Im Verhältnis zur Marktpräsenz von Indoor-Sorten sind reine Outdoor-Sorten eine recht rare Spezies. Und im Vergleich zur Anfangszeit des professionellen Samen-Business in den 80er Jahren haben die diversen holländischen Samenbanken in den letzten zwanzig Jahren nur eine sehr geringe Anzahl von neuen Sorten fürs Freiland auf den Markt gebracht.

Ja, es herrscht heutzutage ein Mangel an neuen robusten, abgehärteten, schimmelresistenten und sehr früh reifenden Strains, die unter natürlichem Licht und nicht unter Kunstlicht gezüchtet wurden und optimal auch in kühleren Klimazonen mit kürzeren Sommern gedeihen. Früher war das anders. Woran liegt das? Zur Beantwortung dieser Frage muss man zunächst zurückblicken auf die Anfänge der Cannabis-Sortenzucht. Als sich in den 70er Jahren in den USA die ersten Züchter-Kollektive wie z. B. Sacred Seeds in Kalifornien formierten, steckte das Indoor-Growing noch in den Kinderschuhen, fast jegliche Cannabiskultivierung und -züchtung fand draußen oder im Gewächshaus, unter natürlichem Licht statt. Die Hybrid-Sorten, die damals aus Landrassen entstanden und in der ersten Hälfte der 80er Jahre dann auch ihren Weg nach Holland fanden, waren also grundsätzlich Outdoor-Sorten bzw. Outdoor-tauglich, quasi noch „Natursorten“. Allerdings waren wiederum auch nicht alle von ihnen für die Breitengrade bzw. Klimazonen Mittel- und Nordeuropas geeignet, wo aufgrund des früh einsetzenden Herbstes und Frostes sehr früh reifende Sorten gefragt waren und sind. Aus diesem Grund, und auch weil in Holland das Indoor-Zeitalter erst im Verlaufe der zweiten Hälfte der 80er Jahre so richtig begann, führten die ersten Samenbanken Hollands noch sehr viele Outdoor-taugliche Sorten. Die Lowlands Seed Company etwa hatte fast nur „naturbelassene“ Strains im Angebot, die auch in Holland unter natürlichem Licht recht früh fertig wurden, z. B. aus Marokko und Südamerika. Der „Sinsemilla Fanclub“ (Positronics) produzierte etliche großartige Outdoor-Sorten für den Großhandel, wie z. B. Swiss Miss, Holland‘s Hoop, Early Girl, Bolivian, Durban Poison oder Early California. Und auch der in Den Haag ansässige Super Sativa Seed Club (SSSC), eine der Seed Banks, die die Pionier-Arbeit von Sacred Seeds in Holland fortführten, listete in seinem 1987er Katalog noch die stolze Zahl von 22 Outdoor- bzw. Outdoor-tauglichen Sorten auf, bei einer Sorten-Gesamtzahl von 39.

Unter anderem auch Strains mit holländischer Namensprägung wie Gouda’s Glory, Amsterdam Delight, Royal Dutch, Beatrix Choice oder Friesland Indica, die teilweise speziell für das kühl-regnerische holländische Klima entwickelt worden waren. Doch mit dem weltweiten Siegeszug des Indoor-Anbaus unter künstlichem Licht orientierte sich auch der Samenmarkt entsprechend, ab der zweiten Hälfte der 80er und vor allem mit Beginn der 90er Jahre kamen immer mehr und schließlich fast nur noch Sorten auf den Markt, die nur unter Kunstlicht richtig gut gediehen und für eine Kultur unter natürlichem Licht nicht in Frage kamen (abgesehen natürlich von warmen Klimazonen), weil sie draußen nicht früh genug reiften, Nässe und Kälte nicht gut vertrugen, nicht abgehärtet und schimmelanfällig waren.

Diese Situation auf dem Samenmarkt hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert, es gab in den letzten Jahren seitens der holländischen, aber auch amerikanischen und spanischen Seed Banks nur wenige Releases reiner Outdoor-Sorten. Von Autoflowering-Sorten sei hier einmal abgesehen, denn diese sind generell als Allrounder konzipiert und nicht speziell fürs Freiland entwickelt worden. Viele Auto-Sorten neigen draußen auch zu Schimmelbefall. Aber selbst wenn der Schimmel ausbleibt, haben Grower in hiesigen Breitengraden in der Regel nicht besonders viel Freude an Autos im Freiland, denn sie performen dort einfach nicht optimal, bringen nicht genügend Qualität und Ertrag. Auto-Versionen von klassischen Outdoor-Strains können hier zwar ein Ausweg sein, sie leisten aber nichts originär Neues, sondern stellen lediglich eine Spielart bereits etablierter Freilandsorten dar.