Seit Anfang der 90er Jahre zieht es Ende August immer mehr Menschen in die lebensfeindliche Black Rock Wüste in Nevada (USA). Aus dem Nichts entsteht hier die „Black Rock City“ – eine Stadt, in der Kreativität, Vielfalt und das Leben selbst exzessiv gefeiert werden. Nach einer Woche verschwindet das Ganze wie eine Fata Morgana – ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen…

1986 zog es den damals unter starkem Liebeskummer leidenden Burning-Man-Begründer Larry Harvey und eine Gruppe von 30 Freunden an den Baker Beach in San Francisco, wo sie zum ersten Mal eine selbstgebaute, zwei Meter hohe Holzfigur verbrannten.

“Als ‚The Man‘ brannte, kamen Leute aus allen Richtungen angerannt und versammelten sich um das Feuer. In dem Moment, als ich mich so umsah und in die Gesichter der anderen Menschen um mich herum schaute, ihr breites Lächeln sah und wie sich die Flammen in ihren leuchtenden Augen widerspiegelten, da wusste ich instinktiv, dass wir etwas Magisches begonnen hatten” erinnert sich Harvey an diesen schicksalshaften Tag vor über 30 Jahren.

Die Teilnehmerzahlen nahmen von da an jährlich zu – und die Holzfigur wurde mit jeder Veranstaltung größer – bis 1990 das Verbrennen der Statue verboten wurde und man sich gezwungen sah, einen neuen Ort für das Event zu finden. Und wo zieht man hin, wenn es am Strand zu eng wird?

Natürlich in die Wüste.

Larry Harvey hatte zuvor an einer Veranstaltung in der Black Rock Wüste in der Nähe des Städtchens Gerlach im Nachbarstaat Nevada teilgenommen und zeigte sich schwer beeindruckt von diesem surrealen Ort: “Die unendliche Leere der Wüste – dieser grenzenlose Ozean aus Sand – erfüllte mich mit etwas Einzigartigem, etwas Magischem.”

Am 30. September 1990 lud die Truppe den (mittlerweile 12 Meter hohen) Holzmann in Einzelteile zerlegt auf einen Sattelschlepper und pilgerte in einem Konvoi – bestehend aus Wohnwagen, Wohnmobilen und vielen Autos – in das Black Rock Desert. Man kann sagen, dass dieser Zeitpunkt die eigentliche Geburtsstunde der „Burning Man Kultur“ (wie sie heute existiert) darstellt. Der Umzug von der Stadt in die lebensfeindliche Wüste war eine Pilgerfahrt für die Gemeinschaft, die damals hauptsächlich aus ein paar hundert schrägen Vögeln und Künstlern bestand und diese mit Energie und Zusammenhalt erfüllte. Zum ersten Mal blieben ca. 100 Teilnehmer über mehrere Tage in der Black Rock Wüste, wo eine kleine Stadt aus Wohnwagen und Zelten entstand. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft.

“Im Black Rock Desert haben ’The Man‘ und wir unser wahres Zuhause gefunden. Die Wüste ist ein Ort, in dem gesellschaftliche Normen und Zwänge nicht bestehen. Es ist eine leere Leinwand, auf der durch die rohe Energie von Kreativität und Freiheit alles möglich wird. Ich zog eine Linie in den Sand und sagte zu mir selbst: ‚Hinter dieser Linie wird alles anders sein‘ – und so war es und ist es seit dem” sagt Harvey.

Durch Fernsehberichte und das Internet verbreitete sich die Nachricht von “der größten und verrücktesten Party des Planeten” in den 90er Jahren um die ganze Welt und die Teilnehmerzahlen verdoppelten sich mit jedem neuen Jahr. Was einst mit 30 Leuten angefangen hatte, entwickelte sich zu einem Event mit inzwischen 70.000 Teilnehmern aus allen Teilen der Welt.