Auch für Cannabis-Patienten ist der Anbau ihrer Medizin illegal – keine Frage. Trotz des positiven Urteils des Bundesverwaltungsgerichts im April 2016 dürfen auch anerkannte Cannabis-Patienten kein Gras anbauen, wenn sie sich die teure Medizin nicht leisten können. Derzeit liegen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über 130 Anträge auf Eigenanbau vor, von denen nichtmal der von Michael F. bislang genehmigt wurde. Doch sein Antrag muss laut Bundesverwaltungsgericht bald genehmigt werden. Die Indikationen der anderen Antragsteller reichen von Krebs, chronischen Schmerzen und AIDS über ADHS bis hin zu Morbus Crohn- oder Glaukom-Patienten, um nur einige zu nennen. Trotz der regelmäßigen Niederlagen vor Gericht hat es das Bundesgesundheitsministerium bis heute versäumt, Cannabis-Patienten eine Alternative zu Bedrocan-Blüten anzubieten, was dazu führt, dass immer mehr Menschen ihre Medizin einfach selbst anbauen.

Der unerschwingliche Preis und die ständigen Versorgungsengpässe lassen keine Regelversorgung der derzeit knapp 650 Patienten zu und so zwingen die längst überfälligen Genehmigungen zum Eigenanbau immer mehr Patienten in die Illegalität. Karsten*, der seine Medizinalhanfblüten detailverliebt und mit viel Hingabe anpflanzt, ist einer von Ihnen. Der gelernte Elektroniker ist 36 Jahre alt und leidet seit seinem 15. Lebensjahr an Morbus Crohn, einer chronischen Darmentzündung. Ich besuche Karsten jetzt schon zum zweiten Mal, um seine Mini-Box zu inspizieren. Nachdem er mir beim ersten Besuch stolz seinen ersten Mini-Grow mit sechs Critical Bilbo präsentiert hatte, hat sich mein Gastgeber mit zwei WxP (The White x Mandala Purple#1), einer Critical Bilbo und drei Lemon Haze schon ein wenig mehr zugetraut als noch zu seinen Anfangszeiten. Bevor wir uns seine Box anschauen, bitte ich Karsten, Lesern noch einmal kurz seine Beweggründe, Gras zu Hause zu züchten, zu erläutern.