Kurz nach dem Erscheinen unserer letzten Ausgabe erhielten wir folgende Nachricht: „Ich habe mir Eure aktuelle Ausgabe gekauft und gelesen, dass es in Deutschland nicht möglich sei, einen Head- & Growshop über eine Bank finanzieren zu lassen. Ich habe seit dem 1. November (2015) einen Laden, der sogar über die Landesförderbank finanziert wurde. Wenn Ihr Interesse an der Story habt, könnt Ihr gerne mit mir Kontakt aufnehmen.“

Das haben wir getan und Tobias Pietsch (31), den Verfasser der Nachricht, interviewt – Toby betreibt erst seit wenigen Monaten seinen Shop „hanfnah“ in Lahr (Schwarzwald).

Danke für deine Nachricht – natürlich wollen wir gerne wissen, wir es dir gelungen ist, deinen Laden über die Landesförderbank finanzieren zu lassen.

Das ist natürlich schon etwas schwierig, aber eben nicht unmöglich – ich betreibe ja seit einigen Monaten ein reines Hanffachgeschäft, was ich nur dank der Förderung der Landesbank eröffnen konnte.

Dann erzähl‘ uns mal bitte, wie das für dich alles begann.

Es war so, dass es hier in Lahr noch keinen Hanfladen gab – da fehlte praktisch ein konkretes Angebot für eine vermutete Nachfrage. So kam ich auf den Gedanken, dass hier eine Existenzgründung mit einem Hanfshop durchaus funktionieren könnte – wenn man nicht überalterte Klischees bedient, sondern den Laden so einrichtet, dass sich auch meine Mutter hier wohl fühlen kann. Bei dem für die Banken so wichtigen Business-Plan habe ich das treffender als „Hanffachgeschäft“ beschrieben und viele tolle Hanfprodukte benannt, die ich anbieten möchte – allen voran der Bio-Bereich mit Lebensmitteln, Kosmetik, Textilien und natürlich CBD-Produkte. Diese Produkte prägen nun auch die Optik hier im Laden und genauso hatte ich auch die Präsentation bei der Bank aufgezogen.

Wie hast du dein Geschäft gegenüber der Bank definiert?

Schon ganz offen als „Hanffachgeschäft“, auch der Name „hanfnah“ stand schon fest – dabei habe ich aber das ganze Bio-Sortiment in den Vordergrund gestellt und die typischen Headshop- bzw. Growshop-Artikel eher als eine Art notwendiges Übel dargestellt.

Bietest du also selbst gar keine Head- & Growshop-Artikel an?

Doch, ich habe ja einen recht großen Laden gefunden – das sind über 150 Quadratmeter – und wenn man hier reinkommt, dann wirkt das erstmal wie ein schöner Bio-Laden. So erschrecke ich auch keine Kunden, die bisher noch nie etwas mit Hanf zu tun hatten. Aber wenn man sich dann etwas genauer umschaut, entdeckt man auch die Headshop- und die Growshop-Artikel. So sind schon viele schöne Gespräche mit Kunden entstanden, die eigentlich nur reingekommen sind, um eine Seife oder ein Hanf-Pesto zu kaufen und die dann schließlich auch die Wasserpfeifen oder Grow-Utensilien sahen. Manche sind dann am Anfang schon noch etwas skeptisch, aber wenn ich dann mit ihnen ein Gespräch geführt und aus meiner persönlichen Erfahrung berichtet habe und auch die überzogene Dramatisierung von Cannabis ein bisschen erkläre, kommen viele schon ins Grübeln. Jedenfalls ist hier noch keiner rausgelaufen und hat gesagt: Um Himmels Willen – damit will ich nichts zu tun haben!

Das scheint ja zu belegen, dass die Akzeptanz von Hanf immer weiter steigt…

Genau – und so könnte ich mir auch vorstellen, dass es bei den Banken ganz ähnlich ist und auch hier die Akzeptanz steigt. Vielleicht wird das Thema ja gar nicht mehr als ganz so heißes Eisen angesehen – in den Banken werden schließlich auch Leute sitzen, die schon gewisse Erfahrungen haben.