Er ist der Prince of Pot und ein international bekannter Hanfaktivist: der Kanadier Marc Emery. Seit vielen Jahren engagiert sich Emery, Jahrgang 1958, für die Relegalisierung, Entkriminalisierung und Freigabe des Cannabis und seiner Produkte. Letztlich verbrachte Marc Emery wegen seiner Aktivitäten die vergangenen viereinhalb Jahre hinter US-Gittern (wir hatten darüber mehrfach berichtet). Jetzt ist der Prince of Pot freigekommen – aufgrund „guter Führung“, wie es so schön heißt, ein halbes Jahr vor Ablauf seiner eigentlichen Haftstrafe. Seitdem bereist Marc Emery zusammen mit seiner Ehefrau Jodie die Welt, um seine Botschaft nur noch enthusiastischer zu verkünden. Unter anderem führte ihn seine Aktivität nach Österreich, genauer: nach Wien-Vösendorf, und zwar zur Hanfmesse Cultiva, wo wir ihn getroffen haben und mit ihm sprechen konnten.

Marc, schön, dass du wieder frei bist und aktiv sein kannst. Und schön, dass du uns direkt ein Interview geben magst.

Aber klar doch, es ist mir ein Vergnügen! Wir sind alle Kämpfer für dieselbe Sache und sollten unbedingt zusammenarbeiten, um die Drogenpolitik in der Welt endlich zu verändern.

Du warst im Gefängnis, weil du Marihuana-Samen verkauft hast – stimmt das?

Das war der Schuldspruch, richtig. So hat es die amerikanische Anti-Drogen-Behörde, die Drug Enforcement Administration (DEA), ausgelegt. In Wahrheit war es aber wegen meines Hanfaktivismus. So war ich einer der fünfzig meistgesuchten Leute der Welt, und das hat mich unglaublich beeindruckt, denn ich tat ja nichts anderes, als von meinem Schreibtisch in Vancouver aus ein paar Samen in die Welt zu schicken. Und dann gab ich das ganze Geld für verschiedenste Projekte des Cannabis-Aktivismus aus. Für die Protestbewegung, aber auch für Gerichtskosten, die Hanffreunde aufgrund ihres Ärgers mit dem Staat zu schultern hatten. Die DEA mochte das natürlich gar nicht, und so jagten sie mich und begründeten das damit, dass ich Marihuana-Samen verkauft habe – und das, obwohl dies damals in Kanada und den USA vollkommen legal war und niemand zuvor deswegen angeklagt oder verfolgt worden wäre. Zuerst sollte ich achtundzwanzig bis vierzig Jahre hinter Gitter, dann zehn – und schlussendlich bekam ich dann fünf Jahre. Jetzt bin ich froh, nach schon viereinhalb Jahren frei zu sein.