Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die (wie ich) in ihren eigenen vier Wänden Cannabis anpflanzen. Mal ganz abgesehen davon, dass immer mehr Menschen sich dafür entscheiden Homegrower zu werden, zieht dieses Hobby sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Über einen Arbeitskollegen meiner Frau habe ich Marci kennengelernt, der auf meine Anfrage hin sofort zugestimmt hat, ein Interview in seinen heiligen Wänden zu führen. Anders als bei anderen Interviews, hat sich dieses Gespräch schnell zu einem lebendigen Austausch entwickelt, da wir unter ähnlichen Voraussetzungen Cannabis züchten. Und dass dies nicht die einzige Gemeinsamkeit war, könnt Ihr im folgenden Gespräch lesen.

Vor ein paar Wochen sind meine Frau und ich mit unseren zwei Kindern umgezogen. Raus aus der Stadt in einen ländlich-bergischen Vorort unserer alten Heimat. Man könnte sagen, wir sind einem Trend gefolgt, aber in Wirklichkeit wollten wir nicht mehr täglich diesen Großstadtstress ertragen. Der Weg zum Kindergarten oder zur Schule wurde dann schon manchmal zum Spießrutenlauf. Schlechte Luft, gefühlte drei Autos auf jeden Einwohner und lauter Menschen, die nicht nach links oder rechts, sondern nur geradeaus schauen, haben uns irgendwann den Rest gegeben. Schnell haben wir ein schönes Häuschen mitten im Grünen gefunden und uns in es verliebt. Der einzige Nachteil: Mein komfortabler Growraum war nicht direkt zu ersetzen. Nun habe ich zwar einen riesigen Dachspeicher, aber dieser hat eine niedrige Höhe, wobei wiederum Schrägen alles nur noch komplizierter machen. Da ich kurzzeitig darüber nachgedacht habe, einen Raum in den Raum zu bauen, da die üblichen Grow-Zelte keine Lösung waren, habe ich einen Arbeitskollegen meiner Frau und seine Familie zum Essen eingeladen, wohl wissend, dass er handwerklich sehr begabt ist. Während wir also eine Dachspeicher-Begehung mit einem kühlen Pils machten, erzählte er mir, dass er einen Freund habe, der ebenfalls growt. Bei solchen Infos werden natürlich meine Ohren immer ganz schnell spitz. Marci also würde in einem ausgebauten Kühlschrank growen und ob ich mir das nicht auch vorstellen könnte. Als großer Fan von Zelten oder gar Räumen musste ich diese Frage leider verneinen, wurde aber trotzdem neugierig und bat meinen Gast, seinen Freund doch bitte mal zu fragen, ob er sich denn vorstellen könne, mich zu empfangen und ein Interview zu führen. Diskret und anonym versteht sich. Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten und war durchweg positiv. So machten wir also ein Date aus und kamen dabei ausführlich ins Gespräch. Marci ist ein 70er-Baujahr und hat mich freundlich empfangen. Nach dem er mir zu Beginn fröhlich und leicht aufgeregt bereits viele Infos um die Ohren gehauen hat und mir selbstverständlich auch direkt stolz seine letzte Ernte präsentierte, tat er das, was jeder gute Gastgeber tun würde und drehte einen leckeren Joint.