In der Tschechischen Republik scheint für Grower die Sonne nicht mehr ganz so hell wie in den vergangenen Jahren, wurden doch Ende 2013 zahlreiche Shops durchsucht und einige, bei deren Mitarbeitern oder Inhabern Gras gefunden wurde, sogar komplett geschlossen. Wer in der Tschechischen Republik noch einen Growshop betreiben möchte, verzichtet seitdem auf den Verkauf von Samen, Anbauliteratur und Hanfzeitschriften (wie dieser hier). So sieht es das nicht mal neue Gesetz zur „Verhinderung der Verbreitung von Polytoxikomanie“ vor, das seitens des Innenministeriums und der Polizei seit Ende 2013 anders interpretiert wird als noch in den vergangenen Jahren.

Außerdem hat die Regierung unseres Nachbarlandes die „Geringe Menge“ Cannabis von 15 auf 10 Gramm gesenkt, dabei bleibt die Anzahl der geduldeten Pflanzen für Privatpersonen auch weiterhin bei fünf. Doch ob das noch so bleiben wird, wenn die dortigen Cannabispatienten ihre Medizin aus staatlichem Anbau bekommen, ist fraglich. Denn obwohl die Regierung schon lange ankündigt, Anbaulizenzen an Bewerber zu verteilen, geht die Umsetzung sehr schleppend voran. Zurzeit ist eine branchenfremde Metallverarbeitungsfirma einziger Lizenzinhaber, ohne jedoch bislang ein Gramm Cannabis produziert zu haben. Hinter vorgehaltener Hand hört man in Tschechien immer wieder das Wort „Korruption“, wenn es um die Lizenzvergaben zum Grasanbau geht. Wenn mit Cannabis als Medizin erst einmal das große Geld verdient werden kann, werden die Produzenten wohl alles daran setzen, den Eigenanbau zu unterbinden. Es sei denn, die tschechische Regierung macht aus der Tolerierung einiger weniger Pflanzen eine Legalisierung. Aber danach sieht es zurzeit nicht aus.

Natürlich lassen sich Tschechiens eingefleischte Grower wie mein Gastgeber Pavel* nicht von solchen Unwägbarkeiten vom Hanfanbau abhalten. Pavel wohnt in einer kleinen Prager Wohngemeinschaft und baut dort Gras für seine Freundin, sich selbst und seine Mitbewohner an. Ich kenne Pavel noch aus seiner Zeit als Grow-Reporter des Konoptikum, der damals ersten Hanfzeitung des Landes. Mittlerweile arbeitet Pavel für eine staatliche Institution, die er nicht veröffentlicht haben möchte (ich kann Euch aber versichern, dass es weder Polizei noch Staatsanwaltschaft ist) und betreibt sein Hobby nur noch im Verborgenen. Irgendwann habe er von der zerstrittenen Legalisierungsszene Tschechiens die Nase voll gehabt, vom Growen jedoch nicht, erzählt mir der Ex-Kollege bei der ersten Tüte des Tages; bestes Lemon Haze aus Pavels letzter Ernte. Dem kann ich nur zustimmen, wobei ich selbst eher der Meinung bin, dass die Stagnation und mangelnde Vernetzung der dortigen Hanfaktiven an der fast schon zu liberalen Situation liegt. Denn anders als zum Beispiel in Deutschland oder auch in Österreich fühlen sich die Growshops, die indirekt viel Geld am Hanfanbau verdienen, der Legalisierung und deren Aktivisten nicht verpflichtet. Das könnte und sollte sich hoffentlich bald ändern, denn die Polizei hat mit dem Schlag gegen die Shops ein für alle Mal klargestellt, dass der Anbau auch bei liberaler Rechtslage auf keinen Fall als Kavaliersdelikt gehandhabt wird, sondern weiterhin als Straftat mit allen Konsequenzen, die das Gesetz vorsieht.