Ich ziehe mit dem Messetross weiter von Wien nach Prag, wo vom 7.–9. November 2014 das Cannafest in der wunderschönen Messehalle zu Holesevice zahlreiche Besucher anlockte. Neues gab es auch dort nicht unbedingt zu entdecken, was mir ganz recht war. Denn so konnte ich mich auf die Suche nach einem kleinen Selbstversorger begeben, der mir einige Einblicke in sein in Tschechien nicht ganz so illegales Treiben gewährt.

2013 schreckte die Polizei mit ihren landesweiten Durchsuchungen und der folgenden strikten räumlichen Trennung von  Growshops, Hanfliteratur-Vertrieben und Seedshops viele Hobbygärtner auf.
Seitdem konzentriert sie sich bei der Verfolgung eher auf die größeren Kaliber. Der Anbau von bis zu fünf Pflanzen ist nach wie vor toleriert, egal ob unter Licht oder im Garten. Seit vergangenem Jahr sind die kleinen Indoor-Grower aber auch ein wenig vorsichtiger geworden, haben sie doch im Rahmen der über einhundert Aktionen gegen Growshops erst so richtig mitbekommen, dass auch ihr Treiben nicht legal, sondern lediglich geduldet ist. Deshalb ist es im heutigen Prag auch ein wenig schwieriger, einen ambitionierten und zudem englischsprachigen Indoor-Gärtner zu finden, der bereit ist, mir seine Pflanzen zu zeigen. Am dritten Tag glaubte ich schon gar nicht mehr daran, in Prag noch ein paar Hanfpflanzen erblicken zu dürfen, als ich am Stand eines kaum bekannten Samenversenders aus Pilsen mit den Besitzern Milan und David* über die Herkunft einiger Strains ins Gespräch kam. David wurde von Milan aufgrund seiner Englisch- und seiner Fachkenntnisse in Sachen Indoor-Anbau für den Messestand am Cannafest engagiert. Während des Gesprächs fällt mir auf, dass David anscheinend weiß, wovon er spricht, und auch noch in Prag wohnt. Selbstredend frage ich sofort, ob ich mal einen Blick auf seinen Grow werfen dürfe, wenn er mit der Arbeit fertig sei. Wir verabreden uns für den folgenden Tag zum Mittagessen in Zizkov, dem Prager Szene-Bezirk.

Als wir uns am nächsten Tag im Restaurant gegenübersitzen, bitte ich den Mittdreißiger um eine kurze Schilderung seiner Grower-Karriere. David hat ein paar Jahre in einem Growshop gearbeitet und ist sozusagen ein Pionier der Szene, auch wenn er jetzt nur noch aushilfsweise auf Messen für die Hanfbranche arbeitet. Als der Anbau unter Licht in Tschechien erste Anhänger fand, war David voller Enthusiasmus, jedoch ohne Know-how; Anbauliteratur gab es auch nur auf Englisch. Im Laufe seiner Tätigkeit als Hobby-Grower und Growshopper merkte er dann, dass ein erfolgreicher Grow von ein paar kleinen Dingen abhängt, die sich in erster Linie um die Vermeidung von Fehlern drehen. Deshalb will er den thcene-Lesern neben seinen schicken Buds auch eine „Not-to-do“-Liste nahebringen, die er zu Growshopper-Zeiten gut lesbar neben dem Tresen aushängen hatte. Zu Zeiten, als Beratung in tschechischen Growshops noch legal war. Nach dem Essen fahren wir in Davids Appartement, wo er seinen Liebsten in einer Art begehbarem Kleiderschrank eine kleine Sperrholzbox eingerichtet hat.