Wir alle shoppen. Das ist ganz normal. Wir holen unsere Lebensmittel im nächstgelegenen Geschäft oder bestellen sie  neuerdings auch immer öfter online. Aber was muss darüber hinaus noch unbedingt eingekauft werden? Sammelobjekte? Ständig neue Klamotten? Immer der neueste Technik-Kram? Wo endet der gesunde Wohlstand und wo beginnt der überflüssige Überfluss? Immer mehr Menschen sind heutzutage der Meinung, dass schon das Einkaufen selbst glücklich macht – also gar nicht der Gebrauch der erstandenen Ware, sondern lediglich der Akt des Erwerbs.

Es ist kaum zu glauben: Der statistische Durchschnittsdeutsche besitzt heutzutage über 10.000 Dinge. Konsumartikel aller Art,  vom Bett bis zum Zahnstocher. Bücher, Platten, Kaffeetassen und viele andere Sachen sammeln sich schnell und massiv an. Manche davon haben ihrem Käufer mehr oder weniger Glück gebracht – allerdings vergängliches Glück. Denn obwohl Deutschland eines der reichsten Länder ist, sind hier längst nicht alle Menschen glücklich. Und doch wird Reichtum hier oft und gerne mit Glück gleichgesetzt – aber stimmt das tatsächlich? Wie empfinden das die Menschen? Sind ihre Antworten zum Thema Glück identisch? Ganz egal, ob sie in Städten, an der Ostsee oder in abgelegenen Bergregionen wohnen? Viele Fragen.

Zeit für ein paar Antworten.

An der Jacobs University in Bremen erforscht Soziologe Jan Delhey das Glück. Er beantwortete die Frage, ob Besitz glücklich mache, so: „Nach allem, was ich aus der Literatur und der eigenen Forschung weiß, würde ich Ja sagen. Etwas zu haben, einen bestimmten Lebensstandard zu haben, ist ein Pfeiler des Glücks. Das ist aber nicht der Einzige. Ich arbeite da gerne mit einer Kurzformel: Glück = Haben + Lieben + Sein. Insofern gehört das Haben auf jeden Fall dazu.“

Nach Delheys Definition besteht das Glück also aus dem, was wir besitzen, was wir lieben und wer wir sind. Was wir lieben sind Menschen, Tiere, Dinge und Aktivitäten – wobei wir nur von ersteren Beiden zurückgeliebt werden können, was natürlich auch mit unserem persönlichen Glück zu tun hat. Denn dazu gehört auch, von anderen geliebt zu werden. Das „Sein“ leitet sich letztendlich daraus ab, wie wir uns selbst sehen und wie wir von anderen gesehen werden – ob wir z.B. in unserem sozialen Umfeld respektiert und beliebt sind, oder nicht. Wenn uns keiner mag, wird uns auch größter Reichtum nicht glücklich machen können.

Glücksforscher Delhey kennt dieses Phänomen – es ist eine Art Motor unserer Wachstumsgesellschaft. Delhey erklärt: „Die Soziologen und Ökonomen nennen das Anspruchsinflation. Es ist ja tatsächlich so, dass der Mensch immer ein bisschen darauf programmiert ist, sich und seine materiellen Lebensumstände zu verbessern. Das ist letztendlich schon eine Art Mühle, die gegen die persönliche Zufriedenheit läuft – da ja die Ansprüche auch immer mitwachsen.“