Der Monat April des Jahres 1999 war in den Kalendern der holländischen Cannabis-Samenbanken rot markiert. Wären ihre Geschäfte an der Börse als Aktienkurse notiert gewesen, so hätte es einen sturzartigen Breakdown gegeben. Denn am 21. April 1999 wurde in den Niederlanden der Cannabisanbau zum Zwecke der Samengewinnung verboten und somit der Lebensnerv der NL-Seedbanks empfindlich getroffen. Zwar blieb der Verkauf von Drogenhanf-Saatgut nach wie vor legal, doch nun herrschte bei den Samen der gleiche schizophrene Zustand wie schon seit den 70er Jahren bei den Endprodukten Cannabis und Haschisch: Kaufen konnte man sie, doch produziert werden durfte sie laut Gesetz nicht.

Ja, die Cannabis-Sortenzüchter aus dem Deichland steuerten damals in schwierigem Fahrwasser – bereits ein Jahr zuvor, im Februar 1998, war in Deutschland der Handel mit und der Besitz von potenten Hanfsamen verboten worden – eine der letzten Übeltaten der dahinsiechenden CDU-Regierung unter Dauerkanzler Kohl – welche den NL-Seedbanks ihren wichtigsten nationalen Absatzmarkt zu großen Teilen geraubt hatte: Da sie in Holland selbst im Durchschnitt nur 20-30% ihres Umsatzes erwirtschafteten, weil Home- und Kommerzgrower dort hauptsächlich mit Stecklingen arbeiteten (und immer noch arbeiten), machte das europäische Geschäft den Hauptanteil des Umsatzes aus, und hier wiederum war Deutschland der mit Abstand größte Markt. Viele Samenbanken verschickten danach zwar weiterhin Samen nach Deutschland, doch die Zahl der Bestellungen ging natürlich drastisch zurück. Und nun also auch noch das Samenproduktionsverbot im eigenen Land – die betroffenen Saatgut-Firmen mussten sich etwas einfallen lassen, um ihr Überleben zu sichern.