Er rauchte schon vor 20 Jahren Joints auf der Bühne und er liebt das Leben und den Rausch noch immer. Mitte Januar spielte er zwei Konzerte in Folge im legendären SO36 in Berlin-Kreuzberg – auch Klassiker wie „Haschischrauchen macht harmlos“ oder „Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A4“ hat er nach wie vor in seinem Repertoire. Viele seiner Lieder sind längst Kult in der deutschsprachigen Hanfszene – und er hat immer noch viel zu sagen. Wir sprachen mit Götz Widmann über die Macht von Musik, Drogen und Politik und erfuhren, warum der Vietnamkrieg sein erklärter Lieblingskrieg ist.

In den 90er Jahren warst du bereits erfolgreich mit dem Liedermacher-Duo Joint Venture. Hast du nach dem Tod deines kongenialen Partners Kleinti – der ja nun schon 15 Jahre zurückliegt – nie wieder darüber nachgedacht, dir einen neuen musikalischen Partner zu suchen?

Es gab schon Situationen, in denen ich für einen Moment darüber nachgedacht habe, aber in letzter Konsequenz ist Kleinti für mich unersetzbar. Meine Existenz als Teil eines Duos ist mit ihm gestorben. Dabei hatte ich früher wirklich nie die Ambition verspürt, alleine auf der Bühne zu stehen – aber als ich das dann musste, habe ich es einfach gemacht und mich jetzt auch sehr daran gewöhnt und mich mit der ganzen Situation angefreundet. Heute finde ich es ganz toll, alleine auf der Bühne zu stehen – trotzdem habe ich mir aber auch immer wieder neue musikalische Partner gesucht. So trat ich immer wieder gerne mit verschiedenen Begleitmusikern auf. In den letzten zwei Jahren war ich mit einer richtigen Band – Billy Rückwärts – unterwegs und so bin ich nun erst wieder seit kurzem alleine auf der Bühne. Das genieße ich im Augenblick auch sehr, da man sich vorher nicht so viele Gedanken machen muss – drei Minuten bevor ich auf die Bühne gehe, überlege ich mir, welchen Song ich als erstes spiele und der Rest ergibt sich dann von selbst. Ich kann so auch auf die Wünsche der Leute eingehen und spontan reagieren – dadurch wird jeder Abend anders und das macht mir alles wieder unglaublichen Spaß.

Deine aktuellen Pressefotos zeigen dich als Vietnamkämpfer mit Gitarre statt Sturmgewehr – gegen wen oder was kämpfst du eigentlich mit deiner Musik?

Also wenn, dann kämpft man vielleicht gegen Ignoranz und Verblödung – und für ein eigenständiges Denken des menschlichen Individuums. So habe ich das zumindest für mich immer betrachtet. Aber ich hab keine echte politische Mission mit meiner Kunst – meine Kunst macht mir einfach Spaß. Und sie ist für mich die Möglichkeit, ein wirklich wunderschönes Leben zu führen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von meiner Musik leben kann. Meine persönliche Mission ist eigentlich ein schönes Leben – die Grundgedanken des Rock’n’Roll sind schon sehr nah an meinen dran.

Haben sich deine Ansichten zum Thema Drogenpolitik eigentlich im Laufe der Zeit verändert? Oder befürwortest du immer noch vorbehaltlos die Legalisierung von Cannabis?

Ja, ich bin immer noch vorbehaltlos dafür – wir sehen ja, dass in Uruguay oder in den USA die Welt nicht zusammengebrochen ist, nur weil dort Cannabis legalisiert wurde. Man sieht nun, dass man so eine Legalisierung schon organisieren und durchführen kann – und damit auch noch eine Menge Steuereinnahmen und Wirtschaftswachstum generiert, anstatt den Gewinn aus dem Hanfhandel irgendwelchen kriminellen Banden zu überlassen. Ich glaube übrigens auch, dass viele Sorten nur wegen der Illegalität so extrem THC-reich gezüchtet wurden – dabei habe ich selbst lieber ein etwas schwächeres Gras. In einem legalen Hanffachgeschäft könnte man sich dann genau das heraussuchen, was man haben will – so würde sicherlich auch der biologische Hanfanbau gefördert und für die Konsumenten könnte eine Qualitätssicherung auf hohem Standard betrieben werden.