Ich weiß, dass Sie jegliche Aufmerksamkeit grundsätzlich geil finden. Nicht nur bei Bestätigung, sondern auch bei Gegenwind. Sogar, wenn Ihnen Shitstorm und Empörungsorkan volles Pfund in die Fresse brettern, geht Ihnen so richtig einer ab. Wissen Sie doch ganz genau, dass auch negative Werbung besser ist als gar keine. Und deswegen haben ja auch Sie und Ihre Kameraden von der AfD für das Wahljahr 2017 das Motto ausgegeben: Provokation bis zum Anschlag!

Wobei Anschlag normalerweise hier das unpassende Wort wäre. Im Fall Ihrer AfD ist es aber sogar das einzig zutreffende. Denn wer, wie Sie und Ihresgleichen, 5 Minuten nach einem Terrorangriff nichts wichtigeres zu tun hat, als Hetze gegen Minderheiten zu twittern, dem ist die Wahlurne näher, als die Särge der Opfer.

Nicht, dass wir uns missverstehen, natürlich ist vieles an unserer Regierung kritikwürdig und die Situation in unserem Land ist auch durchaus geeignet, sich Sorgen zu machen. Aber Bürger, die sich Sorgen machen, nehmen an Diskussionen teil, liefern Argumente und machen Lösungsvorschläge. Sie hingegen liefern lediglich die Zutaten, die es braucht, um die Volksseele zum Kochen zu bringen. Denn Sie wissen ganz genau, immer wenn die Volksseele kocht, gibt es nur noch einen Menüpunkt auf der Speisekarte: Abgestandene Sülze von gestern mit brauner Sauce.

Das widerliche ist, dass Ihre aufmerksamkeitsheischende Strategie aufgeht und die gesamte Medienlandschaft Ihre werbeträchtigen Provokationen thematisiert. Und so komm auch ich nicht umhin, zu Ihrer Dresdner Rede noch etwas sagen zu müssen. Denn ich bin richtig sauer auf Sie. Aber so richtig. Und das aus Gründen.

Seit einem knappen halben Jahr spiele ich nämlich mein neues Programm „Menschliche Intelligenz“, und habe im zweiten Teil eine Nummer, die sich mit Ihrem berühmt-berüchtigten Vortrag zum afrikanischen Ausbreitungstyp beschäftigt. Und weil da irgend so ‘ne Jury von irgend so ’nem Kleinkunstpreis mal behauptet hat, ich sei investigativ, habe ich mir auch richtig Mühe gegeben und es eben nicht dabei belassen, Sie mit Spott und Häme zu überschütten und einfach nur zu beleidigen, sondern ich habe diesen Vortrag analysiert und bei Wissenschaftlern und Biologen recherchiert.

Mit dem Ergebnis, dass eine 10-minütige Nummer entstanden ist, die sowohl Ihren geschickt getarnten Rassismus, als auch Ihren menschenverachtenden Mentalmüll im Detail belegen kann. Zu Beginn habe ich Sie nämlich einfach nur wörtlich zitiert:

„In Afrika herrscht die sogenannte r-Strategie vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte Ausbreitungstyp. Und in Europa verfolgt man überwiegend die K-Strategie, die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte. Hier lebt der Platzhaltertyp. Der Bevölkerungsüberschuss Afrikas beträgt etwa 30 Millionen Menschen im Jahr. Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern. Die Länder Afrikas, sie brauchen die europäische Grenze, um zu einer ökologisch nachhaltigen Bevölkerungspolitik zu finden.“

Und danach habe ich Ihr Geschwafelt analysiert:

Was der Höcke damit sagen wollte:

„Der Afrikaner zeugt viele Nachkommen. Der Europäer zeugt wenig Nachkommen. Wenn der Europäer seine Grenzen nicht dicht macht, wird der Afrikaner weiter viele Nachkommen zeugen.“

Höcke selber ist übrigens Vater von vier Kindern. Also eine Zeugungsquote, nach dem vierten Kind hat er erst mal in den Spiegel geguckt und seine Hautfarbe überprüft.

Jetzt kann man natürlich hingehen und sagen: „Das, was der Höcke da sagt, ist Rassismus.“ Aber dann muss man es natürlich auch aushalten, wenn man als Antwort zu hören bekommt: „Stimmt.“

Und dann kann man natürlich hingehen und sagen: „Und deswegen setze ich mich mit dem Höcke seinem Schwachsinn gar nicht erst auseinander.“

Wie es ja viele Politiker der etablierten Parteien gerne tun. „Mit dem setz ich mich nicht in eine Talk-Show.“ Aber dann muss man es natürlich aushalten, wenn man als Antwort zu hören bekommt: „Wahrscheinlich, weil er recht hat.“

Und spätestens dann sollte man sich nicht wundern, wenn die AfD zweistellige Wahlergebnisse erzielt.