Der Bedarf nach der hinter dem Alkohol meist gebrauchten, psychoaktiven Substanz wächst ständig. Weil der Cannabis-Anbau  in den meisten Gegenden der Welt aber seit 1961 illegal ist, kommen Technik und Innovationen nicht aus Wissenschaft und Forschung, sondern aus dem Verborgenen. Seit Jahren wird immer weniger aus klassischen Anbauländern wie Marokko, Afghanistan oder Kolumbien nach Europa geschmuggelt. Der europäische Cannabis-Schwarzmarkt blüht unter Kunstlicht. Viele bauen Gras für den Eigenbedarf an. Einige auch aus medizinischen Gründen, andere produzieren für den Schwarzmarkt. Das benötigte Know-how und die Technik sind ungeachtet der Motivation identisch, verboten ist es ohnehin. Auch für Carlos*, der bis vor wenigen Monaten nicht mal eine Yucca-Palme sein Eigen nennen konnte, war der Weg vom Greenhorn zum grünen Daumen nur die logische Konsequenz von Streckmitteln und überteuertem Weed.

Carlos ist leidenschaftlicher Hobbygärtner und baut auf einem halben Quadratmeter Gras an. Ich habe mich mit ihm verabredet, um ein wenig über seine illegale Zucht zu plaudern. Der Mittdreißiger lebt in der Wiener Innenstadt und erwartet mich bereits. Nach einer Tasse Kaffee geht mein Gastgeber in sein Arbeitszimmer, verdunkelt die Fenster und öffnet einen kleinen Schrank, den Besucher auf den ersten Blick für einen Aktenschrank halten würden. Im Arbeitszimmer wird es taghell und hinter der Tür kommt ein wahres Blütenmeer zum Vorschein. „Skunk Number One“, kommentiert ihr Besitzer die narkotisch riechende Masse. „Aus Bio-Stecklingen, die man hier in Österreich ganz legal kaufen kann.“ Carlos könnte auch – anders als in Deutschland und in der Schweiz – einfach in den nächsten Wiener Growshop gehen und ganz legal Samen kaufen, aber am einfachsten ist es mit Stecklingen.