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Soldaten auf Drogen

Krieg und Drogen passen zusammen wie Waffe und Patronen – als Treibladung und Projektil zugleich schleudert sich der menschliche Körper ins Gefecht, nichts Geringeres als den eigenen Tod riskierend. In Berichten aus dem Irak-Krieg wimmelte es nur so von hoch wirksamen Durchhaltepillen und gelegentlich sogar vom Gegenteil – dem „kleinen Schuss“ Heroin für die schnelle Landung.

Ist die Tatsache, dass sich Soldaten auf Befehl aufputschen, wirklich neu? Oder ist lediglich die Zusammensetzung der militärischen Drogencocktails neu? Haben Krieger nicht seit Anbeginn der Geschichte auch unter Drogeneinfluss gefochten? Heute wissen wir das ganz genau: Ja, sie haben.

Die Afghanen, die ihre Angst vor einer Schlacht mit Opium betäubten, nannten die Droge den „Honig der Krieger“ und im 13. Jahrhundert gehörten bis zu 4,5 Kilo Rohopium pro Jahr zum ganz normalen Sold eines indischen Soldaten und auch die Türken, welche im 16. Jahrhundert Opium mit Kampfer zu „Heldenwasser“ aufkochten, machte diese Mixtur unerschrocken und wach.

Natürlich gab es neben dem vom Heerführer verordneten Drogenkonsum auch immer schon freiwilligen Drogenkonsum – meistens, um die grausamen Erfahrungen des Kriegs besser verarbeiten (oder auch nur ausblenden) zu können. Was die Häufigkeit des Einsatzes betrifft, so übertrafen die legal verordneten bei weitem die individuell konsumierten Drogen – doch dieses Verhältnis hat sich im letzten Jahrhundert immer mehr verkehrt.

Bereits im Ersten Weltkrieg konsumierten deutschen Soldaten und Piloten unwissentlich chemische Drogen, die in ihr Essen gemischt wurden, um sie wach und kampfeslustig zu halten. Die Amphetamin- und MDMA-haltigen Substanzen wurden von der deutschen Chemiefirma MERCK entwickelt und produziert, aber auch andere Staaten verabreichten ihren Soldaten bereits leistungssteigernde Drogen.

Nach dem verlorenen Krieg ging in Deutschland die (mit Drogen besser zu ertragene) Depression in die „Goldenen Zwanziger“ über, in denen ja auch reichlich gekifft, gekokst und gesoffen wurde – selbst Opiate waren relativ leicht erhältlich. Gleichzeitig begann in den USA der noch heute tobende „Krieg gegen die Drogen“, der sich bald auf den ganzen Erdball ausweiteten sollte.

Ab 1933 beendete hierzulande ausgerechnet das NS-Regime den offenen Konsum vieler fortan illegaler Drogen. Mit reichlich Propaganda gingen die Nazis gegen jeglichen Rauschgiftkonsum vor, besonders gegen das „Teufelszeug“ Kokain – die Schickeriadroge der 20er Jahre.

Als Hitlerdeutschland 1939 den zweiten Weltkrieg begann, hatte man jedoch keinerlei Skrupel, den eigenen Soldaten plötzlich massenhaft synthetische Drogen zu verabreichen – auch Hitler selbst war drogensüchtig.

Bereits zu Kriegsbeginn wurde der Einsatz des Methamphetamins „Pervitin“ zur Regel an der Front, von dem „Wachhaltemittel“ versprachen sich die NS-Machthaber vor allem mehr Durchhaltevermögen und eine „gestärkte Kampfmoral“ ihrer Truppen. Allein von April bis Dezember 1939 lieferten die Berliner Temmel-Werke (die Pervitin ab 1938 herstellten) 29 Millionen Tabletten an das Heer und die Luftwaffe.

Das Oberkommando des Heeres verfügte allerdings, diese Bestellungen geheim zu halten – dabei war der Einsatz der Tabletten, die umgangssprachlich als „Panzerschokolade“ oder „Göring-Pillen“ bezeichnet wurden, ein offenes Geheimnis. Tatsächlich war ein Großteil der „Blitzkriegsoldaten“ nur deshalb zu so „blitzartigen“ Vormärschen fähig, da sie hochwirksame Amphetamine in ihrem Bio-Motor hatten.

Allerdings unterschätzten die Nazis die Nebenwirkungen dieser Droge, die auch süchtig machen konnten. Schon 1940 stellten Militärärzte bei Truppeninspektionen im Westen fest, dass viele Soldaten Pervitin ganz ohne Kontrolle schluckten – und gar nicht mehr genug davon kriegen konnten. Gleichzeitig wurden die Regenerationsphasen dieser Männer immer länger und auch ihre Konzentrationsfähigkeit ließ auf Dauer deutlich nach.

Einheiten aus Polen und Frankreich meldeten sogar Todesfälle, die mit übermäßigem Pervitin-Konsum in Verbindung gebracht wurden. Nichtsdestotrotz wurde Pervitin auch weiterhin verabreicht, doch die Nazis arbeiteten bereits eifrig an einem neuen Wundermittel, Projektname: D-IX.

Die Idee zur Entwicklung dieser neuen Droge entstand bei einer Besprechung zwischen hochrangigen Militärs und forschenden Pharmakologen in Kiel. Auf dieser Besprechung forderte Vizeadmiral Hellmuth Heye (nach dem Krieg übrigens CDU-Abgeordneter und sogar „Wehrbeauftragter des Bundestages“) ein Medikament, „das den Soldaten einsatzfähig hält, der über die normale Zeit hinaus als Einzelkämpfer gefordert ist und zugleich das Selbstgefühl des Soldaten hebt“.

Nach Rücksprache mit dem Führerhauptquartier in Berlin erhielt ein Forscherteam um den Kieler Pharmakologieprofessor Gerhard Orzechowski schließlich den Auftrag, das geforderte Krieger-Präparat zu entwickeln.

Nach monatelanger Arbeit im Labor der Universität Kiel glaubte Orzechowski schließlich, eine einsatzfähige Pille gefunden zu haben – die enthaltenen Wirkstoffe waren 5 mg Kokain, 3 mg Pervitin, 5 mg Eukodal (ein schmerzstillendes Morphinpräparat) sowie synthetisches Kokain der Firma Merck.

Diesen Drogen-Cocktail mussten zunächst die Besatzungsmitglieder der Kleinst-U-Boote der Typen „Seehund“ und „Biber“ einnehmen und danach ununterbrochen Einsätze in der Kieler Bucht fahren. Die ersten Ergebnisse waren so „überzeugend“, dass man nun einen „Höchstbelastbarkeitstest am marschierenden Menschen“ durchführen wollte.

Es waren Gefangene des KZs Sachsenhausen, die ab November 1944 für dieses Experiment herhalten mussten. Ziel der Untersuchungen war es, die Belastbarkeitsgrenzen des Menschen durch D-IX neu zu definieren. Laut „Ärztlichem Kriegs-Tagebuch“ kamen einzelne Probanden bei ihrem Dauermarsch mit „2 bis 3 Ruhepausen“ pro Tag aus, weiter heißt es darin: „Eindrucksvoll ist die Verringerung des Schlafes. Bei dieser Arzneiwirkung sind Veranlagung und Wille weitgehend ausgeschaltet.“

Die Initiatoren waren offenbar so angetan von den Ergebnissen der Menschenversuche, dass sie alle deutschen Truppenteile mit dem Kokainpräparat versorgen wollten. Doch die geplante Großproduktion von D-IX lief nicht mehr an, der Krieg war längst in Deutschland angekommen. Und verloren.

Der Sieg der Alliierten im Frühjahr 1945 beendete dann zwar das Nazi-Regime, nicht aber die abstruse Idee von einer Wunderdroge für Soldaten. Denn auch amerikanische, englische und japanische Soldaten waren mit Amphetaminen gefüttert worden und die Forschungen der Deutschen flossen nun einfach in die Forschungen der Alliierten mit ein.

Erst durch den Vietnamkrieg erfuhr die bis dato unwissende Öffentlichkeit, dass Drogen und Krieg meist gemeinsam daherkommen. Durch eine damals noch völlig unkontrollierte (nicht „eingebettete“) Berichterstattung erfuhren die verdutzten Amerikaner, wie man sich z. B. durch eine Pumpgun einen ordentlich „Shot“ zieht oder dass ein Gemisch aus LSD und Kokain für den Kampfeinsatz als optimal galt.

Nach der Ekstase des Kampfes wurde häufig Cannabis oder Opium zum „wieder runterkommen“ geraucht – viele dieser Drogenkonsumgewohnheiten nahmen die im Durchschnitt 19jährigen Soldaten mit nach Hause, und so wusste bald jeder von den berauschten Trips der US-Soldaten im Dschungel von Vietnam.

In späteren Kriegen bzw. „militärischen Interventionen“ gab es kein solches Chaos und auch keine ausufernden Exzesse innerhalb der Truppe mehr – die amerikanische Armee hatte ihre Lehren aus Vietnam gezogen.

Daher erhielten die US-amerikanischen Kampftruppen und Piloten in Afghanistan auch keine Halluzinogene oder Cannabinoide mehr, sondern ausschließlich synthetische Aufputschmittel, die „Go Pills“ oder auch ganz unverholen „Speed“ genannt werden.

Doch wie in Vietnam kam es auch in Afghanistan nicht selten zu verheerenden Verwechslungen. So geriet beispielsweise eine kanadische Einheit in die Schusslinie gedopter Amerikaner – dabei starben vier verbündete Soldaten im drogeninduzierten „freundlichen Feuer“.

Das Verfahren gegen die verantwortlichen Piloten Harry Schmidt und Bill Umbach wurde jedoch eingestellt, da ihre Verteidiger erfolgreich argumentierten und erklärten, der „Unfall“ sei unter Einfluss von Amphetamin-Tabletten entstanden, die von der US-Armee routinemäßig verteilt würden.

Das US-Verteidigungsministerium gab und gibt zwar die Abgabe von so genannten „Action-Pills“ zu, dementiert aber stets eine Verbindung zu Angriffen auf Verbündete oder Zivilisten: „Unser Drogenprogramm ist sicher. Wir wissen, dass es sicher ist, weil wir nie einen Zwischenfall hatten, der nachweislich in kausaler Beziehung zu dem Anregungsmittel stand“ erklärte z. B. US-Oberst Pete Demitry.

Gerichtsverfahren, die das Gegenteil beweisen könnten, sind da nicht gerade willkommen und werden oft lieber in aller Stille eingestellt. Allem Anschein nach ist auch die meinungsbildende Mainstream-Presse in den USA angehalten, alle Informationen zu diesem Thema zurückzuhalten.

Dennoch ist es dem unabhängigen britischen Filmemacher und Autor Jamie Doran in seiner Dokumentation „Das schmutzige Geheimnis – US-Kampfpiloten unter Drogen“ als Erstem gelungen, ehemalige US-Air-Force-Piloten und Special-Forces-Soldaten vor die Kamera zu bekommen, die dort ganz offen über die Einnahme von Drogen vor Kampfeinsätzen berichten – angefangen beim Golfkrieg und bis hin zu Operationen im Irak.

Doran enthüllte in seiner Dokumentation, dass US-Kampfpiloten regelrecht zur Einnahme von Drogen gezwungen wurden, bevor sie ihre Einsätze flogen. Denn wer die Amphetamine unmittelbar vor den Kampfeinsätzen nicht einnehmen will, der darf auch nicht mitfliegen.

Offiziell wird das damit begründet, dass ohne die chemische Hilfestellung bei langen Einsätzen die nötige Ausdauer, Konzentration und Kampfbereitschaft zu sehr leiden würde. Und während die Armee ihren Soldaten derartige Erkenntnisse vermittelt, warnt die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (US Food and Drug Administration) die Zivilbevölkerung vor genau denselben Amphetaminen, weil sich bei deren Einnahme Euphorie, Selbstüberschätzung, aber auch Depression, zu hoher Blutdruck oder Herzrasen einstellen können.

Oftmals setzten die Drogen das Verantwortungsbewusstsein der amerikanischen Piloten völlig außer Kraft – mit den leider nur allzu bekannten Resultaten: Hunderte Verbündete starben bereits durch „friendly fire“, und mindestens ebenso viele unschuldige Zivilisten.

Dem Filmemacher erzählten die Flieger auch, dass sie die Pillen irgendwann „wie Süßigkeiten“ eingeworfen hätten. Wie das alles anfing, beschrieb einer der interviewten Air-Force-Piloten so: „Ich konnte einfach nicht wach bleiben, trotz aller Versuche. Also nahm ich eine Pille – und als die nicht sofort half, nahm ich noch eine. Danach war ich die nächsten 15 Stunden voll drauf, es war echt abgefahren, ich tanzte und sang im Cockpit.“

Natürlich sind die USA nicht das einzige Land, dass seinen Soldaten Drogen verordnet – noch viel schlimmer geht es in den unzähligen „kleinen“ Kriegen der Erde zu. Amnesty International berichtete beispielsweise schon häufiger von einer „Brutalisierung von Kindersoldaten durch Kokain“.

Ein 14jähriger aus Sierra Leone erklärte gegenüber der Menschenrechtsorganisation: „Wenn ich in den Kampf zog, habe ich vorher viel geraucht. Dann hatte ich vor nichts mehr Angst. Wenn du dich geweigert hast, Drogen zu nehmen, dann hieß das ‚technische Sabotage’ – und dafür wirst du getötet.“

Dies ist das vielleicht extremste Beispiel für verordneten Drogenkonsum im Krieg – doch das dahinterstehende Prinzip ist stets das Gleiche: Der Mensch soll zu einer gefühllosen, extrem belastbaren Kampfmaschine werden.

Nach den ganz offiziell verabreichten Drogen zur Steigerung von Leistungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und „Kampfmoral“ kommen wir nun zum illegalen (aber von offizieller Seite meist geduldeten), individuellen Drogenkonsum, der zumeist aus Angst geboren ist und der dabei helfen soll, traumatische Erfahrungen besser zu verarbeiten.

Selbst im Europa des 21. Jahrhunderts gab es bereits einen Krieg, dessen Drogenopfer inzwischen vor allem in Europas größtem Therapiezentrum für Suchtmittelabhängige in San Patrignano bei Rimini behandelt werden. Hundertfünfundzwanzig Ärzte sind hier Tag und Nacht im Einsatz und therapieren gleichzeitig ca. 2000 Süchtige.

Mittlerweile sind viele drogenabhängige Ex-Soldaten Ex-Jugoslawiens in San Patrignano eingetroffen, „Soldaten der Droge“ nennt man die jungen Serben und Kroaten hier, denn der Krieg hat nicht nur unauslöschbare Wunden in ihre Körper geschlagen, sondern auch Narben auf vielen Seelen hinterlassen.

„Die Droge war die Medizin für die Seele“, bekannte der 29jährige Davro. Als er nach seinem ersten Kriegseinsatz die durch Granaten verstümmelten Opfer sah, vor allem die Leichen von Kindern und alten Menschen, da brach er zusammen und wollte fortlaufen. Ein älterer Kamerad gab ihm daraufhin die erste Spritze Heroin – danach ging alles besser, das alltägliche Kriegsgrauen ließ sich leichter ertragen.

Fortan brauchte Davro die Droge als seelische Krücke: „Alkohol und Beruhigungsmittel, die wir auch erhielten, konnten die grausamen Bilder nicht verscheuchen.“ Wie Davro ging es vielen seiner Landsleuten – nicht nur den Kroaten, auch serbischen Kämpfern wurde der Heroinkonsum daher inoffiziell gestattet. So kam es, dass sich nach dem Krieg viele ehemalige Kriegsgegner im italienischen Therapiezentrum von San Patrignano trafen, um nun gemeinsam einen ganz anderen Feind zu bekämpfen.

Wer glaubt, dass derartiges vielleicht in Ex-Jugoslawien möglich sei, nicht aber in einer hoch entwickelten, „zivilisierten“ europäischen Armee, dem sei gesagt, dass die britische Armee jedes Jahr Hunderte Soldaten wegen ihres freiwilligen Drogenkonsums entlässt – allerspätestens, wenn die Spuren des Missbrauchs nicht mehr zu verschleiern sind.

Da die konsumierten Drogen in aller Regel illegal sind, hat man damit die perfekte Handhabe, die „Troublemaker“ kurzerhand rauszuschmeißen. So verliert das britische Militär Jahr für Jahr mehr Personal, als durch Todesfälle oder Verletzungen während der zahlreichen Kampfeinsätze im Irak und in Afghanistan – dies ergab eine Studie des Forschungsinstituts der britischen Streitkräfte.

Danach habe sich insbesondere die Zahl der Kokain-Konsumenten stark erhöht, es wird davon ausgegangen, dass ca. 10 % der britischen Militärangehörigen regelmäßig Kokain konsumieren. Um diesem (sich immer weiter fortsetzenden) Trend entgegenwirken zu können, forderte das Institut ein radikales Umdenken in der Anti-Drogen-Politik der Armee.

Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums widersprach jedoch dem eigenen Forschungsinstitut und erklärte, er vertraue „voll und ganz“ in die derzeitigen Mechanismen und sähe „keinen konkreten Handlungsbedarf“. Offensichtlich soll sich auch der Soldat der Zukunft chemisch stimulieren lassen dürfen. Und wenn er dabei süchtig wird oder ein gestörtes Verhalten zeigt, dann wird er eben rausgeschmissen. 

Beschäftigen wir uns nun noch kurz mit der langjährigen (und immer noch nicht abgeschlossenen) Suche nach der ultimativen Wahrheitsdroge – schließlich ist die Beschaffung geheimer Information stets ein wesentlicher Teil erfolgreicher Kriegsführung gewesen.

Wie wir heute wissen, begann die geheime CIA-Forschung nach einer „Wahrheitsdroge“ bereits in den 1950er Jahren mit der klaren Zielstellung, „kommunistische Agenten“ effizienter verhören zu können. In einer überlieferten Rede vor Absolventen der Eliteuniversität Princeton sprach CIA-Chef Dulles im April 1953 über ein „wissenschaftliches und medizinisches Forschungsprogramm“, mit dem man dem kommunistischen „brain warfare“ (dem „Krieg gegen das Gehirn“) begegnen wolle.

Der seit drei Jahren tobende Koreakrieg zeige, so Dulles damals, dass die Kommunisten Gehirnwäsche einsetzten, um US-Kriegsgefangene zum Reden zu bringen – das könne man sich nicht einfach gefallen lassen, dagegen müsse man sich wehren.

Tatsächlich lief zum Zeitpunkt der Dulles-Rede das streng geheime CIA-Forschungsprogramm schon seit einigen Jahren. Und es war weit weniger defensiv ausgerichtet, als es der Geheimdienstchef in Princeton darstellte, denn natürlich wollte nicht nur der KGB herausfinden, wie man durch Einsatz von Drogen seinen Gegner gefügig machen können.

Auf ihrer Suche nach der ultimativen Wahrheitsdroge griff die CIA auch ganz ungeniert auf die Erkenntnisse von Nazi-Ärzten zurück, die bei Menschenversuchen in Konzentrationslagern gewonnen wurden. So werteten die amerikanischen Geheimdienstler auch die Meskalinversuche in Auschwitz und Dachau aus, bei denen Häftlinge mit Hilfe der Droge dazu gebracht werden sollten, gegen ihren Willen wahrheitsgemäße Aussagen zu machen. Viele Häftlinge starben bei diesen Versuchen, weil an ihnen auch die Folgen von Überdosierungen erprobt wurden.

1951 beauftragte die CIA dann US-Professor Richard Wendt, Psychologe an der Universität Rochester, mit der Suche nach einer Wahrheitsdroge, die auch widerspenstige Gefangene geständig machen sollte. Das Forschungsprogramm mit dem Tarnnamen „Chatter“ (Geschnatter) knüpfte direkt an die Meskalinversuche in den deutschen KZ’s an, im Juni und August 1952 kam es zu ersten „Feldstudien“ – und zwar erneut auf deutschem Boden.

Diese als CIA-Operation „Artischocke“ getarnten Menschenversuche fanden in einer Villa am Stadtrand des hessischen Kronberg statt. Mehreren vermeintlichen Sowjet-Spionen wurden verschiedene Drogencocktails gespritzt, danach begannen die Verhöre, an die sich die Opfer anschließend nicht mehr oder kaum noch erinnern konnten.

Die Wissenschaftler und Geheimdienstler, die das Experiment aus einem Nachbarraum verfolgt hatten, waren mit den Tests sehr zufrieden, daher setzte die CIA fortan auch in Berlin die vermeintliche Wahrheitsdroge bei Verhören ein.

Die dabei gesammelten Erkenntnisse flossen auch in das KUBARK-Handbuch ein, die „Folterfibel“ war die Grundlage vieler ähnlicher Handbücher für die US-Army, die z. B. auch im Vietnam-Krieg zum Leitfaden für Gefangenenverhöre wurden.

Als die Existenz des Handbuchs 1975 bekannt wurde, musste es der Geheimdienst offiziell zu den Akten legen, doch schon 1983 entstand ein Nachfolger mit der Codebezeichnung HRE. Die darin beschriebenen Folter- und Verhörtechniken sind über weite Strecken wortgleich dem KUBARK entnommen.

Es scheint fast so, als wären Krieg und Drogen wirklich nicht von einander zu trennen – das beste Beispiel dafür stammt aus dem von der NATO „befreiten“ Afghanistan der 2010er Jahre. Plötzlich wuchs wieder überall Schlafmohn, der Rohopiumlieferant und Grundstoff für die Heroinproduktion.

Mittlerweile ist bekannt, dass Afghanistan unter den Augen der westlichen Streitkräfte etwa 90 % des weltweit verfügbaren Opiums anbaute. Was unter den Taliban unmöglich war und inzwischen auch wieder ist, geschah ganz offen – auch unter den Augen deutscher Soldaten.

Drei Jahre nach der „Befreiung“ Afghanistans hatte die regionale Heroin-Produktion ihren historischen Höchststand erreicht. UN-Angaben zufolge stieg der Gewinn aus der Opiumproduktion im Jahre 2011 um 133 % auf ein Volumen von insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar.

Aber Opium und Heroin fanden nicht nur außerhalb Afghanistans dankbare Abnehmer: Informationen, die von der Nachrichtenagentur „Associated Press“  unter Mitarbeit der Organisation „Judicial Watch“ herausgegeben wurden, belegen unter anderem, dass insgesamt 70.000 Drogenvergehen innerhalb der US-Streitkräfte im Zeitraum von 2006 bis 2011 registriert wurden.

Im Jahr 2011 wurde dann ein weiterer Anstieg an verübten Drogendelikten von 9.400 (im Vorjahr) auf 11.200 verzeichnet. Eine Reaktion der betroffenen militärischen Abteilungen erfolgte nich, Sprecher der Streitkräfte erklärten lediglich, dass (neben stichprobenartigen Drogentests) jeder Soldaten mindestens einmal pro Jahr auf den Missbrauch illegaler Substanzen hin untersucht wird.

Nichtsdestotrotz werden immer häufiger Fälle bekannt, in denen amerikanische Soldaten Morphin und andere Schmerzmittel aus Lazaretten oder aus medizinischen Vorräten entwendeten – zudem werden verschreibungspflichtige Schmerzmittel vermehrt nach dem Ablauf der Rezepte weiterbezogen und mit anderen Opiaten kombiniert. Dieser Mischkonsum ist besonders gefährlich und führte bereits unter den Soldaten des US-Militärs zu zahlreichen Todesfällen.

Auch in den aktuellen Kriegen unserer Zeit spielen Drogen eine kaum zu unterschätzende Rolle. Das gilt für den Ukraine-Krieg ebenso wie für den Iran-Krieg, auch wenn sich beide Kriege deutlich voneinander unterscheiden. Ebenso die jeweils am weitesten verbreiteten Drogen.

In der ukrainischen Armee ist vor allem der Alkoholismus ein weit verbreitetes Problem – dabei ist das gar kein neues Phänomen hier. Man vermutet zwar, dass der Alkoholismus bei der russischen Armee noch größer und noch weiter verbreitet ist, doch das macht das eigene Problem ja auch nur im direkten Vergleich kleiner. 

Viele ukrainische Berufssoldaten haben offenbar das hochprozentige Trinkverhalten aus den früheren Sowjetzeiten übernommen, in denen das Ausrichten einer großen Sauftour nahezu Pflicht war, wenn irgendjemand befördert wurde. Viele der erfahrensten Offiziere, die auch heute noch im Ukraine-Krieg dienen, haben schließlich noch in der Sowjetunion ihren Dienst begonnen. Und die folgende Offiziersgeneration der Ukraine stand zu Beginn der Unabhängigkeit ganz klar unter dem Einfluss der vormaligen ukrainischen Sowjet-Kommandeure und übernahm so auch viele schlechte Angewohnheiten aus der Sowjetzeit.

Doch damit nicht genug, die UKRAJINSKA PRAWDA enthüllte: „Häufig wollen Mitarbeiter der ukrainischen Einberufungsbüros ihre Mobilisierungsquoten um jeden Preis erfüllen. Deshalb kommt es vor, dass sogar Menschen mit chronischen Alkoholproblemen direkt auf der Straße eingezogen werden.“ 

Auch die ukrainische Ärztin und Bloggerin Alina Mychajlowa wies in ihrer Kolumne für das Portal HROMADSKE auf dieses Problem hin. Mychajlowa leitet die medizinische Abteilung des ukrainischen Bataillons „Wowky Da Wintschi“ („Wölfe von da Vinci“) und erklärte: „Alkoholiker und Drogenabhängige werden massenhaft in die ukrainische Armee aufgenommen. Die Kommandeure bekommen sie dann zugeteilt – und sind gezwungen, sie an die vordersten Linien zu schicken, weil es niemand anderen mehr gibt.“ 

Laut Mychajlowa seien die fatalen Konsequenzen solcher Fronteinsätze vorhersehbar, ihr Fazit: „Alkoholismus und Drogensucht sind der Krebs der ukrainischen Armee.“

Kommen wir nun zu den russischen Soldaten, von denen viele nicht nur Alkohol konsumieren. Wie die BILD-Zeitung (Wahrheit also unter Vorbehalt) berichtete, sollen viele der kämpfenden Wagner-Söldner auch Methamphetamin konsumieren. Ukrainische Soldaten haben der BILD angeblich berichtet, dass viele der gefangen genommenen russischen Kämpfer erst nach 24 bis 36 Stunden einschlafen konnten.

Schon 2022 gab es erste Berichte über völlig zugedröhnte russische Soldaten. Eine Reporterin des finnischen Portals ILTALEHTI reiste an die Front und sprach mit ukrainischen Soldaten in Soledar. Ein ukrainischer Soldat der 93. motorisierten Infanterie-Brigade erzählte ihr: „Mit Nachtsichtgeräten können wir sehen, wie sie wie Zombies auf uns zukommen. Sie kommen einfach in großen Gruppen auf uns zu. Und wenn wir anfangen zu schießen, versuchen sie nicht einmal, in Deckung zu gehen – sie laufen einfach wie in Zeitlupe weiter.“ 

Ob dieses Verhalten durch Alkohol oder andere Drogen verursacht wurde, ist nicht immer klar zu sagen. Wobei auch Cannabis inzwischen sehr verbreitet zu sein scheint, wie das „Media Outlet“ VERTSKA berichtete. Demzufolge raucht ungefähr jeder zehnte russische SoldatregelmäßigCannabis, einige nehmen dazu auch noch harte Drogen. VERTSKA hatte für diese Recherche knapp tausend Soldaten und Bewohner in russisch besetzten Gebieten der Ukraine befragt.

Ein russischer Soldat, der nach eigenen Angaben auch selbst Drogen konsumiert, beschrieb die ewig gleiche Situation an der Front so: Man harrt im Schützengraben aus und wartet ununterbrochen darauf, dass irgendetwas passiert. In diesen zähen Stunden nehmen dann viele Soldaten auch verschiedene Drogen – und das bekommen aufgrund der Enge in den Schützengräben auch alle mit, aber: „Sie drücken ein Auge zu.“ und „Das Wichtigste dabei ist, dass man niemanden belästigt, da man den Schützengraben nicht verlassen darf“.

Doch wie kommen die russischen Soldaten im Ukraine-Krieg an ihre Drogen? Ganz einfach: Laut NEWSWEEK bringen „Drogenkuriere“ offenbar alles direkt in die russischen Schützengräben – vor allem den MDMA-ähnlichen Stoff Mephedron und Alpha-PVP (auch als „Badesalz“ bekannt).

Alpha-PVP wird dabei als extrem gesundheitsgefährdend eingestuft. Mephedron ist dagegen bisher wenig erforscht und soll ebenfalls sehr gefährlich sein. Viele Soldaten gaben an, es sei leicht, sich in den besetzten ukrainischen Gebieten und an der Front Drogen zu beschaffen. 

Was ja fast überall auf der Welt der Fall ist – aber wie ist das im Irankrieg? Dass US-Piloten auf langen Flugeinsätzen Muntermacher-Drogen einwerfen ist ja bereits hinlänglich bekannt. Aber was ist mit dem Iran?

Was kaum einer weiß: In keinem anderen Land der Welt werden im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Opiate konsumiert wie im Iran. Aber auch Methamphetamin (im Iran „Shisheh“ genannt) ist auf dem Vormarsch, ebenso Cannabis. Dabei ist der „Gottesstaat“ auch Weltrekordhalter bei Hinrichtungen und Haftstrafen wegen Drogenkriminalität – allein im letzten Jahr wurden 1.639 Menschen wegen ihrer Drogenvergehen hingerichtet. 

Dabei gestand schon 2017 ein prominenter iranischer Insider: „Wir haben den Drogenkrieg verloren.“ Aber diese Erkenntnis allein ändert natürlich auch nix, solange sich nichts ändert. Und warum sollte der Iran etwas ändern, wenn er vom Status Quo profitiert?

Nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbehörden ist der Iran selbst massiv in den internationalen Drogenhandel verstrickt und auf die so erwirtschafteten Drogenmilliarden auch regelrecht angewiesen. Denn tatsächlich finanziert das Mullah-Regime damit auch zu großen Teilen seine Armee, die sich aktuell so unbesiegbar gibt. 

Die Islamische Republik wird daher von UN-Ermittlern als sogenannter „Narco-Staat“ bezeichnet – also ein Land, dessen Institutionen vom illegalen Drogenhandel durchdrungen und abhängig sind. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Fazit:

Soldaten aller Länder greifen im Krieg oft zu Drogen, weil diese ihre Angst kurzfristig dämpfen oder Schmerzen reduzieren, weil Drogen die Wachsamkeit steigern und gewollte Aggressionen fördern können. Oder weil Drogen (ob nun legal oder illegal) schlicht das psychische Überleben der Frontkämpfer ermöglichen. Sie sind ein biochemische Hilfsmittel, das den Soldaten ermöglicht, unter extremen Belastungen zu funktionieren. Der Drogenkonsum von Frontsoldaten sollte daher nicht mal ansatzweise moralisch bewertet werden.