In Bayern ist der Anbau von Cannabis angesichts der drakonischen Strafen noch viel verbotener als in den meisten Teilen der  Republik. Der hohe Repressionsgrad ist Grund für die Paranoia, die in Bayern und auch in Baden-Württemberg herrscht, verfolgen die Ermittler doch hier selbst kleine Kiffer bis in die eigenen vier Wände. Deshalb wollte mich Froanz* nicht in seiner Wohnung empfangen, sondern hat ein Treffen über einen gemeinsamen Bekannten arrangiert, der mir eine CD mit den Details seiner Zuchterfolge überreichen und einige Fragen zu Froanz‘ Grow beantworten sollte. Also habe ich mich irgendwo in einem Münchner Café mit dem Schorsch*, der gerne mal von den Blüten seines Freundes nascht, getroffen.

Ehrlich gesagt kommt man sich ganz schön bescheuert vor, wegen eines Berichts über ein paar Graspflanzen eine Art konspiratives Treffen arrangieren zu müssen, bei dem es um den Austausch eines USB-Sticks geht. Es ist zwar lächerlich, aber selbst der Bericht aus der Höhle des Löwen gleicht eher einem Hollywood-reifen Einsatz auf Feindesgebiet, als einem gechillten Besuch bei Hobbygärtnern, die mir meist als Grundlage für meine Growreports dienen. Der Froanz ist weder Dealer noch Profi-Grower, hat aber ein sehr großes Herz für Gras. So groß, dass er mittlerweile schon seine eigenen Sorten kreuzt. Mit minimalen Mitteln und ohne kommerzielles Interesse hat er sich mit zwei kleinen Homeboxen und einer selbst gebauten vegetativen Kammer seinen Heimgärtnertraum erfüllt: Er baut sein eigenes Gras unabhängig vom Schwarzmarkt, von Samen-Bestellungen oder vom Samen-Schmuggel und fast ohne das Wissen Dritter an. Schorsch ist da als bester Kumpel und zuverlässige Urlaubsvertretung eine echte Ausnahme.

„Zum Anbauen ist mein Kumpel gekommen als er ungefähr 14 Jahre alt war. Zu dieser Zeit hatten wir schon öfter zusammen gekifft und Gefallen daran gefunden. Als Froanz nun eines Tages bei seiner Oma in den Laubenkolonien Münchens spazieren ging, entdeckte er direkt am Weg in einem Schrebergarten eine wunderschöne, weiß blühende, weibliche Hanfpflanze und war sofort infiziert. Kurz darauf besorgte er sich in einem Headshop ein paar Nutzhanfsamen und startete die ersten Fensterbank-Experimente. Als er ein Jahr später mit seiner Familie Urlaub in Kenia machte und dort eine Menge Gras geraucht hatte, das die Locals dort verkauften, kam er mit ein paar unter Todesängsten geschmuggelten Seeds aus Afrika zurück. Zuhause wurden sie auf Balkonien angesetzt, waren aber kurz darauf aufgrund einer Aussage gegen Froanz in höchster Gefahr. Sie mussten schnellstens weg. Der Großteil wanderte sofort in den Müll, lediglich zwei Pflanzen konnte der beinahe Ertappte retten und in den Wald schaffen, wo sie dann aufgrund des unpassenden Klimas nicht annähernd fertig wurden und nicht einmal richtig blühten. Jahre später besorgte Froanz dann ein paar Stecklinge (u.a. Shiva Skunk, Chronic, NYC Diesel und Sweet Purple) aus dem nahegelegenen Österreich, die bis zur Erntereife auf seinem Balkon standen, ohne dass Mama ausflippte. Die Ernte war einfach der Hammer. Tolles Weed und auch noch knapp 300 Gramm. Als mein Kumpel dann seine erste eigene Wohnung hatte, begann er, in einer kleinen Holzbox Lowryder anzupflanzen und zu kreuzen. Die Samen hatte ihm ein Kumpel aus Amsterdam per Post geschickt. Aber auch das ging nicht lange gut, weil er einen der dümmstmöglichen Fehler beging: Er benutzte damals keine Filter und da drohten Nachbarn mit der Polizei, ließen den Worten aber zum Glück keine Taten folgen. In der nächsten Wohnung, die um einiges größer war, wollte er dann endlich richtig durchstarten. Also hat er Growboxen und das nötige Equipment bestellt und gleich die ersten Grows durchgezogen.“