Im Cannabissamen-Business ist es ist wie in jeder anderen Branche auch: Trends kommen und gehen, immer wieder gibt es einen neuen Hype, dem alle hinterherjagen, Anbieter ebenso wie Abnehmer. Während es aber beispielsweise in der Modebranche Gesetz ist, dass mit jedem neuen Jahr auch ein neuer Trend kommt, sind die Trends im Cannabissamen-Business langlebiger, hier gibt es alle paar Jahre das „ganz große neue Ding“, das alle in Aufregung und Verzückung versetzt. Hier ein Überblick über die großen Trends, die es auf dem professionellen Cannabissamenmarkt seit seiner Entstehung in den Niederlanden ungefähr Mitte der 1980er Jahre gegeben hat. Die Perspektive bezieht sich dabei auch primär auf den holländischen Markt, denn hier nahm das legale, kommerzielle Samen-Business seinen weltweiten Anfang.

Skunk #1

Und ganz am Anfang stand eine Sorte, die nicht nur ein riesiger Trend wurde, sondern sogar auch Geburtshelfer und Entwicklungsmotor der gesamten Branche war, der Fixstern, um den herum dann nach und nach die Cannabissamen-Industrie entstand: Skunk#1. Diese Sorte war zwar bereits 1978 vom Züchter-Kollektiv „Sacred Seeds“ unter Federführung von Sam The Skunkman in Nordkalifornien gezüchtet worden, fand aber erst ab 1984 in Holland Verbreitung, als Sam The Skunkman Skunk#1-Samen ins Deichland brachte – ein historischer, epochaler Vorgang, vergleichbar damit, dass Kolumbus seinerzeit die Kartoffel nach Europa brachte, die dort später die hungernden Bevölkerungen ernährte. Denn auch Skunk#1 stillte einen großen Hunger: den Hunger der Holländer und Touristen auf superpotentes Gras! Denn die Skunk #1-Genetik war von bis dahin in Europa ungekannter psychoaktiver Stärke, für Marihuana made in Holland, das bis dahin nur mittelmäßig gewesen war, bedeutete sie einen Quantensprung. Und das nicht nur in Sachen Potenz, Skunk #1 war auch ein wahres Ertragswunder, das zudem auch optimal unter Kunstlicht funktionierte (das war ebenfalls neu in Holland zu der Zeit) und sehr einheitlich wuchs und blühte, weil sie perfekt durchgezüchtet worden war, bis zur Reinerbigkeit.

Sam The Skunkman gab Skunk#1-Samen an die ersten Pioniere des holländischen Seed Bank-Business weiter: Wernard Bruining von Positronics, Ben Dronkers vom Sensi Seed Club (später mit The Seed Bank zur Sensi Seed Bank fusioniert), Eddie Reedeker (später Züchter von The Flying Dutchmen) und Nevil Schoenmakers (The Seed Bank). Diese vier bepflanzten Indoor-Räume und Gewächshäuser massenhaft mit Skunk#1, und im Handumdrehen fand sich diese neue Sorte auch auf den Sortimentkarten der Coffeeshops wieder, wo sie weg ging wie warme Semmeln, Tonnen und Abertonnen von Skunk#1 Buds wanderten über die Ladentheken, und dann in Kopf und Körper der begeisterten Konsumenten. Fortan ging nichts mehr ohne Skunk#1, jeder Coffeeshop und jede Seed Bank musste sie im Angebot haben. So wurde das „ grüne Stinktier“ in der zweitenSkunk#1 hieß, eingereicht von Cultivator`s Choice (dahinter steckte Sam The The Skunkman). Etliche weitere Skunk-Varianten wurden gezüchtet und erfolgreich vermarktet, wie beispielsweise Skunk Red Hair, Sensi Skunk oder Super Skunk. Dazu kam im Laufe der Jahre eine schier nicht enden wollende Flut an Kreuzungen anderer Sorten mit Skunk#1, denn aufgrund ihrer großartigen Eigenschaften und vor allem auch der Reinerbigkeit war sie die perfekte stabile Kreuzungspflanze für praktisch alle anderen Sorten, die es gab.

Nach dem „Urknall“ Skunk#1 konnte viele Jahre lang keine andere Sorte die Cannabis-Sortenwelt so nachhaltig prägen. Klar, da waren zwar auch noch die ebenfalls aus den USA importierten, wichtigen Klassiker Northern Lights und Haze, die zusammen mit Skunk#1 in den 80er Jahren den „Amsterdam Genpool“ bildeten, das Dreigestirn, das auch noch in den 1990er Jahren für viele der damals neu entstandenen Seed Banks das züchterische Grundgerüst bildete. Aber sie waren in ihrer Bedeutung für das Marihuana- und Seed-Business nicht ganz so elementar wie Skunk#1.