Mit dem globalen Siegeszug von Facebook und Google werden die Träume von einer umfassenden Überwachung der Bevölkerung immer greifbarer. Das immense staatliche Interesse an der von diesen und anderen Webdiensten zusammengetragenen Datenmenge war bereits hinlänglich bekannt, bevor Edward Snowden den NSA-Skandal auslöste. Weniger bekannt sind dagegen die vielfältigen Verbindungen von Google und Facebook zu den Machtzentralen und Geheimdiensten der USA.

Bei Facebook handle es sich um die „Hilfstruppen der US-Geheimdienste“, erklärte WikiLeaks-Chef Julian Assange schon im Mai 2011 angesichts der „schrecklichsten Spionage-Maschine, die jemals entwickelt wurde“. Monate später wurde dieser Vorwurf dann von ganz anderer Seite ausgesprochen: „Facebook ist geschaffen worden, um Menschen auszuspähen“, erklärte Bernhard Witthaut, damaliger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), in einer Talk-Runde des TV-Senders Phoenix. Das soziale Netzwerk sei „ein nachrichtendienstliches Instrument“ und werde maßgeblich von der CIA finanziert. Das klang seinerzeit in den Ohren vieler noch nach einer abwegigen Verschwörungstheorie.

Fakt ist: Wenige Monate nach dem 11. September 2001 gründete die Bush-Regierung zwecks „totaler Informationserkenntnis“ das Information Awareness Office (IAO). Innerhalb einer Datenbank wurden hier alle verfügbaren Informationen sämtlicher Bürger gesammelt und ausgewertet – so zum Beispiel die jeweiligen Internetaktivitäten, Kreditkartendaten, Krankenakten oder Strom- und Wasserabrechnungen. Eine Schnüffelbehörde gigantischen Ausmaßes war geboren, die unter dem Dach der Pentagon-Forschungsbehörde DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) residierte. Die Forschungsbehörde (deren Vorläufer bereits im Jahr 1958 von Dwight D. Eisenhower gegründet wurde) war federführend an der Entwicklung von Technologien beteiligt, die im Rahmen der nationalen Sicherheit von Interesse waren – so wurde in den 70er Jahren auch das Arpanet geschaffen, aus dem schließlich das Internet hervorging.

In ihrem Tatendrang, intelligente Überwachungssysteme zu konstruieren, mussten die Pentagon-Forscher 2003 allerdings einen deutlichen Dämpfer hinnehmen, als die Finanzierung des IAO aufgrund öffentlichen Drucks eingestellt wurde. Die vorbehaltlose Sammlung von Daten wurde zunächst unter der Obhut der Heimatschutzbehörde und des von ihr betriebenen Programms ADVISE (Analysis, Dissemination, Visualization, Insight, and Semantic Enhancement) übernommen und fortgeführt, bevor auch dieses Projekt vier Jahre später (zumindest offiziell) eingestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich mit Google und Facebook gleichzeitig zwei kommerzielle US-Webdienste weltweit etabliert, die in Sachen „data mining“ (die Auswertung großer Datenmengen) alles in den Schatten stellten, was sich die Big-Brother-Behörden der USA erträumen konnten. Was könnten diese sich „Schöneres wünschen, als dass ihnen die Menschen all ihre persönlichen Details, jede Bewegung, private Nachrichten und all ihre persönlichen, beruflichen und politischen Kontakte selbst frei Haus auf einen zentralen Server in den USA liefern?“, heißt es in einer Erklärung von besorgten Bürgerrechtsorganisationen, die seit 1998 jährlich den Big Brother Award vergeben. 2011 erhielt Facebook, die „Datenkrake mit unendlichem Appetit“, diesen wenig schmeichelhaften Preis. Unbeeindruckt davon erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2012: „Privatsphäre ist keine soziale Norm mehr. Es ist unglaublich, was Mitglieder so alles über sich auf Facebook verraten, was sie nirgendwo anders tun würden.“ In einem bekannt gewordenen Chat offenbarte Zuckerberg zudem, wie er sich die informelle Freizügigkeit der Facebook-User erklärt: „Die vertrauen mir, die Idioten.“ („They trust me, dumb fucks.“)