Rotterdam ist Moderne pur. Bauhaus-Stil und Brutalismus prägen das architektonische Angesicht der Stadt. Aber auch viele Coffeeshops sind anders als in den restlichen Niederlanden. Die meisten bieten Gras und Hasch nur zum Verkauf an. Gemütliches Beisammensein und ein Kaffee zum Joint? Meistens Fehlanzeige.

Es ist genau 10.05 Uhr. Der „Coffeeshop’t Centrum“ in der Van Oldenbarneveltstraat 154b hat erst vor wenigen Minuten seine Pforten für die Kundschaft geöffnet. Das kann ein guter Zeitpunkt für einen Reporter sein, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen – oder auch der denkbar schlechteste. Der Typ mit der blauen “New York Yankees“-Kappe sieht so aus, als ob er gerade sein Frühstück zu sich nimmt. Luuk ist gut 1,90 Meter groß, blond und sehr bleich. Ein paar Zähne fehlen. Seufzend stellt er seinen überdimensionalen Kaffeebecher auf den kleinen Holztresen, studiert meine Visitenkarte und nimmt einen tüchtigen Zug aus seinem potent riechenden Monster-Joint. „Ja“, sagt er dann nach einer Weile mit einer rauen, verrauchten Stimme, „die Situation in Rotterdam ist nicht mehr so einfach, wie sie es einmal war. Früher hatten wir hier viel mehr Coffeeshops. Alleine in meiner direkten Nachbarschaft gab es acht Coffeeshops, heute ist nur noch einer übrig geblieben.“  Während er ein wenig den guten, alten Zeiten hinterher trauert, möchte ich wissen, wieso die Coffeeshops in Rotterdam verschwinden. „Ja, das ist eine schwierige Geschichte“, antwortet mein Gegenüber. „Der Bürgermeister ist kein besonderer Freund von Coffeeshops. Der hat was gegen Gras und Haschisch. Das ist ein großes Problem. Denn er kann bestimmen, ob ein Coffeeshop offen bleibt oder geschlossen wird. Von heute auf morgen.“ „Auf welcher Grundlage?“, hake ich nach. „Da gibt es keine Grundlage. Wir sind quasi nur „geduldet“. Und wenn es dem Bürgermeister ins Konzept passt, dann kann er uns zumachen. Einfach so, von einem Tag auf den anderen. Ohne besonderen Grund.“ „Da muss es aber doch einen formal-juristischen Anlass geben, oder?“ Unwirsch winkt er mit der Tüte ab und nimmt einen weiteren Zug. Eins ist klar, der Typ hat seinen Traumjob gefunden. Während ich noch mit den Nachwirkungen des letzten Abends kämpfe, marschiert er schon wieder ganz weit vorne mit. „Anlass? Da reicht es schon, dass der Bürgersteig verschmutzt ist. Oder dass ein Auto für zwei Minuten auf dem Gehweg vor unserem Laden hält. Oder dass die Kunden abends und in der Nacht zu laut sind und die Nachbarn stören. Das hat mit einem konkreten Anlass nichts zu tun. Das ist absolute Willkürherrschaft.“ Diesen Argumenten kann man sich natürlich nur schwer verschließen.