, Deutschlands einzige Großdemo zur Re-Legalisierung, setzt der Hanfwandertag voll auf den Event-Charakter der Veranstaltung: Neun große Trucks mit DJs und Liveacts sorgen für gute Stimmung neben der notwendigen politischen Message. Und last but not least nehmen so viele Sponsoren teil, wie es zur Durchführung einer echten Großveranstaltung braucht.

Das Organisatoren-Team rund um David Rosse vom Österreichischen Hanf Verband (ÖHV) hat auch in diesem Jahr wieder eine bunte Mischung aus Rede- und Musikbeiträgen auf die Beine gestellt, die viele Tausend Hanfbegeisterte in die Wiener Innenstadt lockte.

Ab 13 Uhr versammelten sich die Teilnehmenden am Westbahnhof, um das Eintreffen der Paradetrucks lautstark zu feiern und den Reden von Davis Rosse, Cannabinoid-Mediziner Dr. Kurt Blaas und Emanuel Kotzian (Hanf Journal) zu lauschen. Kurz vor „Abflug“ des Demo-Zuges wurde es um den Wagen des ÖHV auf einmal sehr eng, als sich Main-Act Macka B, Reggae- und Legalize-Urgestein aus England, zum ersten Mal das Mikrofon schnappte,  um lautstark seine „Medical Marijuana Card“ einzufordern. Als gegen 14:30 Uhr der letzte Wagen eingetroffen war, setzte sich der Zug Richtung Mariahilfer Straße, Wiens größter Einkaufsmeile, in Bewegung. Auf den neun großen Wagen sowie zwei Traktoren und einem Reisebus präsentierten sich Österreichs engagierteste Grow- und Headshops, die zusammen mit ihren Angestellten viel Arbeit und Mühe in die liebevoll gestalteten Gefährte investiert hatten: Egal ob Indras Planet mit seinen zwei Traktoren plus Wohnwagen, das legendäre Bushmobil der Grow City oder der „Medical Truck“ von Cultiva-Veranstalter Bushdoctor, hatte doch jeder einen kreativen und phantasievollen Beitrag zum Gelingen der Demonstration beigetragen. Nicht zu vergessen die vier herrlichen Mutterpflanzen von Hanf & Hanf, die man neben dem 30.000-Watt-Sound von Shalamanda Hifi ihre Blätter im Rhythmus tiefster Bässe wiegen sehen konnte.

Nachdem sich beim Marsch durch die Mariahilfer Straße noch etliche Wiener dazugesellt hatten, war der Demonstrationszug auf dem Innenstadtring bereits auf geschätzte 4.000 bis 5.000 Menschen angeschwollen. Friedlich und unter Einsatz von extrem viel Räucherware setzte der Zug seinen Weg Richtung Heldenplatz fort, wobei die Polizei über die gesamte Zeit hinweg durch vornehme Zurückhaltung auffiel. Gegen 15:30 Uhr gab es dann eine Zwischenkundgebung vor dem Parlament, die von Veranstaltern und Shops dafür genutzt wurde, Gratis-Samen an alle zu verteilen. Patienten und Aktivisten prangerten bei dieser Gelegenheit die Missstände beim Thema „Cannabis als Medizin“ an. In Österreich gibt es, anders als in Deutschland, zwar legal wachsende Hanfpflanzen, dafür jedoch keine Ausnahmeregelung zum Erhalt von niederländischen Medizinalhanfblüten.

Nachdem an diesem Samstag auch der letzte Besucher der Innenstadt auf das gemeinsame Anliegen aufmerksam gemacht worden war, rollte die eindrucksvolle Lawine auf den Wiener Heldenplatz, Amtssitz von Bundespräsident sowie Bundeskanzler. Die geplanten Abschlussreden fielen allerdings der immensen Lautstärke der vielen Soundsystems und der damit verbundenen ausgelassenen Stimmung zum Opfer. Statt der üblichen politischen Beiträge erlebte der Heldenplatz so seine erste ausgelassene Re-Legalisierungsparty, die im kommenden Jahr hoffentlich noch größer ausfallen wird.