Ich treffe mich mal wieder mit Andreas*, der mir als HIV-Patient und langjähriger Grower schon viel Wissen über medizinisches Cannabis, den Anbau und so manch geilen Growreport vermittelt hat. Als ehemaliger Growshop-Mitarbeiter ohne aktuelle Praxis-Erfahrung und Cannabis-Patient mit Growbox sowie viel Erfahrung, wissen wir beide zusammen eine Menge über die Fehler, die in den versteckten Kleinoden der heimlichen Indoor-Gärten unseres Landes gemacht wurden und werden.

Andreas kleine Box befindet sich gerade mitten im Umbruch zwischen zwei Durchgängen, weshalb zur Zeit meines Besuchs nur noch zwei fast reife Ladys, eine White Skunk und eine Super Kush, dort stehen, der Rest trocknet bereits. Aber mein Gastgeber hat den thcene-Lesern ja schon mehrfach Einblick (z.B. thcene 05/2012: “Aus der Not gewachsen“) in das in seinem Falle lebensnotwendige Hobby gewährt, neues Equipment oder Strains gibt es bei ihm zur Zeit nicht, hier wird eher stetig und immer nach dem gleichen Muster, konservativ auf Erde, angepflanzt. Versorgung, Pflege und Ernte sind 100% Handarbeit, doch darum soll es diesmal auch gar nicht gehen. Bevor wir uns über die schlimmsten Aussetzer heimischer Hanfbauern unterhalten, zündet Andreas eine WxP (The White x Mandala Purple #1)-Tüte an.

Kimo: Hallo Andreas. Schön, mal wieder hier zu sein. Ich hoffe, du bist so fit wie immer. Worunter müssen Cannabispflanzen Deiner Erfahrung nach am häufigsten leiden?

Andreas: Mir geht es gut, danke. Wenn es in der Box blüht und ich meine anderen HIV-Medikamente habe, bin ich fast immer fit. Ich denke, eines der häufigsten Probleme, die ich so mitbekommen habe, sind miese Wurzeln. Die Grundlage allen Übels. Haben die Damen kalte Füße, bilden sich die Wurzeln nur unzureichend aus. Besonders wenn im oberen Bereich gute Temperaturen von 22-28 Grad herrschen, kann es im Bereich der Töpfe, je nach Frischlufttemperatur und Pflanzengröße, schon mal nur 4-12 Grad warm werden. Gerade in Keller- und Erdgeschossräumen kommt das häufig vor und wird sehr oft nicht erkannt, weil das Thermometer, wie im Growbuch angegeben, mittig zwischen den Pflanzen hängt. Ich hatte auch ein fußkaltes Zelt, dessen Boden ich dann mit Styropor ausgelegt habe. Danach war es gleich fünf Grad wärmer.

Es gibt auch andere Gründe, wie eine schlechte Phosphor-Versorgung oder Trauermücken, unter denen die Wurzeln leiden. Werden die Damen jedoch ohne ausreichendes Wurzelwerk in die Blüte geschickt, wachsen sie trotzdem in den ersten drei Wochen wie wahnsinnig, ohne erkennbare Mängel aufzuweisen. Ist die Vorblüte vorbei, steigt der Nährstoffbedarf zur Ausbildung der Blüten. Jetzt erst zeigt sich, wie viele Nährstoffe, insbesondere Phosphor und Kalium, die Wurzeln wirklich transportieren können. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem der Heim(lich-)gärter entweder den Lohn für gute Vorarbeit erhält und sich täglich an dicker werdenden Blüten erfreuen kann, oder ob die ersten vier Wochen besser aussahen, als sie eigentlich waren. Auftretende Mangelerscheinungen können jetzt nicht mehr durch zusätzliche Nährstoffzugabe kompensiert werden, weil die Nährstoffe durch mangelnde Bewurzelung nicht an den richtigen Ort gelangen können. Man könnte das mit einem zu kleinen Rohrsystem für zu viel Wasser vergleichen. Die Buds können nicht mehr viel Masse zulegen. Wer seine Pflanzen zu früh in die Blüte geschickt hat, wird es daran merken, dass die Tops zwar schön reif werden, aber in den letzten drei Wochen nicht viel Masse zulegen. Nur bei einem „Sea of Green“ funktioniert das mit der ganz kurzen Vorwuchszeit. Bei dieser Methode werden dann aber die Pflanzen so beschnitten, dass sie nur Hauptblüten ausbilden. Klar, dass ein einzelner Topbud weniger Nährstoffe braucht, als eine Pflanze mit Seitentrieben und mehr Platz im Zelt. Hapert es mit dem Wurzelwerk, überdüngt man die Pflanze auch schneller, worunter Ertrag und Geschmack zusätzlich leiden. Viele schieben es dann auf den Dünger oder die Pflanzenhilfsmittel und wollen das Produkt wechseln. Ich kenne keinen „schlechten“ Dünger aus dem Growshop. Die funktionieren eigentlich alle, wenn sie dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden. Ich würde das oft erwähnte Düngerproblem eher als Transportproblem bezeichnen. Und jetzt verrate du mir mal bitte, welcher Fehler dir damals im Growshop am häufigsten begegnet ist!