Wenn es um Cannabis geht, sind noch immer viele Personen der Ansicht, dass der Konsum dieser Pflanze und der aus ihr gewonnenen Produkte zu keinerlei Abhängigkeitssymptomen führt, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Schließlich kann alles im Leben infolge unsachgemäßer Anwendungen gewissermaßen zu einer Abhängigkeit führen – so auch der Konsum von Gras oder Haschisch. Fast jeder Konsument, der sich über viele Jahre hinweg daran gewöhnt hat, seinen Alltag unter der THC-Wirkung zu gestalten und zu gegebener Zeit seinen Konsum zügeln oder gar beenden möchte, wird bestätigen können, dass die Umsetzung dieses Vorhabens häufig gar nicht so einfach ist, wie anfänglich vielleicht angenommen wurde.

Ein erster Blick in die Literatur lässt schnell erkennen, dass der Versuch, Sucht zu definieren, viele Antwortmöglichkeiten zulässt. Schließlich wird der Begriff einerseits zur Beschreibung eines schädlichen Lasters genutzt, darüber hinaus fungiert er als Bezeichnung für diverse Krankheiten (z. B. Gelbsucht, Wassersucht). Im Rahmen dieses Artikels ist jedoch ausschließlich die erste Bezeichnung von Relevanz. Im offiziellen Sprachgebrauch existierte der Terminus Sucht in den Jahren 1957 bis 1963 und wurde anschließend, aufgrund eines Beschlusses der Weltgesundheitsorganisation (WHO), durch den Begriff Abhängigkeit ersetzt, der ausschließlich den Missbrauch psychotrop wirkender Substanzen fokussiert. Unterschieden wird hierbei einerseits zwischen einer psychischen/seelischen sowie einer physischen Abhängigkeit.

Bei erstgenanntem handelt es sich um einen Zustand, bei dem die von einer Substanz hervorgerufenen Wirkungen zur Aufrechterhaltung des Wohlbefindens notwendig erscheinen.

Bei einer physischen Abhängigkeit hingegen handelt es sich um einen Zustand, der dann eintritt, wenn eine Substanz derart häufig konsumiert wird, dass ein körperliches Verlangen nach ihr entsteht.

Im internationalen Klassifikationssystem des ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) werden diagnostische Kriterien aufgeführt, wonach die medizinische Diagnose der Abhängigkeit erst dann gestellt werden darf, sobald innerhalb des letzten Jahres mindestens drei der nachfolgenden Kriterien mit einem Ja beantwortet werden können.

Ein starker Wunsch oder Zwang, bestimmte Substanzen zu konsumieren.

Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Substanzkonsums.

Ein körperliches Entzugssyndrom.

Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrige Dosierungen erreichten Wirkungen hervorzurufen, sind sukzessiv höhere Mengen erforderlich.

Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen körperlicher, sozialer und psychischer Art.

Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums.