Über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten bildete die Hausapotheke das Fundament der medizinischen Grundversorgung. Ausgebildete Ärzte und Heiler waren damals rar und häufig nur schwer zu erreichen. Sie wurden meist nur dann um Hilfe gebeten, wenn eine Person schwerwiegend oder lebensbedrohlich erkrankt war, nicht aber bei harmlosen Erkältungssymptomen, leichten Verletzungen und anderen Gebrechen des Alltags. Dafür haben unsere Vorfahren auf uraltes Erfahrungswissen und die Heilkraft von Mutter Natur vertraut. Ausgewählte Heilpflanzen wurden rituell und zu vorgeschriebener Zeit gesammelt, schonend getrocknet und zerkleinert, gegebenenfalls zu einer Tinktur, einer Salbe oder einem anderen Produkt weiterverarbeitet, gut sortiert im hauseigenen Medizinschrank aufbewahrt und bei Bedarf zielgerichtet angewendet.

Vorab ein Hinweis: Ich bin Sozialwissenschaftler, Pflanzenpädagoge und Ethnobotaniker,  kein Arzt oder Mediziner. Ich schildere in diesem Artikel die volksmedizinische Verwendung ausgewählter Heilpflanzen sowie einen Ausschnitt persönlicher Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre mit diesen Gewächsen sammeln durfte. Eine Garantie für eine mit Heilerfolgen einhergehende Wirksamkeit der beschriebenen Pflanzen kann ich nicht geben; was im Übrigen auch kein anderer kann. Weiterhin sollte klar sein, dass eine Selbstmedikation mit bewährten pflanzlichen Hausmitteln – gleich, ob als therapeutische Akut- oder als vitalisierende Präventionsmaßnahme zur Anregung des Selbstheilungspotenzials – generell natürlich eine sehr gute Idee sein kann, die je nach Erkrankung oder Verletzung in so manchen Fällen auch schon ausreicht. Bei andauernden Beschwerden ersetzt sie allerdings niemals die Konsultation eines fachkundigen Mediziners!