Cannabis hilft immer mehr Menschen dabei, mit chronischen Leiden zu leben, ohne Einschränkungen der Lebensqualität oder störende Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Doch in Deutschland kann man leider nicht einfach zum Arzt gehen und sagen: „Ich nehme seit zehn Jahren Cannabis gegen Leiden XY, bitte verschreiben Sie mir das jetzt.“ Selbst die Verordnung von Fertigpräparaten wie Dronabinol oder Sativex ist nicht gerade einfach, bei echten Cannabisblüten ist das noch ein wenig komplizierter. Hierfür muss der Patient mit seinem begleitenden Arzt einen Antrag bei der Bundesopiumstelle einreichen. Bislang scheuen viele Ärzte den Verwaltungsakt oder fürchten um ihren guten Ruf. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und so haben es bereits über 800 Menschen geschafft, eine Ausnahmegenehmigung zur Selbsttherapie mit niederländischem Apotheken-Gras zu erhalten. Unsere Autoren Max und Micha haben beide eine „Lizenz zum Kiffen“ und werden Euch das reichlich komplizierte Thema „Cannabis und Medizin“ ein wenig näher bringen und vor allem Fragen zum Thema „Medizinalhanfblüten“ beantworten. Wenn Ihr also Fragen habt, schreibt einfach an redaktion@thcene.com. Die Autoren können allerdings nicht die Rolle Eures Arztes übernehmen und werden an dieser Stelle keine medizinischen Fachfragen beantworten.

Daniel (27) aus Waldshut will wissen: Ich habe auf der Schweizer Hanfmesse neulich CBD-Gras zur medizinischen Anwendung gekauft. Weil ich mir nicht sicher war, ob das in Deutschland legal ist, habe ich es lieber in der Schweiz komplett „vernichtet“. Hätte ich es mitnehmen dürfen?

Micha: Die beliebteste Sorte auf der Messe hatte 0,9 Prozent THC und ist somit in Deutschland zu 100% illegal. Ein Anbieter hat aber auch eine CBD-reiche Sorte mit 0,3 Prozent THC angeboten. Die wäre theoretisch in Deutschland legal, aber ich würde es sicher nicht darauf ankommen lassen. Mit einem Zöllner in eurer Gegend kann man darüber nicht diskutieren und bei kleinen Mengen sparen die sich eine Analyse sowieso. Da kommt dann ein Strafbefehl aufgrund einer geringen Menge Cannabis – egal ob THC- oder CBD-Gras. Anders sähe es aus, wenn die Schweizer Firma es schaffen würde, die Sorten mit maximal 0,3 Prozent THC legal nach Deutschland zu importieren. Aber davon sind wir noch weit entfernt, im Gegenteil. Es gibt immer wieder Händler, die in Deutschland wegen Nutzhanfprodukten vor Gericht erscheinen müssen. Die Schweiz ist in Sachen Industriehanf weitaus toleranter und lässt sogar alles bis zu einem Prozent THC als Nutzhanf gelten, in der EU sind es nur 0,2-0,3 Prozent. Du hast es also richtig gemacht und Deine Bestände vor der Grenze vernichtet.