Es war 2009. Ich traf ihn auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung und verliebte mich.

Ich liebte Schokolade, er Cannabis. An seine Leidenschaft musste ich mich erst lange gewöhnen, bevor ich sie Jahre später sogar schätzen lernte.

Seit nun zehn Jahren sind mein Mann und ich ein Paar, beste Freunde, ein Team und seit einigen Jahren auch Eltern. Als ich ihn kennenlernte, war Cannabis bereits ein Thema, bzw. sein Thema. Nein, Unsinn. Es war nicht nur „sein Thema“ – es war sein Hobby, seine Leidenschaft und immer präsent. Ob es nun um die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Organismus und der damit zusammenhängenden Verabreichung bei gesundheitlichen Beschwerden ging, um das Thema Cannabis auf politischer Ebene oder den Umgang mit dem Thema  in unserer Gesellschaft, die Auseinandersetzung und Darstellung von Cannabis in der Musikszene – ich könnte ewig so weiter machen – das alles und alle weiteren Aspekte interessierten ihn. Ein Interesse, aus dem er niemals großen Hehl machte.

Und obwohl es noch nie mein Thema war, habe ich in den letzten Jahren, mehr oder weniger freiwillig, alles darüber erfahren und könnte problemlos gleich morgen früh eine Fachtagung inhaltlich hierzu ausrichten und zu allen oben genannten Themengebieten gekonnt referieren.

Wer es an dieser Stelle noch nicht bemerkt hat – mich interessiert das Thema einzig und allein, weil mein Mann mich interessiert.

Es hat mich nie gestört, dass er regelmäßig Gras konsumiert – denn – obwohl es unzählige Vorurteile über Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumieren gibt, habe ich persönlich nur Weed rauchende Menschen kennengelernt, die eben nicht dem Kiffer-Klischee entsprachen und alles andere als faul, vergesslich oder verplant waren. Ich selbst habe selber nie wirklich konsumiert.

Ja, ich hab’s mal probiert. Ein paar Mal, aber ähnlich so, wie heute 11-jährige, heimlich, zusammenstehend und kichernd in der Ecke des dunklen Schulhofes ihre erste Kippe rauchen. Wer sich jetzt an den 11 Jahren stört – sorry – unsere Base ist in Duisburg nahe Marxloh, da sind die 11 Jahre sogar noch wirklich gut gemeint. Ich hab’s jedenfalls  probiert und es gab mir nichts. Einfach nichts. Es blieb dann also weiterhin bei Schokolade. Denn die macht mich, eigentlich seitdem ich denken kann, sehr glücklich.

Und obwohl ich mich selbst als aufgeschlossene und entspannte Person ansehe, gab es Zeiten, in denen mir die Leidenschaft meines Mannes zeitweise zu viel wurde. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem er mir von der Idee erzählte Zu Hause „growen“ zu wollen.

„Zu was? Was willst du Zu Hause?“

„Na, so das ein oder andere Pflänzchen ziehen – natürlich nur für den Eigenbedarf. Denk doch mal an die Vorteile. Endlich sauberes und gutes Gras. Ist auch besser für meine Gesundheit. Außerdem muss ich dann nicht immer ständig los und was besorgen.“

Das Argument mit der Gesundheit fand ich gut, und das wusste er. Außerdem gefiel es mir auch nicht, dass er regelmäßig mit nicht unerheblichen Mengen unterwegs war. Irgendwie musste es ja seinen Weg zu uns finden.

Letztlich ließ ich ihn gewähren. Als ich einwilligte, erinnerte mich seine Reaktion an die eines Kindes, das man auf die Kirmes einlädt und verspricht, ihm jeden Wunsch dort widerstandslos zu erfüllen. Karussell, Autoscooter und Achterbahn zugleich. Zuckerwatte und Paradiesapfel inbegriffen. Die Liebe ist groß. Wie könnte ich ihm etwas absprechen, das ihn derart erfüllt?