In der Debatte rund um die PEGIDA-Bewegung waren die Fronten von Anfang an verhärtet. Die Verteidiger des Abendlandes fordern Verständnis für ihre Ängste und demonstrieren gleichzeitig Unverständnis. Eine Annäherung scheint nicht in Sicht.

In den letzten Jahren war häufig zu hören, die Deutschen seien ein selbstzufriedenes und eher protestscheues Volk. Während in anderen europäischen Ländern Zehntausende gegen ihre Regierungen auf die Straße gingen, schien hierzulande höchstens noch ein überteuertes Bahnhofsprojekt (Stuttgart 21) eine größere Menge an Wutbürgern aus der Reserve zu locken. Tatsächlich ist die deutsche Protestkultur aber besser als ihr Ruf, wie die Ausläufer der Occupy-Bewegung und aktuell die Proteste gegen das geplante Freihandelsabkommen beweisen. Seit dem letzten Jahr hat diese Kultur nun neuen Zuwachs bekommen, allerdings aus einer Richtung, die vielen Beobachtern, vor allem auf Seiten der Medien, ziemliche Magenschmerzen bereitet hat. Mehr als 25 Jahre nach den Montagsdemonstrationen in der damaligen DDR eroberte sich eine neue Bürgerbewegung unter dem Namen PEGIDA – ebenfalls immer Montags – die Straßen zurück. Hinter diesem Abkürzungskonstrukt, das ein wenig an den Namen einer Wohnungsbaugesellschaft erinnert, verbergen sich die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Vorausgegangen war ihnen bereits eine andere Abkürzungs-Bewegung: HOGESA – „Hooligans gegen Salafisten“, die sich im Ruhrgebiet den Kampf gegen radikale Islamisten auf die Fahnen geschrieben hat. Wo sich die Hooligans aber sozusagen an der „Heimatfront“ direkt an ihrem Gegner abarbeiteten, verortete PEGIDA, als bravere bürgerliche Variante der wütenden Hooligans, das Zentrum ihres bedrohten Abendlandes ausgerechnet in Dresden, einer Stadt mit einem nur mikrobisch geringem muslimischen Bevölkerungsanteil. Aber schließlich geht es ihnen dem Namen nach ja auch um die Rettung des gesamten Abendlandes, also um nichts weniger als die Verteidigung von ganz Europa.