Süßes wollen Kinder nicht nur zu Halloween – sie wollen es am liebsten immer und auch Erwachsene verbinden damit Freude und verschenken es mit Liebe zu allen möglichen Anlässen. Wenn dann einer daherkommt und Zucker „Gift“ nennt, dann irritiert uns das natürlich, denn wer will seinen Lieben schon Gift geschenkt haben? Wir wollen Zucker hier nicht zu einem Gift erklären, obwohl es nach Paracelsus ja die Menge ist, die das Gift macht. Und genau darum geht es: um zu viel Zucker – denn der kostet immer noch unzählige Leben.

Über 40 Jahre lang haben uns die staatlichen Gesundheitsbehörden gesagt, wir sollen uns besser ernähren. Ihre Warnungen stützen sich stets auf angesehene Ernährungswissenschaftler, die uns gerne erklären, dass wir nicht mehr so viele gesättigte Fette und Cholesterin essen dürfen, wenn wir dauerhaft gesund bleiben wollen. Also haben wir uns daran gehalten – jedenfalls zu großen Teilen in den westlichen Industriestaaten. Steaks und Buletten haben viele von uns durch Nudeln und Reis ersetzt, Frühstückseier durch Müsli, Butter durch Margarine und pflanzliche Öle. Doch anstatt gesünder zu werden, wurden wir oft sogar noch dicker und kranker. Erst in jüngster Zeit häufen sich wieder mediale Warnungen vor zu viel Zucker – allerdings ohne dass sich die Regierungsverantwortlichen hier bisher zu irgendwelchen Maßnahmen wie z.B. einer höheren Besteuerung verpflichtet hätten.

In den letzten fünf Jahrzehnten stieg die zuvor recht stabile Zahl von Fettleibigen vor allem in Amerika und Großbritannien dramatisch an – doch auch in anderen Ländern war dieser Trend zunehmend zu beobachten. Erstmals in der Geschichte der Menschheit gibt es auf der Erde heute mehr Übergewichtige als Unterernährte. Auch viele Erkrankungen, die unmittelbar mit einem deutlich zu hohen Gewicht zu tun haben, nehmen stetig zu. Dabei war diese Katastrophe durchaus vorhersehbar.

Sie hätte sogar verhindert werden können, hätten man nicht auf die arroganten und kurzsichtigen Thesen einiger vermeintlicher „Experten“ gehört, sondern auf den Londoner Ernährungswissenschaftler John Yudkin, der schon 1972 in seinem Buch Pur, weiß und tödlich eindringlich vor Zucker warnte: „Würde nur ein Bruchteil dessen, was wir über die Folgen von Zucker wissen, über irgendein anderes Lebensmittel bekannt, man würde es sofort verbieten.“

Tatsächlich wurde Anfang der 70er Jahre in den USA sogar über Zucker-Warnhinweise auf Frühstücksflocken-Verpackungen diskutiert und auch über einen allgemein gültigen Grenzwert für Zuckerzusätze in Nahrungsmitteln. Die Zuckerbranche hatte längst begriffen, dass es um ihre hohen Gewinne geht und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Der damalige Vorsitzende des US-amerikanischen Zuckerverbands, J.W. Tatem, warnte seine Branche schon 1969: „Widersprecht, oder ihr werdet per Gesetz um die Existenz gebracht!”