Das kleine Holland ist eine große Gartenbaunation. Neben Blumen und Tomaten ist THC-reiches Cannabis die am häufigsten  kommerziell kultivierte Agrarpflanze, allerdings stellt ihr Anbau für den Gärtner ein ständiges Betriebsrisiko dar, vor allem, wenn größere Mengen im Spiel sind. In Blättern wie Highlife und Soft Secrets sind regelmäßig zahlreiche Zeitungssauschnitte aus der holländischen Tagespresse abgedruckt, in denen von der Beschlagnahmung riesiger Indoor-Gärten berichtet wird, nicht selten geht es um Tausende von Pflanzen.

Aber auch die bloße Anwesenheit von künstlichem Licht kann in Holland heutzutage bei einem Grow theoretisch strafrechtliche Probleme machen, denn seit der Verschärfung der Anbau-Verfolgungsrichtlinien 1996 ist bereits das Vorhandensein einer einzigen Wachstumslampe als Hinweis auf Erwerbsanbau bzw. Dealertätigkeiten zu werten. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass dieses Kriterium meist nicht streng gehandhabt wird, und sogar erwischte Grower mit mehreren Lampen und dreistelligen Pflanzenzahlen mit der Auflage von einigen Wochen Sozialarbeit davonkommen. Dessen ungeachtet sind auch die holländischen Grower sehr bestrebt, mit dem Gesetz nicht in direkte Berührung zu geraten und das Risiko des Entdecktwerdens so gering wie möglich zu halten. Häufig fliegen illegale Indoor-Plantagen in Holland auf, weil die Stromversorgungsfirmen wegen auffällig hohen Verbrauchs misstrauisch geworden sind und der Polizei ihren Verdacht mitgeteilt haben. Oder aber ein Grower hat das Stromnetz illegal angezapft und zieht seinen Strom „schwarz“ – Auch solche Hasardeure fliegen hin und wieder auf. Eine taugliche Lösung zur Vermeidung solcher Gefahren: Die Anlage von der allgemeinen Stromversorgung abzukoppeln und über einen eigenen Generator mit Strom zu versorgen, stromtechnisch also autark zu werden, sich der Kontrolle der Stromversorger zu entziehen. Da ist es praktisch, wenn man als Grower auf dem Land wohnt und den Strom für seine Grow-Anlage aus einem Diesel-Stromgenerator beziehen kann, der ansonsten den elterlichen Bauernhof versorgt. Ruud ist so ein privilegierter Mensch und betreibt seit einigen Jahren auf dem Dachboden einen kleinkommerziellen Garten von 2 x 5 Meter Beetfläche, der äußerst üppig mit zehn 600 Watt Hochdrucknatrium-Dampflampen beleuchtet wird. Hier kann er in einem Jahr je nach Sorte bis zu sechs Stecklingsernten von jeweils drei bis vier Kilogramm Trockengewicht einfahren, das Kilogramm wird dann am Markt für ca. 3000 Euro verkauft. Geht man von einem Maximal-Szenario aus, erntet Ruud also sechs Mal im Jahr vier Kilogramm Marihuana, insgesamt 24 Kilo, und macht damit 72.000 Euro Umsatz. Verkauft wird bei Ruud auch noch der letzte Krümel, denn er selbst ist kein Cannabiskonsument, es geht nur um ein „Zuverdienst-Hobby“, wie er grinsend sagt. Nun, zweifelsohne ein sehr fürstlicher Zuverdienst…