Wir alle erleben auch mal Niederlagen – doch viel lieber sprechen wir über unsere Erfolge, denn das Scheitern ist immer noch eines der größten gesellschaftlichen Tabus. Dabei lässt sich aus Niederlagen oft viel mehr lernen als aus Siegen und so manche Niederlage erweist sich im Nachhinein als Initialzündung für spätere Erfolge. Wir widmen uns daher heute einmal der mittlerweile viel gepriesenen „Kunst“ des Scheiterns.

„Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ – wer das schon mal gesagt oder gedacht hat, der kennt sicherlich auch die größeren oder kleineren Niederlagen des Alltags. Denn eigentlich ist Scheitern etwas ganz normales und alltägliches. Man muss ja nicht immer so grandios scheitern wie Don Quijote, die Titanic oder die Luftschifffahrt…

Da wir uns unsere Wunden lieber im Stillen lecken, bekommt meist kaum jemand etwas mit, wenn es bei uns mal nicht so rund läuft. Doch manchmal lässt sich das persönliche Scheitern auch nicht verheimlichen, vor allem, wenn man pleite ist. Und so ist die in unseren Breiten wohl verbreitetste Form des öffentlichen Scheiterns der Offenbarungseid.

Wenn man – privat oder mit dem eigenen Geschäft – nicht mehr zahlungsfähig ist, bleibt oft nur noch ein Insolvenzverfahren. So hat man immerhin die Möglichkeit, seine Schulden nach spätestens sechs Jahren loszuwerden – wenn man richtig viel Schulden gemacht hat, kann sich das richtig „lohnen“. Insofern liegt hier in der Krise auch eine Chance. Allerdings ist so eine Insolvenz auch die amtliche Beurkundung des finanziellen Scheiterns – und die scheuen viele, auch wenn sie manchmal die vernünftigste Option darstellt. Schließlich gilt man in der Insolvenz nicht mehr als kreditwürdig und so kann man z.B. auch keinen Mietvertrag mehr angeboten bekommen. Auch auf Kreditkarten, Internet-Shopping oder einen Telefonanschluss muss man dann verzichten. Zudem wird meist ein völlig Fremder zum Insolvenzverwalter bestimmt und entscheidet fortan über das Leben des finanziell Gescheiterten – und das nicht immer in seinem Sinne. Doch anstatt gegen diese Ungerechtigkeiten vorzugehen, schämen sich viele Menschen ihrer persönlichen Tiefschläge und isolieren sich zunehmend. Manche landen irgendwann bei privaten Selbsthilfegruppen – eine der bekanntesten Gruppen sind „Die anonymen Insolvenzler“. Schon in 15 deutschen Städten hat diese Gruppe Anlaufstellen für Tausende Menschen in der Privatinsolvenz geschaffen, die fachmännischen Rat suchen.

Heute definiert sich Erfolg vor allem durch Geld, Status und Machtpositionen – über die vermeintlichen Gewinner in diesem Spiel informiert uns die Klatschpresse ausführlich und ausdauernd. Währenddessen scheitern tagtäglich viele Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, von denen wir nichts oder nur kaum etwas mitkriegen – bis es uns dann plötzlich selbst erwischt. Diese Möglichkeit ist real und sollte uns vor allem eines lehren: Empathie für Gescheiterte, denn mit etwas Hilfe wird aus jeder Krise auch eine neue Chance entstehen. Und Fehler machen wir ja alle mal – nicht jedes Mal folgt darauf die große Krise, doch manchmal hat man es einfach nicht mehr selbst im Griff. Und rutscht man dann vielleicht sogar unverschuldet in die Insolvenz, bleibt immer der gesellschaftliche Makel des Versagers an einem haften und bremst einen erstmal gehörig aus. Insolvenzverwalter inklusive.