Immer wieder müssen wir hören, dass Flüchtlinge unterschieden werden in Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge. Und immer wieder wird diese Unterscheidung von Leuten formuliert, die von Wirtschaft so viel Ahnung haben, wie Prinz Charles vom englischen Königsthron. Nah dran, aber nicht wirklich erfasst.

Zugegeben, ich kenne mich mit diesem Thema auch nicht so gut aus, denn alles, was ich über Wirtschaft weiß, habe ich von  meinem Opa gelernt. Der war früher noch Bergmann in Gelsenkirchen und hat früher noch höchstpersönlich unter Tage gearbeitet. Das heißt, mein Opa, der wusste noch, wie man an Kohle kommt. Und abends in der Kneipe hat mein Opa seine Zeche immer bezahlt. Der hat nicht anschreiben lassen, der hat keinen Deckel gemacht. Mein Opa, der wusste noch, wie man eine Wirtschaft ohne Schulden hinterlässt.

Und mein Opa hat mir zwei Dinge fürs Leben beigebracht:

1.) Man soll das Fell des Bären nicht verkaufen, bevor man ihn erlegt hat.

2.) Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Auf gut Deutsch: Mit Einnahmen kalkulieren, die noch gar nicht auf dem Konto sind, geht nur, wenn man Wachstum für unendlich hält. Und damit wäre die Wirkungsweise des Kapitalismus eigentlich präzise beschrieben. Und wenn dann z.B. ein Unternehmer aus Profitgründen seine Produktion ins Ausland verlagert, warum nennt man so jemanden eigentlich nicht einen Wirtschaftsflüchtling? Oder wenn Deutschland in seinen Außenhandelsbeziehungen den afrikanischen Staaten Zollbedingungen abverlangt, die deutsche Waren auf den afrikanischen Märkten günstiger macht, als die einheimischen Produkte, und dieses Muster dann in den Balkanstaaten wiederholt, auf dass deutsche Unternehmen Exportweltmeister werden und andere Regionen am Boden liegen, dann ist es doch kein Wunder, wenn die Bewohner dieser Regionen lieber in Deutschland leben wollen. Solche Menschen dann Wirtschaftsflüchtlinge zu nennen, verdrängt die Frage, wer es eigentlich gewesen ist, der sie überhaupt erst in die Flucht getrieben hat.