Künstler – RAF-Mitglied – Künstler. Einmal hin und zurück. Ein Leben, wie es im Buche steht. Eigentlich wollte er mit dem letzten Zug nur noch raus aus Amsterdam. Aber der Dealer war mit dem Dope noch nicht da. Dann hat ihn der Joint umgehauen und der Zug war weg. Was folgte, war eine bewaffnete Auseinandersetzung mit der niederländischen Polizei. Schüsse fielen, eine Handgranate flog. Getötet wurde zum Glück niemand. Heute ist er mit dem Polizisten befreundet, den er beinahe erschossen hätte. Wenn er seinen einstigen Feind mit seinem Sohn spielen sieht, kommen ihm die Tränen. Ein Interview über das Leben, die Kunst, die Revolution und das Kiffen.

Dein neues Buch aus dem Retap Verlag trägt den vielsagenden Titel Selbstentführung. Was bedeutet der Titel genau? Und um welche Art von Buch handelt es sich?

Die Idee für den Titel hatte mein Lektor. Ein wirklich gelungener Vorschlag. Das Buch dreht sich um den Trip meines Freundes Ebby und mir nach Mali. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Gegenden wie Mauretanien, wo gerne Weiße entführt werden. Aber uns beide älteren Semester mit unserem alten LKW wollte natürlich niemand entführen. Wir kamen auf die Idee, eine Entführung durch die Tuareg vorzutäuschen, von der Bundesregierung das Lösegeld zu kassieren und es mit unseren „Entführern“ zu teilen. Dann haben wir aber befürchtet, dass die uns über den Tisch ziehen und das ganze Lösegeld behalten würden. Selbstentführung ist ein Reisebericht, der den Rahmen für Geschichten bietet. Aber keine der Geschichten wird wirklich fertig erzählt. Denn es kommen immer Pausen wie Grenz- und Polizeikontrollen sowie Schmiergelder oder ähnliches. Ebby und ich kiffen unglaublich viel in dem Buch. Das war auch tatsächlich so. Außerdem stellt Selbstentführung die geradezu verbrecherische Entwicklungspolitik in Afrika dar. Es handelt von den kaum überbrückbaren Welten zwischen Schwarzen und Weißen. In reflektierender Weise ist Selbstentführung auch ein Entwicklungsroman. Es sind noch zwei weitere Bände geplant, um die Trilogie zu vollenden. Das Ganze soll ein Denkmal für meinen leider 2010 verstorbenen Freund Ebby sein.