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Erfrischend anders: 420 Queenz

420 QUEENZ wurde im Jahr 2017 im Berliner Stadtteil Kreuzberg gegründet – und zwar von Frauen mit einer klaren Vision: einen Headshop zu erschaffen, der einfach anders ist. Also wurde der Laden von Anfang an von Frauen geführt, auch das Verkaufsteam besteht ausschließlich aus weiblichen Mitarbeiterinnen. Nur ein einziger Mann ist in dem siebenköpfigen Team mit dabei, der als ehemaliger Aufbauhelfer heute eher im Hintergrund bleibt. Für uns machte Geoff aber eine Ausnahme, und so konnten wir mit ihm und seiner Frau Danica in ihrem stylischen Shop in der Berliner Dudenstraße ein ausführliches Gespräch über die Anfänge und Zukunftspläne der Firma 420 QUEENZ (und vieles mehr) führen.

Was habt ihr vor 420 QUEENZ gemacht? Und wie kam es schließlich zur Firmengründung?

Geoff: Ich bin in Kanada geboren und in einem Dorf aufgewachsen, in dem ein Kumpel eines Tages einen Headshop eröffnete. Diesen Kumpel hab ich immer ein bisschen um seinen Job beneidet, während ich mit Multimedia-Design begann, um kurz darauf bei der Programmierung und im E-Commerce-Bereich zu landen. 

Dani: Ich komme aus Mazedonien, wo ich Informatikerin wurde und eine zeitlang Beamtin war, was mich aber nicht besonders erfüllte. So bin ich mit 35 Jahren nach Deutschland gekommen, wo ich zunächst ganz verschiedene Jobs übernahm. Als wir dann mal in Amsterdam in einem Headshop waren, wurde da gar nicht auf meine Fragen eingegangen, und ich fühlte mich irgendwie wie ein Alien und damit als Kunde gar nicht willkommen. So entstand unsere Idee für einen eigenen Headshop mit einem ganzheitlichen Kundenkonzept, in dem jeder da abgeholt wird, wo er gerade steht. Denn dumme Fragen gibt es nicht – und ein gewisses Grundwissen sollte beim Kunden auch nicht immer vorausgesetzt werden. So wurde bald klar, dass dafür ein weibliches Team am besten geeignet ist.  

Also war der weibliche Ansatz ein ganz bewusst gewähltes Konzept?

Geoff: Ja, denn sowas gab es bis dahin noch nicht. In den meisten Läden konnte man vor allem männliche Klischees beobachten, angefangen bei den langen Haaren bis hin zu lauter Heavy-Metal-Musik. Das wollten wir anders machen und auch weibliche Kundschaft erfolgreich ansprechen. Auch unser Sortiment ist von Frauen für Frauen ausgewählt – was aber nicht heißt, dass Männer hier nichts für sich finden. Ganz im Gegenteil. Und dieses Konzept kommt an, der Erfolg gibt uns recht – schließlich konnte unser Geschäft in den letzten Jahren gut wachsen.

Dani: Wir versuchen einfach jeden unserer Kunden ganz freundlich und individuell zu beraten, denn nur dann fühlen sie sich wohl und kommen immer wieder zu uns. Und Frauen lassen sich lieber von Frauen beraten, denn die begegnen ihnen eher auf Augenhöhe, wodurch sich die Kundinnen noch mehr öffnen. Dazu kommt, dass zum Beispiel Kunden, die gerne CBD-Öle kaufen, oft schon etwas älter sind, aber trotzdem eine individuell passende Beratung wünschen. Auch die kann von Frauen erfahrungsgemäß besser umgesetzt werden, als von übertrieben selbstbewussten Männern, da Frauen einfach besser zuhören und dann auf die jeweiligen Kundenwünsche gezielter eingehen können.

Auf eurer Webseite kann man ja auch etwas über eure humanistischen Werte lesen – findet ihr es wichtig, dass sich Unternehmen auch politisch äußern?

Dani: Ich persönlich bin in politischen Dingen eher neutral, hier kann auch jeder seine eigene Meinung haben, wir versuchen nicht politisch zu agitieren. Aber natürlich habe ich auch eine eigene politische Meinung – aber die behalte ich im Geschäft eher für mich. 

Geoff: Durch meine langen beruflichen Erfahrungen mit großen Unternehmen war es mir schon wichtig, dass auch unser Familienunternehmen gewisse Werte hat und vertritt. Denn solche Werte können eine Art Klebstoff sein, der ein Team eng zusammenhält. Du willst ja nicht, dass in deinem Unternehmen die Angestellten ständig kommen und gehen, sondern ein möglichst eingespieltes Team, was dann auch zusammenhält. Harmonie und Loyalität resultieren ja auch aus gewissen Werten wie Toleranz und Gleichheit, denn diese Werte ziehen einen bestimmten Menschen-Typ an, den wir gerne beschäftigen. Denn wenn man glücklich mit seinem Arbeitsplatz ist, dann bleibt man auch länger und ist noch freundlicher zu unseren Kunden.

Welche Werte sind euch neben Toleranz und Gleichheit noch wichtig?

Geoff: Zum einen bin ich ein überzeugter Feminist, was aber nicht heißt, dass hier jeder so denken muss. Zum anderen bin ich gegen Rassismus, den ich als in Nordamerika Aufgewachsener selbst noch in meiner Kindheit mitbekam. Meine Großeltern haben zum Beispiel auch noch „Darkys“ gesagt – was ein sehr abwertender Begriff ist. Das ist zwar lange her, aber auch das hat mich geprägt.

Kommen wir zu euren Geschäftsbereichen: Euer Online-Shop wird vermutlich wichtiger sein, als euer Einzelhandelsgeschäft, oder?

Geoff: Nein, wir arbeiten zwar daran, aber noch ist es längst nicht so. Wir haben erst letztes Jahr sehr viel in die Suchmaschinen-Optimierung investiert, ebenso in den Content und die Qualität unserer Web-Inhalte. Aber da wir mit unserem Laden schon einen sehr guten Umsatz machen, kann die Webseite da aktuell noch lange nicht mithalten.  

Erstaunlich, dabei bietet ihr ja online super viele Produkte an – wisst ihr überhaupt, wie viele das insgesamt sind? 

Dani: Ja, ungefähr dreitausend. Für unsere große Auswahl werden wir auch immer mal gelobt. 

Gibt es Produkte, die ihr nur in eurem Webshop anbietet?

Geoff: Ja, Grow-Equipment gibt’s bei uns nur online, das haben wir hier im Laden nicht. 

Dani: Der Vorteil des Online-Shops ist natürlich, dass die Suchfunktionen so optimiert sind, dass jeder ganz gezielt nach seinen individuell gewünschten Features suchen kann. So bekommt man dann eine ganz maßgeschneiderte Auswahl von Artikeln präsentiert, die alle den persönlichen Vorlieben entsprechen.

Versucht ihr online und in euerem Laden eher den besten Preis zu machen oder setzt ihr lieber auf höchstmögliche Qualität, die dann halt etwas mehr kostet?

Geoff: Wir setzen auf beides, und wir haben auch beides im Angebot – von der günstigsten Schnäppchen-Bong über die Mittelklasse bis hin zu sündhaft teuren Einzelkunst- und Sammlerstücken. Schließlich wollen wir die breite Masse ansprechen und möglichst komplett versorgen – dann müssen wir auch alles im Sortiment haben.

Profitierte euer Geschäft eigentlich spürbar von der Teillegalisierung in Deutschland?

Dani: Ich würde nicht sagen, dass wir davon besonders profitiert haben. Aber mir ist aufgefallen, dass seitdem viele Kunden noch offener mit uns reden. Das Thema Cannabis ist damit schon ein gutes Stück weit enttabuisiert worden.

Geoff: Anhand unserer Geschäftszahlen kann man schon behaupten, dass wir geschäftlich von der Legalisierung profitiert haben. Wovon wir zuvor aber viel kräftiger profitiert haben, war die Covid-Zeit, in der wir unseren Laden einfach geöffnet ließen. Das war möglich, weil wir hier ja auch Zeitungen und Tabak verkaufen und die Leute kaum Möglichkeiten hatten, irgendwo hinzugehen. Da war dann schon ein deutlicher Umsatzanstieg zu verzeichnen, der nach Covid aber auch wieder zurückging. Der Anstieg nach der Cannabislegalisierung war dagegen eher moderat und vor allem durch neugierige Erstkunden begründet, die das enttabuisierte Kraut nun auch selbst einmal ausprobieren wollten. 

Dani: Wobei es teilweise auch recht anstrengend war, die ganze Neugierigen informieren zu müssen, dass man bei uns zwar alles rund um Cannabis kaufen kann, nicht aber Cannabis selbst. Das gibt es ja auch nach der sogenannten Legalisierung nirgendwo legal zu kaufen, weshalb die Dealer in den Parks immer noch ihre illegalen Geschäfte betreiben.

Also sind die Umsätze in eurer Rubrik „Dealer Ecke“ nach der Teillegalisierung nicht zurückgegangen?

Dani: Nein, die sind immer noch da, wo sie auch vor der Legalisierung schon waren. Und viele Dealer ja auch. Offenbar war es nie einfacher als heute, sich Drogen aller Art zu beschaffen – ich erinnere da nur an die ganzen diesbezüglichen Telegramm-Kanäle oder Drogen-Taxis.

Mit welchen Produkten macht ihr eigentlich die größten Umsätze?

Geoff: Ich würde sagen mit Bongs, Vaporizern und CBD-Produkten.

Dani: Tatsächlich wollen viele Neukunden einfach nur mal CBD-Produkte ausprobieren und haben gar kein Interesse am mittlerweile legalen THC-Rausch. Vielleicht ja auch deshalb, weil sie früher mal schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Oder weil sie mit dem Kiffen aufhören wollen, ohne mit dem Kiffen aufhören zu müssen – also THC-frei kiffen. Und möglicherweise auch noch tabakfrei – das ist ja heute alles möglich.

Ihr verkauft ja auch Seeds online – wie läuft das mittlerweile?

Geoff: Inzwischen ganz gut.

Dani: Denn nun kehren auch wieder viele Kunden zu uns zurück, um hier ihre Samen zu kaufen, die dann auch wirklich gute Pflanzen hervorbringen. Wie ich von Kunden hörte, ist das bei den in Baumärkten und Gartencentern verkauften Seeds nicht der Fall, da keimen auch schon mal drei von drei Samen nicht, während beispielsweise Qualitätssamen von BARNEY’S FARM in der Regel immer gut aufgehen.

Gibt es Produkte, auf die ihr besonders hinweisen wollt, weil es sie zum Beispiel nur bei euch gibt?

Geoff: Ja, da sind beispielsweise die Bongs von zwei US-amerikanischen Produzenten, die es in Deutschland nur bei uns gibt. Das sind Glaskunstwerke von NOBLE GLAS aus Oregon und ILLADELPH GLAS aus Philadelphia. Auch spezielle Bongs mit Motiven des international bekannten Street-Artist BANKSY gibt es – soweit ich weiß – nur bei uns.  

Dani: Ich finde ja die Bongs von NOBLE GLAS besonders gelungen, denn da ist keine wie die andere – und alle sind komplett handgefertigt und mundgeblasen. 

Welche Erfahrungen habt ihr eigentlich mit unseren deutschen Behörden gemacht? Hattet ihr immer das Gefühl, wie jede andere Firma behandelt zu werden?

Dani: Ja, eigentlich gab es bisher keine Probleme mit den deutschen Behörden. Ganz im Gegenteil – obwohl wir hier und da Schwierigkeiten hatten, die genauen Vorschriften oder Fristen zu erfüllen, wurde uns immer freundlich entgegengekommen.

Geoff: Wir hatten hier auch noch nie die Polizei zu Besuch oder sowas. Wir können also wirklich nicht sagen, dass wir hier in Kreuzberg durch deutsche Behörden irgendwie diskriminiert oder behindert worden wären.

Ist das vielleicht der Grund, dass es bei euch so gut läuft, während viele ähnliche Shops unter der schlechten Wirtschaftslage leiden und teilweise sogar schließen müssen?

Geoff: Die Lage unseres Ladens ist schon sehr gut, da hier viele Kunden in unmittelbarer Nähe wohnen. Aber auch für Leute aus Wilmersdorf, Charlottenburg oder Schöneberg sind wir immer noch der am nächsten gelegene Headshop. Und wer jetzt glaubt, dass in diesen Bezirken nicht gekifft wird, der irrt gewaltig. Insofern ist unsere gute Lage vermutlich der Hauptgrund für die positive Geschäftsentwicklung. Aber unser großes Sortiment, welches ja auch einige kuriose bzw. ausgefallene Produkte umfasst, spielt da sicherlich auch mit rein. Hier gibt es einfach eine Menge zu entdecken…

Was sind eure geschäftlichen Ziele für die Zukunft?

Dani: Da stehen vor allem zwei große Dinge an: Zum einen wollen wir unseren Laden in Sachen Größe und Angebot verdoppeln und damit der größte Headshop Berlins werden. Und zum anderen wollen wir den Umsatz unseres Webshops mindestens auf das Level unseres Ladengeschäfts bringen und mittelfristig nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern europaweit versenden. 

Glaubt ihr eigentlich, dass die reale Gefahr besteht, dass die Merz-Regierung die Legalisierung – wie im Wahlkampf angekündigt – wieder zurücknimmt?

Geoff: Ich glaube nicht, dass diese Gefahr wirklich besteht – aber das ist auch nur meine persönliche Empfindung. Ich kenne mich nicht so sehr mit deutscher Politik aus und kann hier ja auch nicht wählen, aber ich vermute, dass sie die Rücknahme der Legalisierung schon auf den Weg gebracht hätten, wenn sie das wirklich gewollt hätten. Die haben ja auch wirklich genug andere und wichtigere Probleme – zudem werden sie auch nicht so unglücklich über die zusätzlichen Steuereinnahmen sein.

Welche drogenpolitischen Gesetzesänderungen würdet ihr euch in Bezug auf Cannabis derzeit noch für eure Wahlheimat Deutschland wünschen?

Geoff: Eine wirklich vollständige Legalisierung von Cannabis wäre gut, ohne strenge Gramm-Grenzen oder Einschränkungen beim privaten Anbau – also ohne die übliche Bürokratie. Aber auch die ursprünglich geplante „Säule II“ wäre schon wünschenswert, auch wenn ich bezweifle, dass das mit der aktuellen Bundesregierung eine realistische Option ist. 

Dani: Das Wichtigste wäre vermutlich, dass alle Leute, die Cannabis nun einfach mal ausprobieren wollen, irgendwo in ein Geschäft gehen können, um ganz legal ein paar Gramm zu kaufen. Das ist leider immer noch nicht möglich. Außerdem sollten meiner Meinung nach auch alle Cannabispatienten problemlos ihre Medizin von den Krankenkassen erstattet bekommen und sie nicht selbst bezahlen müssen.