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Die Wiederauferstehung des Tigers: Tiger Style von Dope Seeds

Schon so mancher Grow war ein Auf und Ab der Gefühle – auch wenn sich manche Dramen wiederholen. So ist mir schon zweimal eine Jungpflanze einfach umgekippt und infolge eingegangen. Diesmal machte ich mit Tiger Style aber eine andere Erfahrung: der „Tiger“ kämpfte sich wieder nach oben…

Die kleine aber feine deutsche Cannabissamen-Schmiede Dope Seeds schreibt auf ihrer Webseite über ihre Sorte Tiger Style: „Die Pflanzen sind sehr einfach anzubauen, wachsen und harzen wie Mimosa, produzieren Blüten mit einem psychedelischen Up High und einem einzigartigen Geschmack nach fruchtiger Orange und Lavendel.“

Am 23. Juni kam der Samen ins Wasserglas zum Vorkeimen, der sich vorbildlich nach einem Tag öffnete. Da ich in der Erde wieder winzige Krabbelviecher entdeckte und mir die letzte Pflanze eingegangen war, wollte ich auf Nummer sicher gehen und wechselte die Erde, bevor ich den Samen einpflanzte. 

Da Sommer war und die Sonne durch’s Fenster kam, stellte ich den Topf zunächst ans Fenster – warum im Sommer Strom verschwenden, wenn der Keimling ja eh nur Orientierungslicht braucht? 

Schon nach drei Tagen hatte sich ein langer dünner Sämling gebildet, der aber seine  Keimblätter nicht öffnete. Mit einer Höhe von vier Zentimetern kam er nun in den Schrank unter zunächst nur 50 Watt LED-Licht. Da sich auch im Schrank die Keimblätter nicht öffnen wollten, sprühte ich das Köpfchen mit Wasser ein und half ich vorsichtig mit einer Pinzette nach. Danach schien alles perfekt zu sein.

Ende Juni begann ich damit, auch mal kleinste Mengen Rhizotonic von Canna mit ins CalMag-Wasser zu mischen. Außerdem richtete ich einen Ventilator auf das junge Pflänzchen, damit es einen kräftigen Stamm ausbildet. 

Am 4. Juli schaltete ich dann die zweite 50-Watt-LED-Leuchte mit maximalem Delay (vorne und hinten 4 Stunden) dazu und staunte, wie schnell in den darauffolgenden Tagen eine kleine „Hanf-Palme“ entstand, die mir dann aber kurz vor unserem lange geplanten Urlaub umkippte.

Vielleicht ja, weil sie zuvor so ein langer dünner Sämling war? Hätte ich sie lieber doch nicht ans Fenster stellen sollen? Denn sich so direkt nach der Erdgeburt erstmal langzulegen, war ja sicherlich kein „Tiger Style“…

Ich improvisierte und versuchte, die umgefallene Pflanze mit einem Zollstock zu stabilisieren, bevor ich mich in den dreiwöchigen Urlaub verabschiedete und nur noch aufs Beste hoffen konnte. 

Nach gut einer Woche erhielten wir dann im Urlaub ein Foto und die Info von unseren Pflanzenpflegern, dass die Pflanze zwar erneut umgekippt war, sich dann aber (an der Schrankwand lehnend) selbständig erholte hatte und immerhin weiter wuchs. Ich hatte den Grow mental schon abgeschlossen, da bisher immer alle umgekippten Pflanzen anschließend eingegangen waren, und freute mich daher umso mehr über den Lebenswillen und die Kampfkraft des stylischen „Tigers“…

Am 24. Juli wurde dann in unserer Abwesenheit von unseren Pflanzenpflegern (denen ich dafür extra ein Video-Tutorial erstellt hatte) der Grow auf die Blütephase umgestellt, beide LEDs liefen jetzt täglich nur noch 12 Stunden. Mit minimalem Delay. 

Nach drei Urlaubswochen fand ich am 6. August eine Pflanze vor, wie ich sie noch nie in meinem Grow-Schrank hatte, mit abgenickt gewachsenem Stamm und Trieben, die in ihrer schwungvollen Beugung zum Teil an eine kleine Weide erinnern. Es waren auch schon erste feine Blütenhaare zu sehen.

Ich stabilisierte den Stamm inzwischen schon mit zwei Zollstöcken und fixierte die obersten Triebe zusätzlich auch mit Strippe und Magnethaken in einer optimierten Position. Was sicherlich auch etwas die ungewöhnliche Wuchsform erklärt. Im unteren Bereich entfernte ich auch diverse gelblich-kränkliche Blätter aus dem Geäst und hoffte weiterhin aufs Beste. 

Da der Haupttrieb nun aggressiv wie ein Tiger gut in die Höhe schoss, kamen hier mal wieder einige Plastik-Bender zum Einsatz – nachdem nun unten langsam alles stabil gewachsen war, musste ich oben künstlich verbiegen. Immerhin hielten bald alle Triebe ohne zusätzliche Hilfe durch abstützende Objekte oder Strippe-Fixierungen an der Spitze. Und es zeigten sich natürlich auch immer mehr Blütenhaare.

Wie nun auch (trotz der ganz eigenen Wuchsform) ganz klar erkennbar wurde, hatte die Tiger Style die klassische Indica-Bauchweise übernommen, mit einem breiten unterem Plateau rund um eine hochgewachsene Top-Cola, die auch immer noch etwas weiter wuchs. 

Ende August hatte die Pflanze ihre finale Höhe von 75 cm einen erreicht und legte einen hohen Wasserverbrauch an den Tag. Ins CalMag-Wasser kam jetzt auch mal ein kleiner Spritzer Blüten-Booster mit rein. Seit ich an „zwei Fronten“ growe, hab ich ja nun eh immer auch Dünger im Haus und vermute, dass es nicht schaden kann.  

In den folgenden Tagen prüfte ich täglich, ob irgendwo schon wieder Blätter zu entfernen waren, die darunter liegende Blüten zu stark verschatteten, und entfernte diese immer, um die bestmögliche Entwicklung der (paar) Blüten zu gewährleisten. Auch die Geruchsbildung wurde langsam intensiver, was mich aber nie gestört hat, da ich die Aromen sehr mag. Auch im Schlafzimmer. 

Die Blüten entwickelten mit der Zeit sehr schön, auch wenn längst klar war, dass es diesmal keine große Ernte wird. Aber jedes Ergebnis ist immer noch besser als ein weiterer Totalverlust – was ich nach dem Umkippen der Pflanze vor dem Urlaub ja ernsthaft befürchtete. 

Anfang September waren die Blüten schon gut angeschwollen, nur die Blütenhaare waren alle noch ganz weiß. Inzwischen gab ich auch Kleinstmengen von CalMag, Blüten-Booster und PK 13/14 (vom Kokos-Grow) mit ins Gießwasser, obwohl ich bisher immer nur abgestandenes Leitungswasser zur Bewässerung der neuen All-Mix-Erde (diesmal „Dope Soil“ von Florganics) verwendete. 

Mitte September waren die Blüten nochmal ein wenig gewachsen und die erste Blütenhaare orange, daher überprüfte ich mit einer starken Lupe auch schon mal die Trichome: die meisten waren bereits milchig, manche noch klar, manche aber auch schon bernsteinfarben. Dazu hatten sich auch einige Blätter im untersten Bereich der Tiger Style ins Gelbe verfärbt – die davon am schlimmsten betroffenen Exemplare entfernte ich immer zeitnah und regelmäßig. 

Schon am 21. September sah meine Pflanze eigentlich rundum erntereif aus, aber da die Blütezeit von Dope Seeds mit bis zu 65 Tagen angegeben wurde, ließ ich (am 59. Tag der Blütephase) sie doch lieber noch ein paar Tage länger stehen. 

An den letzten paar Tagen vor der Ernte gab es nur noch jeweils vier Stunden Licht täglich und gar kein Wasser mehr. Danach war es dann soweit: Am 26. September zückte ich die Schere und dekonstruierte die „tanzende“ Pflanze, die durch ihre bauchige Gestalt auch beim obligatorischen „Beauty-Shot“ ihre einzigartige Wuchsform präsentierte.

Die Ernte war dann die bisher schnellste ever, da meine Tiger Style nur verhältnismäßig wenige Blüten mit wenigen zu trimmenden Blättern ausgebildet hatte. Dafür waren die Blüten schön groß und hart – ich musste daran keine drei Stunden schnippeln, was für mich einen absoluten Geschwindigkeitsrekord darstellte. Noch nie hatte ich ein Pflanze so schnell zerlegt und zum Trocknen vorbereitet. .

Die fertig getrimmten Blüten kamen nun in meinen Trockenschrank von Vivosun, der (im Gegensatz zur Smartbox) noch keine Ausfälle zeigte und die Blüten innerhalb von acht Tagen professionell trocknete. Bevor ich die getrockneten Blüten (die ich diesmal alle noch an ihren Stilen gelassen hatte) aus dem Trockenschrank herausnahm, hielt ich noch einmal mit der Kamera drauf und machte ein Foto. 

Abschließend stand noch der immer freudig erwartete Konsumtest an: Ich drehte mir 0,2 g zerkleinertes Blütenmaterial in einen kleinen Joint, den ich anschließend mit Bedacht inhalierte. Die Wirkung setzte schnell ein und war angenehm stark, ich fühlte einen deutlichen Couch-lock-Effekt und war auch angenehm überrascht, dass die Wirkung (zumindest bei mir) über drei Stunden anhielt. Auch wenn die Gesamtmenge mit 64 g nicht gerade rekordverdächtig war, so war ich doch rundum zufrieden mit der Wiederauferstehung meines „Tigers“, der beim Konsum auch seine THC-Power souverän ausspielen konnte. 

Kulturdaten

GenetikTiger Style von Dope Seeds
Wachstumsphase31 Tage
Blütephase 64 Tage
MediumAll-Mix-Erde „Dope Soil“ von Florganics
pHnicht so wichtig auf Erde
Licht 2 Q1-Module von Sunlight (insges. 100 Watt)
Stromverbrauchca. 129 kWh (nur Licht)
Temperatur20 bis 25 °C 
Luftfeuchtigkeit40 bis 60 %
Bewässerungper Hand und Wasserspeicher
Höhe75 cm 
Ertrag64 g