Seit Anfang des Jahres ist es amtlich: Die Bundesrepublik Deutschland wird den Anbau von medizinischem Cannabis regulieren und überwachen. Details soll eine noch zu gründende Cannabis-Agentur regeln, die als Teil des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anbau, Vertrieb und Verkauf von Medi-Weed erst ausschreiben und dann regulieren und überwachen soll.

Wenigstens versucht sich das Bundesgesundheitsministerium nicht selbst im Growen. Was bei solchen Versuchen herauskommt, hat man in Kanada gesehen: Das staatlich angebaute Gras war so mies, dass sich die Patienten lieber auf dem Schwarzmarkt versorgt haben, als die schlecht gegrowte Grütze zu rauchen. In Deutschland sollen, ähnlich wie seit dem Scheitern des Staats-Grases in Kanada, Medizinal-Hanfblüten von privaten Firmen angebaut werden. Details darüber, wann, wo, wie oder von wem angebaut wird, sind derzeit nicht bekannt. Das liegt daran, dass die Bundesregierung im Prinzip aufgrund von immer mehr Patienten-Klagen diesen Schritt nicht freiwillig und von langer Hand geplant, sondern überstürzt und mit dem primären Ziel vollzieht, den Eigenanbau zu verhindern. Der wäre Günther Weiglein und den anderen klagenden Patienten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bald in höchster Instanz gestattet worden – hätte die Bundesregierung nicht den neuen Gesetzesentwurf aus dem Hut gezaubert, der eine Regelversorgung anerkannter Patienten mit Cannabis-Blüten vorsieht. Bei genauem Hinsehen wird jedoch eines klar: Die Bundesregierung hat keinen Plan, wie das mit dem Grasanbau funktionieren könnte. Deshalb soll auch so schnell wie möglich „outgesourced“ werden. Der Anbau und Vertrieb geht an Firmen, die sich zu diesem Zweck wahrscheinlich ab Mitte 2016 bei der Bonner Behörde bewerben können, verkauft wird weiterhin über die Apotheken. Schaut man in andere EU-Länder, die sich zu einem ähnlichen Schritt entschlossen haben, fällt immer wieder der Name Bedrocan. Italien und Tschechien greifen bei ihren Programmen ausschließlich auf das Wissen der Niederländer zurück, eigene Patienten-Initiativen mit praktischem und theoretischem Wissen über den Anbau von Medizinal-Hanfblüten werden bislang nicht involviert. Doch Bedrocan ist eine kleine Firma, die 2015 ihre Produktionskapazität verdreifacht hat.