Es ist schon bezeichnend für die aktuelle Praxis der deutschen Drogenpolitik, wenn eine „Fachkraft für Suchtprävention“ durchaus Potential in Cannabis als Ausstiegsdroge für Schwerstabhängige sieht, darüber mit uns aber nur anonym sprechen will. Wir respektieren natürlich diesen Wunsch und freuen uns einfach, dass dieses überaus interessante Gespräch überhaupt zustande gekommen ist.

Wie bist du zu einer „Fachkraft für Suchtprävention“ geworden?

Ich bin vor einigen Jahren aus meiner Heimatstadt weggegangen, um mich in den Bergen zu erholen – und um einen neuen Weg einzuschlagen. An einer privaten Heilpraktiker-Schule habe ich dann eine Ausbildung zum psychologischen Berater abgeschlossen. An dieser Schule habe ich viele neue und sehr interessante Erkenntnisse gesammelt – die Weiterbildung zur Fachkraft für Suchtprävention, auch „Suchtberater“ genannt, habe ich dann einige Wochen später begonnen. Mein Interesse wurde geweckt, nachdem ich eine eigene Drogenkarriere, Alkoholprobleme, Therapie und auch eine Haftzeit hinter mir gelassen hatte. Das Pflegerische, Erzieherische war ja mein Beruf und ich hatte schon gute Arbeit mit jungen Menschen verrichtet. Die therapeutische Schiene war dann meine Möglichkeit, die Zulassung zurückzuerhalten und meine Fähigkeiten weiter beruflich nutzen zu dürfen. Das habe ich gemacht. Seit einigen Jahren leite ich nun erfolgreich eine soziale Jugendhilfe-Einrichtung, die auch aktiv Suchtprävention betreibt.

Und wie verlief zuvor deine sogenannte Drogenkarriere?

Eigene Drogenerfahrungen habe ich bereits sehr früh gesammelt – angefangen mit Alkohol, der mich von allen Drogen am längsten begleitet hat. Dem Alkohol habe ich dann auch abgeschworen, aber das habe ich nur geschafft, indem ich mich zwei Jahre lang selbst medikamentös mit Cannabis behandelt und meinen Ausstieg quasi selbst begleitet habe. Etwa zehn Jahre zuvor hatte ich das letzte Mal Haschisch als Genussmittel geraucht – auch damals schon hatte es nach einer langen Ecstasy-, Amphetamin- und Kokain-Zeit als begleitende Substanz eine wichtige Rolle gespielt, denn es half mir, wieder clean zu werden. Mittlerweile rauche ich nur noch selten, zur Entspannung im Urlaub und selten auch mal als Ersatzmedikament – wobei ich hier wirklich auf den medizinischen Nutzen achte und nicht auf die Höhe des THC-Gehalts.