Als ich 2020 mit dem Homegrowing anfing, wollte ich es möglichst einfach und setzte daher auf die komfortabelste Lösung, die es damals gab: Den halbautomatischen Growschrank von Grow4Life. Damit gelangen mir aus dem Stand ein paar ganz respektable Grows, ohne jegliche Vorkenntnisse oder auch nur einer Ahnung, worauf es beim Heimanbau so ankommt. Seitdem hat sich die Technik deutlich weiterentwickelt, das derzeit wohl fortschrittlichste All-In-One-System kommt von VIVOSUN und nennt sich „VGrow Smart Box“. Von dieser Firma stammt auch der vollautomatische Trockenschrank „VCure“, der eine reiche Ernte schon nach acht Tagen professionell trocknen kann. Ich durfte beide Systeme testen und realisierte dabei auch direkt meinen allerersten Trellis-Grow…
Okay, ich sag direkt wie’s ist: Dank der THCENE wurde mir die neue VGrow Smart Box und später auch der VCure-Trockenschrank kostenlos von VIVOSUN für einen komplett unabhängigen Test zur Verfügung gestellt, und ich nutzte diese Möglichkeit gerne, um meinen immer noch recht beschränkten Grower-Horizont zu erweitern. Schließlich habe ich bisher immer nur in meinem Growschrank mit (nur) 100 Watt Lichtleistung auf Bio-Erde angebaut, was mir beim Growen nicht viel abverlangte. Gelegentlich den Wasserspeicher auffüllen und ein paar Blätter entfernen – mehr war in der Regel nicht zu tun. Und das war bzw. ist auch gut so.
Bei der technisch maximal hochgerüsteten VGrow Smart Box (mit ebenfalls 100 Watt Lichtleistung) baut man dagegen in einem Stofftopf auf Kokos-Substrat an und wird durch zahlreiche Video-Tutorials (in der dazugehörigen App) dazu angeleitet, verschiedene Trainingsmethoden anzuwenden, die ich zum Teil noch nie praktiziert hatte. Dementsprechend gespannt war ich, was mit der neuen Growbox auf mich zukommen würde, als das große und auch ziemlich schwere VGrow-Paket bei mir eintraf. Wie ich schon verraten kann, wurde mir nicht mal ansatzweise in diesen meinen Artikel hineingeredet, ich konnte tun, lassen und schreiben was ich wollte, hatte mit Shuhan aber immer eine sehr freundliche und geduldige Ansprechpartnerin für alle meine Anfängerfragen an der Seite. Und ich hatte wirklich viele Fragen, die ich ihr auch alle stellte und die sie stets freundlich und ausführlich beantwortete – dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch nochmal ausdrücklich bedanken, denn sonst hätte ich anfangs eine ganze Reihe von Problemen mit dem neuen Growsystem gehabt, da dies so umfangreich ist, dass man es als Neueinsteiger erstmal komplett erfassen und (am besten vollständig) begreifen muss.
VIVOSUN betrachtet sich als „Firma aus den USA und China“, wobei es schon eher ein chinesisches Unternehmen ist, was aber auch in Kalifornien Betriebsstätten unterhält und hier wohl das Design der Growbox und ihrer Verpackung machen ließ. Wie bei APPLE ist das Ganze „Designed in California“ aber letztendlich auch „Made in China“. Und was APPLE für Computer ist, will VIVOSUN vermutlich für die Grow-Branche werden – also technischer Marktführer mit Style. In den USA ist die Firma unter Growern bereits bekannt und genießt hier einen guten Ruf. Was ich übrigens nicht von VIVOSUN weiß, sondern von einem befreundeten US-amerikanischen Grower, der tatsächlich schon mehrfach Gutes von dieser Firma gehört hat.

Aber zurück nach Berlin: Die Optik nach dem Öffnen der Versandkiste war schon sehr APPLE-mäßig: In dem großen Karton lagen (hübsch angeordnet) mehrere kleine Kartons mit praktischen Aufdrucken, die ihren Inhalt preisgaben. Der Aufbau der Box gelang mir problemlos mit der Bedienungsanleitung, die zwar nur auf englisch dabei war, die es online aber auch auf deutsch zu finden gibt. Wie es anschließend weitergeht, muss man dann aber selbst rausfinden, dazu konnte ich in keiner der mitgelieferten Anleitungen irgendetwas finden. Aber zum Glück konnte ich immer Shuhan fragen. Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, hätte ich mich schon etwas darüber geärgert, dass man nach dem Aufbau keinerlei Informationen dazu hat, wie man denn nun ganz konkret seinen ersten Grow mit der neuen Box angehen soll.

Da mir die VGrow-Funktionsweise noch nicht bekannt war, musste ich mich erstmal ausführlicher damit beschäftigen und ein paar YouTube-Videos anschauen, die es glücklicherweise ganz einfach zu finden gab. So begriff ich, dass die (von mir anfangs so genannten) „Schnürsenkel“ in der Basis der Box keine Transportsicherung, sondern die wohl wichtigsten Bestandteile des halbautomatischen Bewässerungssystems waren und offiziell „Selbstbewässerungsdochte“ heißen. Ich erfuhr auch, dass diese Selbstbewässerungsdochte aus dem im Box-Boden eingelassenen Vier-Liter-Wasserspeicher über ihre Kapilarwirkung Wasser in den mit Kokossubstrat gefüllten Stoffbeutel transportieren und ihn so kontinuierlich von unten bfeuchten. Und dass man den mitgelieferten Kokosfaserblock zunächst in Wasser aufweichen, aufbrechen, auflockern und locker in den Stoffbeutel einfüllen sollte – am besten mit einem pH-Wert von 5,8. So hatte ich nun zumindest eine grobe Vorstellung davon, wie es weitergehen sollte. Fakt ist aber auch: Ohne Shuhan und YouTube wäre ich erstmal komplett lost gewesen.
Bevor ich mit meinem Grow starten konnte, musste ich mir noch die (nur auf englisch verfügbare) VIVOSUN-App herunterladen – so weit, so gut. Allerdings muss man sich dann (mit Apple-ID oder Google-Konto) erstmal einloggen und nicht nur BlueTooth und die Ortungsdienste aktivieren, sondern sich auch ins eigene WLAN (mit Netzname und Passwort) einloggen. Warum die App so genau wissen will, wo man als Grower wohnt bzw. wo man sich gerade mit der Box befindet, erschließt sich mir nicht. Auch die Option, all seine Grow-Daten direkt zu „veröffentlichen“, fand ich unnötig bis befremdlich. Man muss ja so schon jede Menge persönliche Daten und Passwörter eingeben – und das letztendlich nur, um seinen ersten Grow einfach nur starten zu können. Wie ich später feststellte, werden einem dann aber im Laufe des Grows auch kleine Tutorial-Videos in der App angezeigt, die einem wirklich gut (und praktisch) durch den Grow helfen und ganz bestimmte Grow-Aktionen einfordern, die man ausführen und bestätigen muss.
Das erste Gießwasser habe ich auf einen pH-Wert von etwa 5,8 abgesenkt. Berliner Leitungswasser hat etwa 7,5 – weshalb ich bei der KAYA FOUNDATION ein pH-Minus-Konzentrat kaufte. Eigentlich hatte ich gar keine Lust auf die ganze pH-Reglerei, aber da ich bereits ein pH-Messgerät besaß, wollte ich natürlich alles möglichst richtig machen.
Da ich noch ein paar Seeds der deutschen Samenbank Dope Seeds im Kühlschrank hatte, entschied ich mich für eine Genetik namens Bicycle Blaze, die einen ansprechenden Ertrag bei kräftiger Wirkung versprach. Anfang November letzten Jahres legte ich gleich zwei Seeds dieser Sorte zum Vorkeimen in ein Glas mit (diesmal sogar pH-Wert-mäßig optimiertem) Wasser, da ich einen direkten Vergleichs-Grow mit der VGrow Smart Box und dem Grow4Life-Schrank starten wollte.
Zwei Tage später hatten beide Seeds ihre Samenschalen etwas geöffnet, aber noch schaute nur bei einem ein kleines „Stummelschwänzchen“ heraus. Nachdem ich zwei Liter Wasser auf einen pH-Wert von 5,8 gebracht und mit den zwei mitgelieferten Düngerkomponenten (Granulat auf Salzbasis) angereichert hatte, goß ich damit das Kokossubstrat („buffering“) und setzte anschließend den stummelschwänzigen Samen in eine kleine Mulde und deckte ihn mit ein paar Kokosfasern ab. Damit alles schön feucht blieb, setzte ich auch das ebenfalls mitgelieferte Mini-Gewächshaus (ein kleiner Dom aus durchsichtiger Plastik) über die Aussaat in der Box. In der App ging der Grow damit in die Seedling-Phase über, wodurch nun auch das Licht in der Box anging. Täglich für 18 Stunden, bei 60 % Intensität.
Wie ich bald feststellte, ist die VGrow-Box sehr lichtdicht, man sieht von außen wirklich gar nichts, wenn die magnetische Außenhülle perfekt über dem frontalen Sichtfenster sitzt. Allerdings blinkte die Box ab und zu, wenn sie mit irgendetwas nicht zufrieden war und befahl mir dann via App, möglichst sofort etwas dagegen zu unternehmen. Anfangs sollte ich ständig gegen die zu niedrige Luftfeuchtigkeit vorgehen – was aber praktisch gar nicht möglich war, schließlich lief alles im Automatik-Modus, in dem man keine manuellen Einstellungen vornehmen kann. Außerdem braucht man dafür eh einen Luftbefeuchter, den mir Shuhan aber auch noch zuschickte. Diesen Luftbefeuchter muss man nur mit Wasser füllen und an einen in der Box befindlichen USB-Port anschließen – echt praktisch, wenn man erstmal herausgefunden hat, wie er über die App funktioniert. Denn Plug & Play gilt hier leider nicht, man muss den Luftbefeuchter (und auch alle sonstigen zusätzlichen Geräte) erst über den entsprechenden USB-Port in der VIVOSUN-App anschalten und einen Modus (Manual, Cycle oder Auto) auswählen. Im manuellen Modus kann man die Automatik des Luftbefeuchters dann sowohl von der Temperatur als auch von der (zu geringen) Luftfeuchtigkeit auslösen lassen und die entsprechenden Grenzwerte völlig frei wählen. Es macht schon Spaß zu beobachten, wie sich der Befeuchter ganz selbständig um die richtige Luftfeuchtigkeit in der Box kümmert. Auch wenn die Luftfeuchte am Anfang ja eigentlich egal ist, wenn oberirdisch eh noch nichts passiert und zudem ein kleiner Plastik-Dome die Saatstelle abdeckt.
Die Samen keimten leider nicht auf, nach einer Woche war weder in der Box noch im Schrank ein Sämling über der Erdoberfläche erschienen. Ich fragte mich, woran das liegen konnte. Vielleicht waren es ja die Samen selbst, die einfach nicht mehr so richtig aufkeimen wollten? Oder hatte ich das Wasser (bei dem Versuch den pH-Wert zu optimieren) vielleicht doch irgendwie „versaut“? Vielleicht funktionierte ja mein altes pH-Messgerät nicht mehr richtig – und wenn es falsche Werte angezeigt hatte, war das Wasser, mit dem ich die Erde bzw. das Substrat täglich feucht hielt, möglicherweise zu sauer oder zu basisch. Also kaufte ich mir sicherheitshalber ein neues pH-Messgerät, das hunderte Bewertungen mit einem Overall-Ranking von 4,5 (von 5) Sternen hatte und fing damit nochmal von vorne an. Diesmal mit zwei Samen der Sorte Bakerman (auch von Dope Seeds). Ich nahm mir vor, diesmal ganz besonders sorgfältig vorzugehen, um eigene Fehler komplett ausschließen zu können.
Mitte November kamen die zwei Bakerman-Samen zum Vorkeimen ins Wasserglas, zwei Tage später hatten sich beide Samenschalen geöffnet, und die Seeds kamen direkt ins Kokos-Substrat bzw. unter die Erde.
Wie ich nun in der Praxis feststellte, verändern sich pH-Werte im Laufe der Zeit deutlich. Denn obwohl ich das düngergeschwängerte Gießwasser mit pH-Minus von Terra Aquatica auf einen Wert von 6,25 gebracht hatte, lag der pH-Wert drei Tage später schon wieder bei 7,3 – und ich ärgerte mich über die ganze sinnlose pH-Wert-Messerei und das ständige Abgleichen des pH-Wertes, wenn dann nach wenigen Tagen der Wert schon wieder ganz woanders liegt. Selbst das Wasser, in dem ich die Samen vorkeimen ließ, hatte selbständig seinen pH-Wert von 6,25 auf 7,2 gesteigert. Scheinbar ist das ganz normal, aber für mich als pH-Novizen kam das schon überraschend. Aber ich lernte daraus und setzte in meiner weiteren Düngerwasser-Bevorratung auf eher (viel) zu niedrige pH-Werte, die dann langsam stiegen und beim Einfüllen in die VGrow Smart Box einen halbwegs optimalen pH-Wert (5,8-6,2) aufwiesen.
Am 20. November zeigte sich endlich ein Bakerman-Keimling über dem Kokossubstrat, und ich konnte kurz darauf die erste Phase des durch die App begleiteten Anbaus in der VGrow Smart Box abschließen, da das erste eigene Blattpaar entstanden war.

Ein paar Tage später hatte mein Keimling zwei ungewöhnlich längliche Blattpaare entwickelt, die viel größer waren, als das erste Blattpaar im Autopilot-Tutorial-Video der VIVOSUN-App. Grundsätzlich finde ich die Idee (vor allem für absolute Neueinsteiger) ausgesprochen gut, dass einem im Autopilot-Modus eine Art Tutorial-Grow-Guide an die Seite gestellt wird, der einen Schritt für Schritt durch die verschiedenen Phasen des Grows begleitet und anhand von kleinen Videos genau zeigt und erklärt, was man wann zu machen hat. Wenn sich die eigene Pflanze aber ganz anders als die in den Videos gezeigte entwickelt, kommt man natürlich auch mal ein bisschen ins Grübeln und muss improvisieren.
Da sich mein Keimling nicht an den von der App prophezeiten Zeitplan hielt, musst ich diesen ausbremsen, was relativ einfach möglich ist. In der App gibt es immer wieder mal Aktionsaufforderungen („action reminder“), auf die man reagieren soll, da man so den automatisierten Zeitplan der Realität entsprechend nachjustieren kann. Das erste „OK“ gab’s von mir, nachdem sich das erste Cannabis-Blattpaar soweit geöffnet hatte, dass es das Keimblattpaar etwas überragte. Die darauf folgende Seedling-Phase soll man laut Video-Guide erst beenden, wenn das zweite Blattpaar ungefähr die Größe des ersten erreicht hat. Was bei mir aber auch am elften Tag noch nicht mal ansatzweise der Fall war, da das erste Blattpaar immer weiter wuchs. Nach Tag sieben hätte die Seedling-Phase laut Plan eigentlich abgeschlossen sein sollen – aber meine Bakerman machte da einfach nicht mit.
Ich musste nun erstmal Geduld beweisen und weiter abwarten, während der vollautomatisch vor sich hin laufende Luftbefeuchter täglich ca. 250 ml Wasser an die Luft setze. Vielleicht hatte sich deshalb eine grüne Schicht Moos auf der Kokossubstrat-Oberfläche gebildet? Wie ich von Shuhan erfuhr, ist das ganz normal, und die entstandene Moosschicht könne man einfach „unterharken“. Was ich dann auch tat. Und obwohl es feucht in der Box blieb: die Moosschicht ging und kam nicht zurück.
Der Bakerman-Sämling entwickelt sich derweilen gut, mit einer in diesem frühen Stadium ungewöhnlichen Verzweigungsfreudigkeit, die schon jetzt in vielen kleinen Ansätzen zu erkennen war. Hatte ich hier vielleicht eine perfekte Sorte für meinen ersten Trellis-Grow im Kokossack? Ich hoffte es und optimierte erstmal (dem Tipp eines YouTubers folgend) die integrierte Lüftung durch das Abkleben der bisher irrelevanten Lüftungslöcher, wodurch der Luftstrom nur auf die Bereiche konzentriert wurde, in denen das Pflänzchen schon (höhenabhängig) angekommen war. Im Autopilot-Modus wurde die Box dann teilweise auch ziemlich laut – vor allem, wenn innen „natürlicher Wind“ simuliert wurde und die Ventilatoren bis auf Sufe zehn (Maxium) hochfuhren. Auch in den Ruhephasen, wenn gar kein Licht in der Box brannte, gingen die Lüfter oft bis ans Maximum und waren damit für meinen Geschmack (zu) deutlich zu hören.

Nach gut drei Wochen hatte sich meine Bakerman bereits als eine wirklich erstaunlich verzweigungsfreudigen Pflanze erwiesen, sie sah nach wie vor sehr gut und gesund aus, auch wenn sie einige kleine „Verkrüppelungen“ an zwei Blattspitzen zeigte. Nun begann die vegetative Phase, in der die Lichtleistung von 60 auf 80 % gesteigert wurde.
Nach knapp vier Wochen hatten sich dann sechs Internodien gebildet, weshalb mir die App (per Video-Tutorial) vorschrieb, die Pflanze nun zu toppen – also die zentrale Triebspitze abzuschneiden. Was ich dann Mitte Dezember auch tat. Ich entfernte dabei auch gleich noch ein paar Fächerblätter, die den darunter liegenden Triebspitzen ihre Aufstiegsmöglichkeiten versperrten.
Da sich einige Blattspitzen leicht bräunlich verfärbten, verdünnte ich die Düngerlösung im Wasserspeicher mit einem Liter ungedüngtem (nur pH-Wert angepasstem) Leitungswasser in der Hoffnung, damit diese ungesunden Blattspitzen wieder kurieren zu können. Ich nahm mir vor, im weiteren Verlauf des Grows lieber zu wenig als zu viel von den beiden mitgelieferten Düngern zu verwenden und hielt mich auch daran. Und siehe da: Die Blattspitzen wurden alle wieder grün.

Kurz vor Weihnachten hatte sich ein buschig-grüner Ball mit (gefühlt) viel zu vielen Blättern und Trieben (die sich alle irgendwie gegenseitig im Weg zu stehen schienen) gebildet. Andererseits zeigte sich so aber auch die extreme Verzweigungsfreudigkeit, die für meinen ersten Trellis-Grow ja geradezu perfekt war. Wer (wie ich damals) noch nicht weiß, was das bedeutet: Als „Trellis“ bezeichnet man ein Netz, welches man über eine junge Pflanze spannt und deren Triebe dann so durch die Maschen zwingt und wachsen lässt, dass die Triebspitzen alle auf ungefähr der gleichen Höhe bleiben und somit ähnlich viel Licht abbekommen. So können sich im Idealfall alle Top-Buds optimal entwickeln.
Trotz der buschigen Struktur verkniff ich mir ein außerplanmäßiges Trimmen und wartete noch drei Tage, bevor dann wieder die größten Fächerblätter dran glauben mussten. Diesmal war ich nicht mehr besonders vorsichtig, sondern schnitt eher zu viele als zu wenige Blätter heraus, sodass mein Pflänzchen „unter dem Rock“ wieder schön luftig war und sich die obersten Blätter nicht so eng an eng drängelten und gegenseitig deformierten. Gleichzeitig spannte ich auch das im Lieferumfang enthaltene Trellis-Netz über die Pflanze und platzierte die ersten Triebe in den Maschen. Soweit, so gut – nur musste ich am nächsten Tag feststellen, dass zwei der vier Haken nicht gehalten hatten und das Netz nun schlaff über der Pflanze hing. Allerdings waren hier nicht die Magneten zu schwach, sondern der Klebstoff, mit dem die magnetischen Metallplättchen auf den Plastikhaltern befestigt waren. Da insgesamt sechs solche Plastikhalter im Lieferumfang enthalten waren, hatte ich noch vier, die funktionierten. Um diese nicht auch zu riskieren oder das Trellis-Netz irgendwie anders befestigen zu müssen, dehnte bzw. leierte ich das Netz mit ein paar Gewichten für zwei Tage etwas aus und hatte danach das gute Gefühl, dass es nun nicht mehr so stark an den vier Magnethaken zog. Und tatsächlich: Für den Rest des Grows hielt das Netz und riss weder Metallplättchen von ihren Plastikhaltern, noch die magnetischen Haken von den Metallplättchen.

Anfang Januar fragte ich mich dann, ob ich es beim Topping vielleicht übertrieben hatte. Inzwischen waren schon 31 Tage vergangen und noch immer lief die vegetativen Phase, da ja erstmal nachwachsen musste, was zuvor getoppt wurde. In der VGrow ist in der hinteren linken Ecke ein Maßband bzw. Höhenmesser integriert, der die verschiedenen Entwicklungsstufen der Cannabispflanze anhand der erreichten Höhe(n) definiert. Demzufolge musste ich noch weiter abwarten.
Am Tag 40 war es dann soweit: Einige Triebspitzen waren knapp in den Bereich hineingewachsen, den der integrierte Höhenmesser als „Flowering“ bezeichnet, also in den Höhenbereich, in dem die finale Phase der Pflanze einzuleiten ist. Also stellte ich Mitte Januar per App auf Blüte um, womit das Licht nun auf 100 % der möglichen Lichtleistung hochgeschaltet wurde, dafür aber nur noch 12 Stunden am Tag lief.

Trotz des nun einsetzenden Streckungswachstums konnte ich noch für ein, zwei Wochen die längsten der flexiblen Triebspitzen in weiter entfernte Maschen des Trellis-Netzes stecken und damit die Lichtverteilung optimieren, danach waren die durchs Netz gewachsenen Triebe zu lang, um noch in andere Maschen bewegt werden zu können. Was mich dabei wunderte, war die Tatsache, dass in den äußeren Trieben meiner Bakerman mehr Streckungswachstums-Power steckte, als in den getoppten zentralen Trieben. So konnte ich fast alle äußeren Maschen des Netzes relativ gut füllen, wodurch im Zentrum eine Art Tal entstand. Aber die Höhenunterschiede zwischen diesem zentralen „Tal“ und den höher gewachsenen Triebspitzen im Randbereich des Netzes war zum Glück nicht besonders groß.
Fast täglich entfernte ich nun hier und da frische junge Triebe im Pflanzenbereich unter dem Trellis-Netz – und bei den am stärksten wachsenden Triebspitzen auch die obersten Fächerblätter, damit diese nicht weiter so kräftig in die Höhe schossen und sich ihre finalen Höhen vielleicht noch etwas angleichen. Es wurde mit der Zeit allerdings zunehmend schwieriger, in alle Bereiche des Netzes zu gelangen, weil viel zu viele fixierte Triebe im Weg waren und von einer zielsuchenden Hand (vor allem ganz hinten) gar nicht mehr durchdrungen werden konnten. Also ließ ich die Bakerman einfach weiter wachsen und hoffte aufs Beste. Inzwischen waren die Wurzeln sogar bis weit in den Wasserspeicher hinein gewachsen, was laut Shuhan ebenso normal sei, wie die leicht kristalline Schicht auf der Oberfläche des Wassers im Speicher – also störte ich mich nicht weiter daran.

Schon nach zwei Wochen in der Blütephase zeigten sich die ersten feinen Blütenhaare, die mit der Zeit immer zahlreicher wurden. Vermutlich durch das mittlerweile ziemlich dichte Blätterdach kam es zu dem nun verstärkt auftretendem Effekt einer in den Dunkelphasen viel zu hohen Luftfeuchtigkeit, die dazu führte, dass die Box blinkte und mir in der App eine „Gartenwarnung“ nach der anderen angezeigt wurde. Da mir der Einbau eines viel zu großen und teuren Luftentfeuchters unangemessen erschien, versuchte ich es mit einem Ventilator: Dem AeroWave D4 von VIVOSUN, den ich über die innenliegende USB-Schnittstelle betreiben konnte, nachdem ich zunächst den USB-Port über die App aktiviert hatte. Ich positionierte den Ventilator mithilfe eines kleines Stativs so, dass er Luft von unten (durch das Blätterdach) nach oben bewegte, wo sie durch das integrierte Belüftungssystem ausgetauscht werden konnte. Tatsächlich blieb die Luftfeuchtigkeit damit knapp unter 60 % – was genau der Wert ist, bei dem die VIVOSUN-eigene Grow-Automatik vor zu hoher Luftfeuchtigkeit zu warnen beginnt.
Da ich inzwischen über 30 mehr oder weniger hoch gewachsene Blütenspitzen zählte, die ich am liebsten alle in schöne Top-Buds verwandeln wollte, schnitt ich nun auch die obersten Fächerblätter besonders hoher Triebspitzen ab, wenn sie darunter liegende Triebspitzen verdeckten.

Anfang Februar hatte ich bei meinem fast täglichen Beschnitt der blütennahen Fächerblätter und Popcorn-Bud-Ansätze hinterher erstmals eine leicht klebrige Schere – selbst viele ausladende Fächerblätter waren nun bereits von einer leichten Trichomschicht überzogen. Die Triebspitzen der Bakerman waren bei einer ungefähren Durchschnittshöhe von 51 cm angekommen, und ich hoffte sehr, dass sie sich noch deutlich weiter strecken würden, da nach oben hin noch mehr als genug Platz war.
Mitte Februar hatte der Ventilator kaum noch einen nennenswerten Effekt auf die Luftfeuchtigkeit, die nun teilweise wieder bei über 70 % in den Dunkelphasen lag – also packte ich auch noch zwei Luftentfeuchter-Salzpackungen in die Box und richtete den Ventilator darauf. Das hielt die Luftfeuchte wieder unter 60 %.
In den folgenden Blütewochen blieb meine Pflanze sehr durstig, ich füllte täglich über ein Liter pH-Wert-optimiertes Düngerwasser nach, um den mittlerweile komplett mit Wurzeln durchsetzten Wasserspeicher-Vorrat immer knapp unter voll zu halten.
In der achten Blütewoche checkte ich zum ersten Mal die Trichome unter meinem kleinen Fotomikroskop und stellte dabei fest, dass noch klare und milchige Trichome vorherrschten und bernsteinfarbene Tupfer nur ganz vereinzelt erkennbar waren. Daher entschied ich, der Pflanze auch noch eine neunte Blütewoche zu gönnen.
In der dieser letzten Woche vor der Ernte habe ich komplett auf die übliche Düngermische verzichtet und nur noch klares, pH-angepasstes Wasser nachgefüllt. In diesen Tagen kam auch der nagelneue (gerade erst in Deutschland auf dem Markt erschienene) Trockenschrank „VCure“ von VIVOSUN bei mir an. Es war zwar etwas anstrengend, dass knapp 40 kg schwere High-Tech-Gerät in den zweiten Stock zu schleifen, dafür musste ich den Trockenschrank aber nicht erst (wie die VGrow Smart Box) selbst zusammenbauen und relativ aufwendig per App aktivieren. Wobei man die App natürlich auch mit dem VCure verbinden und darüber z. B. eigene „Trocknungsrezepte“ laufen lassen kann.
Nach dem Auspacken war der stylische Trockenschrank direkt einsatzbereit, schon nach knapp einer einer Minute waren Datum und Uhrzeit eingestellt und die Einrichtung nach den individuellen Vorlieben (Datumsformat, Auswahl der Temperatureinheit, Display-Animation usw.) abgeschlossen. Hier ist also echtes Plug & Play angesagt, denn man kann nach dem Einstöpseln in eine Steckdose direkt mit dem Trocknen loslegen, ohne noch irgendetwas vorbereiten oder einstellen zu müssen. Wobei es schon empfehlenswert ist, vor dem ersten Gebrauch den Trockenschrank mit einem feuchten Mikrofasertuch auszuwischen und auch die lebensmittelechten Gitterablagen zu reinigen, um Fertigungsrückstände und unangenehme Gerüche zu entfernen. Ich machte das jedenfalls so, da das Innere des Schrankes anfangs tatsächlich irgendwie noch „industriell“ roch.

In den letzten Tagen vor der Ernte wunderte ich mich zunehmend über die Tatsache, dass nun immer mehr Fächerblätter gelb-braun verwelkten und sich vertrocknete Spitzen zusammenrollten. In einigen Fällen waren die Blätter sogar komplett verwelkt und zusammengerollt, was mich einigermaßen ratlos zurückließ, da ich die drei wahrscheinlichsten Faktoren ausschließen konnte, die sonst für solche Blatt-Symptome verantwortlich gemacht werden: Ein zu geringer Abstand zu den LEDs, eine zu starke Düngung oder mangelnde Wasserversorgung. Zu den LEDs bestand ca. 40 cm Abstand, die Düngung war bereits deutlich verdünnt und Wasser ausreichend im Speicher vorhanden. Und trotzdem verfärbten sich immer mehr Fächerblätter auf gar nicht so ansehnliche Art und Weise – aber solange die Blüten gut aussahen, störte mich das nur marginal. Und die zahlreichen Blüten sahen alle sehr gut aus, auch wenn sie relativ klein waren. Dank des Trellis-Netzes waren sie sehr gut verteilt und bekamen so alle gut und gleichmäßig direktes Licht. Weshalb ich sicherlich auch weiterhin in der VGrow die von VIVOSUN vorgeschlagenen Trellis- & Topping-Methoden nutzen werde.
In den letzten beiden Tagen vor der Ernte verwelkten dann die meisten Fächerblätter fast gänzlich, wodurch sich der ganze (zuvor dichte) Busch deutlich ausdünnte und nun auch wieder von Ventilator-Luft durchdrungen werden konnte. So kurz vor der Ernte war mir das nur recht, auch wenn die Pflanze dadurch nicht mehr so viel Wasser verbrauchte und der Wasserspeicher am Ende noch fast zur Hälfte gefüllt war, obwohl ich errechnet hatte, dass er komplett verbraucht sein sollte.

Nach genau 18 (!) Wochen war es dann soweit, und ich konnte (nach nahezu täglicher Kontrolle der Trichome unter dem Mikroskop) ernten – noch nie hatte ich so lange darauf warten müssen. Das finale Tutorial-Video suggerierte dann auch, dass das Verwelken der Fächerblätter ganz normal sei, da die im Video geernteten Pflanzen auch alle verfärbte bzw. verwelkte Fächerblätter zeigten. Wie ich später von Shuhan erfuhr, bezieht die Pflanze in dieser Phase auch Nährstoffe aus den großen Blättern für die finale Blütenbildung, weshalb die Blätter vergilben, sich einrollen oder verwelken können. Was dann also tatsächlich ganz normal zu sein scheint, auch wenn die Optik schon darunter leidet.
Die Ernte (bzw. das Trimmen der Blüten) dauerte gut vier Stunden, ich trimmte nämlich auch viele kleinere („Popcorn“) Buds sorgfältig und platzierte alles locker auf zwei Trocknungssieben, die schließlich in den VCure-Trockenschrank kamen. Für meinen ersten Versuch nutzte ich das 8-Tage-Programm („Quick Cycle“) für Trocknung und Curing und war dann acht Tage lang gespannt, ob die Ernte tatsächlich pünktlich konsumbereit (und perfekt) sein würde.

Die Frontsichtscheibe des VCure lässt sich übrigens auf Knopfdruck von transparent auf diffus (und umgekehrt) stellen, was ein nettes Extra ist, in beiden Fällen aber Licht ins Innere der Box lässt. Ich habe das extra mit einem Handyvideo (aufnehmendes Handy in den Schrank gestellt, Tür geschlossen und gedimmt) überprüft, da ich der heutigen Beschichtungstechnik auch zugetraut hätte, komplett das Außenlicht abzuschirmen. Nach meinem Kenntnisstand sollten Trocknung und Curing in möglichst absoluter Dunkelheit durchgeführt werden, was die Glasscheibe jedoch nicht von sich aus gewährleistet. Andererseits ermöglicht diese umschaltbare Glasscheibe (in Kombination mit der integrierten Beleuchtung) jederzeit einen Blick in den Schrank, ohne ihn öffnen zu müssen. So können die im Inneren aufs Trocknen bzw. Curing abgestimmten Umweltbedingungen kontinuierlich beibehalten werden und müssen nicht nach jedem Öffnen wieder herauf- bzw. heruntergeregelt werden. Und für das einfallende Licht gab es auch eine ebenso einfache wie praktikable Lösung: Ich befestigte eine lichtundurchlässige Plane mit einigen Magneten am VCure und positionierte sie über der Frontsichtscheibe – so konnte ich sicher sein, dass meine Blüten trotz lichtdurchlässigem Fenster in vollständiger Dunkelheit trocknen und heranreifen konnten. Bequemer war dieser Trocknungsprozess allemal, da ich direkt mit einem neuen Grow beginnen konnte, während die letzte Ernte in den VCure kam. Zuvor habe ich meine Ernten immer Äste-weise im Growschrank aufgehängt, der so für ca. 14 Tage zu einem improvisierten Trockenschrank wurde. Das hat auch immer funktioniert, wenn auch mit deutlich weniger stabilen Umweltbedingungen. Nun muss ich mir um eine perfekte Trocknung keine Gedanken mehr machen und habe zudem zwei Wochen mehr Zeit zum Growen.

Ende März war es dann endlich soweit: Das 8-Tage-Programm war durchgelaufen, und ich erwartete gut getrocknete Blüten, da diese zwar zahlreich aber klein (und selbst in den allerbesten Fällen nicht besonders groß) geraten waren. Was einer schnellen Trocknung durchaus entgegenkommen sollte. Und tatsächlich: Nach acht Tagen waren alle Blüten zwar noch super klebrig, aber auch schon gut genug durchgetrocknet, um problemlos in einem Grinder zerkleinert zu werden. Die schnelle Trocknung mit dem VCure war also ein voller Erfolg, auch der kräftige Duft der Blüten war noch sehr präsent.

Ich drehte mir ca. 0,3 g in eine schmale Tabaktüte und war schon ganz gespannt auf die Wirkung, die mich kurz darauf unaufhaltsam überrollte. Wie flauschige Wellen durchflutete mich wohlige Entspannung, die bei mir auch immer etwas mit kalten Füßen einhergeht. Das schmälerte aber nicht meine gute Laune und das herrlich entspannte Körpergefühl, das sich nach den ersten Zügen eingestellt hatte und locker drei Stunden anhielt, bis es langsam abklang.
In anderen Artikel wird an der Stelle auch gerne noch darauf hingewiesen, dass die angebaute Sorte besonders für dieses oder jenes geeignet ist – das kann dann auf Schmerzlinderung, Appetitsteigerung, Einschlafhilfe oder Kreativitätsschub hinauslaufen, was bei den jeweiligen Autoren ja auch der Fall sein kann. Diese Wirkung zu verallgemeinern halte ich jedoch für falsch, da Cannabis eben nicht auf alle Menschen gleich wirkt. Und das gilt auch für verschiedene Cannabissorten, weshalb ich hier nur (ganz „nüchtern“) feststellen kann:
Bakerman hat meine persönlichen Qualitätsansprüche und -erwartungen voll und ganz erfüllt, und auch die Erntemenge von über 100 g konnte sich vor allem in Anbetracht der relativ geringen Pflanzenhöhe echt sehen lassen – für mich war das ja erst mein zweiter Grow, der die 100-g-Marke (wenn auch nur knapp) knackte. Ob dieser Erfolg eher der Bakerman-Genetik oder dem Trellis-Grow mit VIVOSUN zu verdanken ist, vermag ich nicht zu sagen. Was ich aber sagen kann: die automatisierten Grow- und Trocknungs-Systeme von VIVOSUN haben perfekt gearbeitet und abgeliefert – und ich vermute, dass sie mir in Zukunft sogar noch größere Ernten bescheren werden.
Kultivierungsdaten:
| Genetik | Bakerman von Dope Seeds |
| Wachstumsphase | 40 Tage |
| Blütephase | 86 Tage |
| Medium | Kokosfasern |
| pH | 5,2 bis 7,2 |
| Licht | Wachstum: 80 Watt Blütephase: 100 Watt |
| Stromverbrauch | ca. 1080 kWh (nur Licht) |
| Temperatur | 21 bis 27 °C |
| Luftfeuchtigkeit | 40 bis 60 % |
| Bewässerung | halbautomatisch |
| Düngung | mitgelieferter 2-Komponenten-Dünger von VIVOSUN |
| Höhe | 55 cm |
| Ertrag | 100,8 g |


