Soll man mit Kindern über Drogen sprechen? Diese Frage ereilt mich in meiner Funktion als Experte für psychotrope Substanzen annähernd wöchentlich – meist von Eltern, die ein akzeptanzorientiertes Verhältnis zu Drogen haben und sich nicht sicher sind, ob es eine gute Idee ist, den Sprösslingen ehrliche Aufklärung angedeihen zu lassen. Immerhin ist es in dieser Gesellschaft ein Wagnis, ehrlich zu sein, wenn es um berauschende Stoffe geht, denn was wir innerhalb der uns umgebenden sozialen Strukturen in dieser Hinsicht erleben, ist die pure Bigotterie, Doppelmoral und – man muss es so sagen, wie es ist – Verlogenheit par excellence. Der auf dem Pausenhof Zigaretten rauchende und auf Klassenfahrt Alkohol trinkende Lehrer erklärt den Kindern, wie schlimm es doch sei, „den Drogen“ zu verfallen. Dass ein solches Verhalten gerade den noch wenig konditionierten Kindern schleierhaft sein muss, ist vollkommen logisch. Wir sind in dieser Sache einfach nicht ehrlich – weder zu uns selbst und schon gar nicht gegenüber unserem Nachwuchs.